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KommentarOpel-Zukunft: Ein Sieg der Vernunft

von Martin Seiwert

Trotz dramatischer Überkapazitäten eine Lösung mit Augenmaß: Die 20.800 Opel-Beschäftigten in Deutschland können sich über eine Jobgarantie bis Ende 2016 freuen, danach wird das Bochumer Werk geschlossen.

Opel-Werk Bochum Quelle: dpa
Der Opel Zafira wird noch bis zum Ende seiner Laufzeit in Bochum gebaut und ein vorzeitiger und wahrscheinlich wenig lohnender Abzug der Produktion vermieden Quelle: dpa

Glückwunsch an alle Beteiligten – an die Gewerkschaften, das Opel-Management, die General-Motors-Bosse im fernen Detroit, die Politik. Der Kompromiss, der sich nun in den Verhandlungen um die Zukunft der deutschen Opel-Standorte abzeichnet, ist ein Sieg der Vernunft.

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Weder haben sich die Hardliner im GM-Management durchgesetzt, die lieber gestern als heute im Bochumer Opel-Werk das Licht ausgeknipst hätten, noch haben Gewerkschafter oder Ministerpräsidenten aus den Bundesländern mit Opel-Standorten GM irrwitzige Zusagen abgerungen, die den im Branchenvergleich eher renditeschwachen US-Konzern auf Jahre belasten würden - oder die die harte Realität in Europa ausblenden würde: Opel ist inzwischen eine ramponierte Marke, mit Potenzial, aber auch mit gigantischen Überkapazitäten.

Stattdessen nun also eine Lösung mit Augenmaß: Die 20 800 Opel-Beschäftigten in Deutschland können sich über eine Jobgarantie bis Ende 2016 freuen, danach wird jedoch das Bochumer Werk geschlossen. Der Zafira wird noch bis zum Ende seiner Laufzeit in Bochum gebaut und ein vorzeitiger und wahrscheinlich wenig lohnender Abzug der Produktion vermieden. Diesen Deal werden der Autobauer, IG Metall und Betriebsräte in absehbarer Zeit wohl besiegeln.

Wo Opel in Deutschland und Europa produziert

Bochum

Kapazität: 160.000 Fahrzeuge

Gefertigte Einheiten: 131.000 (davon 87.000 Zafira)

Seit 1962 produziert Opel in Bochum-Laer und Bochum-Langendreer. 3.100 Mitarbeiter bauen hier den Zafira Family und Zafira Tourer sowie den Astra Classic. Ende 2014 gehen im Werk Bochum die Lichter aus. Die Bochumer hatten den Sanierungsplan der Gewerkschaft im März mit großer Mehrheit abgelehnt, er sah ein Auslaufen der Produktion erst 2016 vor. Die Produktion der Großraumlimousine wandert ab 2015 ins Stammwerk nach Rüsselsheim.

Bild: dpa

Trotz der schmerzhaften Werksschließung in Bochum signalisieren die Gewerkschaften Zustimmung zu einem Sanierungsplan, mit dem die seit Jahren anhaltenden Milliardenverluste bei dem Autobauer gestoppt werden sollen. Neben der Schließung des Werkes Bochum sind die Betriebsräte scheinbar zu weiteren Zugeständnissen bereit. Sie wollen mit der Opel-Führung über eine Verschiebung der Tariferhöhung von 4,3 Prozent reden. Auch über Pläne „zur Reduzierung der Material-, Entwicklungs- und Produktionskosten“ wollen die Opel-Chefs nun verhandeln. Im Gegenzug investiert GM Milliarden in neue Opel-Modelle und kann sich auch vorstellen, Autos anderer GM-Marken, etwa der Massenmarke Chevrolet, in Opel-Fabriken zu bauen und die Werke damit besser auszulasten.

