
Glückwunsch an alle Beteiligten – an die Gewerkschaften, das Opel-Management, die General-Motors-Bosse im fernen Detroit, die Politik. Der Kompromiss, der sich nun in den Verhandlungen um die Zukunft der deutschen Opel-Standorte abzeichnet, ist ein Sieg der Vernunft.
Weder haben sich die Hardliner im GM-Management durchgesetzt, die lieber gestern als heute im Bochumer Opel-Werk das Licht ausgeknipst hätten, noch haben Gewerkschafter oder Ministerpräsidenten aus den Bundesländern mit Opel-Standorten GM irrwitzige Zusagen abgerungen, die den im Branchenvergleich eher renditeschwachen US-Konzern auf Jahre belasten würden - oder die die harte Realität in Europa ausblenden würde: Opel ist inzwischen eine ramponierte Marke, mit Potenzial, aber auch mit gigantischen Überkapazitäten.
Stattdessen nun also eine Lösung mit Augenmaß: Die 20 800 Opel-Beschäftigten in Deutschland können sich über eine Jobgarantie bis Ende 2016 freuen, danach wird jedoch das Bochumer Werk geschlossen. Der Zafira wird noch bis zum Ende seiner Laufzeit in Bochum gebaut und ein vorzeitiger und wahrscheinlich wenig lohnender Abzug der Produktion vermieden. Diesen Deal werden der Autobauer, IG Metall und Betriebsräte in absehbarer Zeit wohl besiegeln.
Bild: dpaWo Opel in Deutschland und Europa produziert
Bochum
Kapazität: 160.000 Fahrzeuge
Gefertigte Einheiten: 131.000 (davon 87.000 Zafira)
Seit 1962 produziert Opel in Bochum-Laer und Bochum-Langendreer. 3.100 Mitarbeiter bauen hier den Zafira Family und Zafira Tourer sowie den Astra Classic. Ende 2014 gehen im Werk Bochum die Lichter aus. Die Bochumer hatten den Sanierungsplan der Gewerkschaft im März mit großer Mehrheit abgelehnt, er sah ein Auslaufen der Produktion erst 2016 vor. Die Produktion der Großraumlimousine wandert ab 2015 ins Stammwerk nach Rüsselsheim.
Bild: dpaRüsselsheim
Kapazität: 180.000 Fahrzeuge
Gefertigte Einheiten: 181.000 (davon 150.000 Insignia)
Rüsselsheim ist der älteste Standort von Opel, seit 1899 ist der Autobauer hier zuhause. Im Opel-Stammwerk arbeiten aktuell noch 3.500 Mitarbeiter. Sie produzieren den Opel Insignia als Limousine, Fließheck und Sports Tourer, sowie den Astra-5-Türer. Ab 2015 läuft hier der Zafira vom Band.
Bild: APEisenach
Kapazität: 190.000 Fahrzeuge
Gefertigte Einheiten: 130.000 (ausschließlich Corsa)
In Eisenach steht eines der jüngsten Opel-Werke. 1990 nahm der Autobauer den Betrieb in Thüringen auf. Die 1600 Opelaner in Eisenach sind für das Modell Corsa zuständig - teilen sich die Produktion aber mit dem Kollegen im spanischen Saragossa.
Bild: REUTERSZaragoza (Spanien)
Kapazität: 480.000 Fahrzeuge
Gefertigte Einheiten: 365.000 (davon 216.000 Corsa)
Vorübergehend will General Motors 316 Arbeitsplätze im Werk Zaragoza streichen. Wegen der andauernden Verluste bei Opel sollen im Rahmen einer Umstrukturierung bis 2014 insgesamt 900 Arbeitsplätze gestrichen werden. Die betroffenen Arbeiter sind alle mehr als 57 Jahre alt. Sie sollen nach Angaben des Vorsitzenden des Betriebsrates, Ramón Legarre, „solange wie nötig“ ihre Arbeitsplätze nicht mehr besetzen. Ihnen werde jedoch die Möglichkeit geboten, mit 61 Jahren in den vorzeitigen Ruhestand zu gehen. Opel plant, insgesamt 444 Arbeiter in Figueruelas beim Erreichen dieses Alters in den Ruhestand zu versetzen.
Das spanische Werk in Zaragoza ist mit 6.500 Mitarbeitern das größte Opel-Werk in Europa. Seit 1982 produziert Opel hier. Die Spanier bauen die Modelle Corsa, Meriva und Combo. Spekuliert wird, dass Zaragoza (Saragossa) die Produktion des SUV Mokka aus Korea übernehmen könnte und dafür die Corsa-Produktion komplett im Werk Eisenach abgewickelt wird.
Bild: dpaKaiserslautern
Produkte: Komponenten und Motoren
Im Werk Kaiserslautern entstehen Aluminiumhauben, Vorderrahmen, Vorderradträger und Hinterachsen sowie wie 1,9 l und 2,0 l Dieselmotoren. 2.700 Mitarbeiter arbeiten in Kaiserslautern. Die Produktion begann 1966.
Bild: dpaEllesmere Port (England)
Kapazität: 187.000 Fahrzeuge
Gefertigte Einheiten: 140.000 (ausschließlich Astra)
Ebenfalls in den 60er Jahren entstand das Werk in Ellesmere Port. Gebaut werden hier der Astra Fünftürer, Van und Sports Tourer. 2.100 Briten arbeiten hier für Opel.
Bild: dpaLuton (England)
Kapazität: 67.000 Fahrzeuge
Gefertigte Fahrzeuge: 68.000 (davon 53.000 Vivaro)
Das zweite britische Werk ist mit 1.100 Mitarbeitern eines der kleinen Opel-Werke, aber auch eines der ältestens. 1907 nahm Opel hier die Produktion auf, heute entstehen in Luton Vauxhall-Modelle, eine ursprünglich britische Marke, die seit 1925 zu General Motors gehört, der Opel Vivaro, der Renault Traffic und der Nissan Primastar. 2009 wollte Vauxhall mit Opel eine eigenständige europäische Gesellschaft gründen, doch GM entschloss sich beide Marken im Konzern zu behalten und zu sanieren.
Bild: REUTERSGliwice (Polen)
Kapazität: mehr als 200.000 Fahrzeuge
Gefertigte Einheiten: 174.000 (davon 153.000 Astra)
Das polnische Werk ist eines der jüngsten. Seit 1998 produziert Opel hier Astra-Modelle wie den Astra Classic II uns die Astra Classic III Limousine sowie den Zafira. Mit 3.000 Mitarbeitern gehört das Werk zu den vier größten. Gliwice wird ab 2015 die Astra-Produktion aus dem Werk Rüsselsheim übernehmen, die dafür die Produktion des Zafira aus Bochum übernimmt.
Bild: dpaTychy (Polen)
Kapazität: 330.000 Motoren
Das jüngste Opel-Werk produziert Dieselmotoren. Seit 1999 ist Opel im polnischen Tychy ansässig und beschäftigt dort 550 Mitarbeiter.
Bild: dpaAspern (Österreich)
Kapazität: 805.000 Sechsgang-Getriebe, 760.000 Fünfgang-Getriebe, 730.000 Motoren
Opel produziert seit 1980 in Österreich. In Apsern arbeiten aktuell 1.600 Mitarbeiter und stellen Motoren und Getriebe her.
Wo Opel in Deutschland und Europa produziert
Bochum
Kapazität: 160.000 Fahrzeuge
Gefertigte Einheiten: 131.000 (davon 87.000 Zafira)
Seit 1962 produziert Opel in Bochum-Laer und Bochum-Langendreer. 3.100 Mitarbeiter bauen hier den Zafira Family und Zafira Tourer sowie den Astra Classic. Ende 2014 gehen im Werk Bochum die Lichter aus. Die Bochumer hatten den Sanierungsplan der Gewerkschaft im März mit großer Mehrheit abgelehnt, er sah ein Auslaufen der Produktion erst 2016 vor. Die Produktion der Großraumlimousine wandert ab 2015 ins Stammwerk nach Rüsselsheim.