Dramatische Überkapazitäten

Das wichtigste Resultat der sich abzeichnenden Einigung: Bis 2016 gibt es Ruhe. Kein Opelaner muss bis dahin um seinen Job bangen. Arbeitskämpfe, die das Krisen-Image der Marke weiter verstärkt hätten, werden womöglich ausbleiben. Die Bochumer, für die nach 2016 wahrscheinlich Schluss ist, können sich jetzt schon darauf einstellen und sich nach Alternativen umsehen. Davon gibt es vielleicht mehr, als sich mancher Opelaner bewusst ist. Fachkräftemangel herrscht nämlich – entgegen landläufiger Vorurteile – auch im krisengeschüttelten Ruhrgebiet. Tausende offener Stellen zählen die dortigen Arbeitsagenturen für die Berufen der Opelaner. Ganz zu schweigen von offenen Stellen in anderen Branchen, auf die Opelaner umgeschult werden könnten.

Der Glückwunsch geht ausdrücklich nicht an Hannelore Kraft. Erstens hat sie nicht viel zu feiern, nur weil das Bochumer Werk nun nicht, wie ursprünglich befürchtet, Anfang 2015 sondern erst 2016 dicht gemacht wird. Zweitens beschädigt sie durch populistischen Sprüche den mühsam gefundenen Kompromiss. Mit der Aussage, dass nun wieder Chancen auf einen langfristigen Erhalt des Bochumer Werks bestünden, gibt sie dortigen Opelanern mehr von dem, was sie in den letzten Jahren bereits im Übermaß hatten: Trügerische Hoffnungen. Kommt die Schließung dann doch, und daran wird wohl kein Weg vorbeiführen, dann wird es für die Opelaner umso dramatischer.

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Rechnerisch könnten heute mindestens zwei Werke in Europa stillgelegt werden, ohne dass auch nur ein Opel-Kunde länger auf seinen neuen Wagen warten müsste. Diese dramatischen Überkapazitäten müssen gesenkt werden, darum wird der Konzern nicht umhinkommen. Denn besser wird die Lage sicher nicht. Der Autoabsatz in Europa ist auf Talfahrt. Zudem wollen GM und Peugeot-Citroen künftig in Europa eng kooperieren – natürlich auch mit dem Ziel, in beiden Unternehmen Kapazitäten abzubauen und Kosten zu drücken.

Statt den Bochumer Opelanern falsche Hoffnungen zu machen, sollte die Ministerpräsidentin ihnen lieber neue Perspektiven aufzeigen – jenseits des Bochumer Werkes. Dann hat auch sie sich Glückwünsche verdient.

2 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 15.06.2012, 12:20 UhrApokalypse

    was soll denn daran vernünftig sein das dt. Bochum Werk zuschliessen. Wenn wir in Deutschland wegen der Eurokrise bald PLeite sind wird es keine dt. Autoindustrie Industrie mehr geben. Kapiert das keiner. Opel ist unserer Rettung. Der US Gigant GM Opel geht niemals Pleite. GM wir wird uns Pleite Deutschen dann die Opel produzieren und wir greifen dankbar zu.

  • 15.06.2012, 12:13 UhrZusammenbruch

    Das sagt nur die dt.Presse, dass das Werk geschlossen werden soll. Ist ja klar sie sind ja auch von der dt. Autoindustrie gekauft . Die dt. Autoindustrie sollte nicht von den eigenen Problemen ablenken. Sie verkauft zu wenige Autos in Europa. In Amerika liegt der Marktanteil gerade mal bei 2%! Sagen sie das doch mal laut. Werke schliessen bei VW und Konsorten! Der dt. Steuerzahler kann auch nichts mehr geben. Der hat alles in Brüssel abgegeben.GM dagegen als amerikanischer Konzern kann sich ganz anders refinanzieren und wird Opel noch länger mit durchfütter. Aber ihre miese Berichterstattung wird immer weitergehen bis DEutschland am Ende dann auch noch Pleite ist. Opel überlebt das ganze Euro Drama und die dt. Autoindustrie liegt in Schutt und Asche.

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