Trotz der schmerzhaften Werksschließung in Bochum signalisieren die Gewerkschaften Zustimmung zu einem Sanierungsplan, mit dem die seit Jahren anhaltenden Milliardenverluste bei dem Autobauer gestoppt werden sollen. Neben der Schließung des Werkes Bochum sind die Betriebsräte scheinbar zu weiteren Zugeständnissen bereit. Sie wollen mit der Opel-Führung über eine Verschiebung der Tariferhöhung von 4,3 Prozent reden. Auch über Pläne „zur Reduzierung der Material-, Entwicklungs- und Produktionskosten“ wollen die Opel-Chefs nun verhandeln. Im Gegenzug investiert GM Milliarden in neue Opel-Modelle und kann sich auch vorstellen, Autos anderer GM-Marken, etwa der Massenmarke Chevrolet, in Opel-Fabriken zu bauen und die Werke damit besser auszulasten.
Dramatische Überkapazitäten
Das wichtigste Resultat der sich abzeichnenden Einigung: Bis 2016 gibt es Ruhe. Kein Opelaner muss bis dahin um seinen Job bangen. Arbeitskämpfe, die das Krisen-Image der Marke weiter verstärkt hätten, werden womöglich ausbleiben. Die Bochumer, für die nach 2016 wahrscheinlich Schluss ist, können sich jetzt schon darauf einstellen und sich nach Alternativen umsehen. Davon gibt es vielleicht mehr, als sich mancher Opelaner bewusst ist. Fachkräftemangel herrscht nämlich – entgegen landläufiger Vorurteile – auch im krisengeschüttelten Ruhrgebiet. Tausende offener Stellen zählen die dortigen Arbeitsagenturen für die Berufen der Opelaner. Ganz zu schweigen von offenen Stellen in anderen Branchen, auf die Opelaner umgeschult werden könnten.
Der Glückwunsch geht ausdrücklich nicht an Hannelore Kraft. Erstens hat sie nicht viel zu feiern, nur weil das Bochumer Werk nun nicht, wie ursprünglich befürchtet, Anfang 2015 sondern erst 2016 dicht gemacht wird. Zweitens beschädigt sie durch populistischen Sprüche den mühsam gefundenen Kompromiss. Mit der Aussage, dass nun wieder Chancen auf einen langfristigen Erhalt des Bochumer Werks bestünden, gibt sie dortigen Opelanern mehr von dem, was sie in den letzten Jahren bereits im Übermaß hatten: Trügerische Hoffnungen. Kommt die Schließung dann doch, und daran wird wohl kein Weg vorbeiführen, dann wird es für die Opelaner umso dramatischer.
Rechnerisch könnten heute mindestens zwei Werke in Europa stillgelegt werden, ohne dass auch nur ein Opel-Kunde länger auf seinen neuen Wagen warten müsste. Diese dramatischen Überkapazitäten müssen gesenkt werden, darum wird der Konzern nicht umhinkommen. Denn besser wird die Lage sicher nicht. Der Autoabsatz in Europa ist auf Talfahrt. Zudem wollen GM und Peugeot-Citroen künftig in Europa eng kooperieren – natürlich auch mit dem Ziel, in beiden Unternehmen Kapazitäten abzubauen und Kosten zu drücken.
Statt den Bochumer Opelanern falsche Hoffnungen zu machen, sollte die Ministerpräsidentin ihnen lieber neue Perspektiven aufzeigen – jenseits des Bochumer Werkes. Dann hat auch sie sich Glückwünsche verdient.

























