Pannenserie: Seit Januar rief GM fast 13 Millionen Autos zurück

ThemaAutobauer

Pannenserie: Seit Januar rief GM fast 13 Millionen Autos zurück

Die Rückruf-Serie bei General Motors nimmt noch größere Dimensionen an. Ist das ein gutes Zeichen, weil es zeigt, dass der Hersteller schneller auf Probleme reagiert? Oder ist es ein schlechtes Zeichen, weil es die Vielzahl der technischen Mängel aufzeigt?

Der Opel-Mutterkonzern General Motors muss nach den tödlichen Unfällen durch defekte Zündschlösser die nächsten Mängel an seinen Fahrzeugen beseitigen. Das Unternehmen rief am Donnerstag weitere annähernd 3 Millionen Autos wegen diverser Probleme zurück, womit die Gesamtzahl seit Jahresbeginn auf 12,8 Millionen steigt. „Die Sicherheit unserer Kunden steht im Mittelpunkt von Entwicklung und Produktion“, versicherte GM-Manager Jeff Boyer in Detroit.

Die Zahl der Rückrufe stieg um 5 auf 24. Bei der Mehrzahl der neu hinzugekommenen Wagen können korrodierte Kontakte die Bremsleuchten und Fahrerassistenzsysteme wie das Elektronische Stabilitätsprogramm lahmlegen. Bei anderen Wagen gibt es Probleme mit dem Abblendlicht, den Bremsen, Scheibenwischern oder Spurstangen. GM berichtete von Unfällen mit zwei Verletzten wegen der Defekte; es habe aber keine Toten gegeben.

Anzeige

GM-Chefin zu Pannen "Schreckliche Dinge sind passiert"

Nun wagt General Motors die Flucht nach vorn: Es seien etwas schiefgegangen, sagt Mary Barra – und kündigt Veränderungen an. Grund war der Rückruf von über drei Millionen Fahrzeugen.

Sie leitet künftig die Geschäfte bei GM. Quelle: REUTERS

Mit 2,7 Millionen Wagen ist auch bei diesen Rückrufen vor allem der Heimatmarkt betroffen, wo GM nun insgesamt knapp 11,2 Millionen Autos in die Werkstätten bittet. Die deutsche Tochter Opel ist bislang kaum betroffen; die Mehrzahl der problembehafteten Modelle ist älter und damals lief die Entwicklung dies- und jenseits des Atlantiks noch weitgehend getrennt.

Gründe für die wachsende Zahl von Rückrufen

  • Wachstumswettlauf und Entwicklungsgeschwindigkeit

    Die Hersteller bringen unter dem enormen Wettbewerbsdruck in immer kürzeren Zyklen neue Baureihen, Modelle und Produktderivate in Umlauf. Automobilunternehmen, denen es gelingt, mit einer großen Produktbreite sowie ständigen Modellneuheiten und technischen Innovationen in den Weltmärkten präsent zu sein, haben im globalen Wettbewerb enorme Vorteile. Es besteht jedoch dabei die Gefahr, dass Hersteller vor dem Hintergrund hoher Wachstumsziele und kürzerer Produktentwicklungszyklen dem Thema der Qualitätssicherung nicht den notwendigen Stellenwert beimessen.

  • Kostendruck und Wertschöpfungsverlagerung auf globale Zulieferer

    Der Wertschöpfungsanteil der Zulieferer ist mittlerweile auf rund 75 Prozent gestiegen. Gleichzeitig wachsen mit dieser Verlagerung auch die Anforderungen an unternehmensübergreifendes, globales Qualitätsmanagement. Mit der Sicherung der Teilequalität der globalen Lieferanten einher geht ein hoher Kostendruck, den die Hersteller auf die Automobilzulieferer ausüben. Hier besteht die Gefahr, dass die geforderten Einsparungen auf Kosten der Teilequalität gehen. Die Komplexität des Qualitätsmanagements steigt, da auch die Qualität der international verteilten Produktionsanlagen der Zulieferer durch Prozesse abgesichert werden muss.

  • Plattform- und Baukastensysteme sind "Segen und Fluch"

    Die Autokonzerne setzen immer stärker auf Modulbaukästen. Das bedeutet, dass die Anzahl gleicher Teile über Modelle und Baureihen von Herstellern hinweg stark ansteigt. Daraus ergeben sich große Kostenvorteile, doch es macht die Hersteller auch sehr verwundbar. So kann ein fehlerhaftes Teil, etwa eines Zulieferers, das in verschiedene Modelle sogar von verschiedenen Herstellern - eingebaut ist und mehrere Jahre verbaut wurde, millionenfache Rückrufe zur Folge haben. Jüngstes Beispiel hierfür sind die Airbagprobleme des japanischen Zulieferers Takata, die in 2013 zu millionenfachen Rückrufen etwa bei Toyota, Honda und Nissan sowie BMW geführt haben. Für Hersteller sind diese Rückrufe nicht nur teuer, sondern können auch das Qualitätsimage stark belasten.

Die Welle an Rückrufen kommt nicht von ungefähr: General Motors hat die Suche nach Mängeln in seinen Autos intensiviert, nachdem sich der Hersteller im Fall der Zündschlüssel den Vorwurf anhören muss, das Problem ein Jahrzehnt lang ignoriert zu haben. Weil der Zündschlüssel bei voller Fahrt zurückspringen kann, kam es zu Unfällen mit mindestens 13 Toten. Die US-Behörden ermitteln und GM sieht sich Schadenersatzforderungen von Unfallopfern und Autobesitzern gegenüber.

Weitere Artikel

Von den nun bekanntgegebenen Rückrufen sind Wagen betroffen bis zurück ins Jahr 2004: die Limousinen Chevrolet Malibu, Saturn Aura und Pontiac G6 sowie der Sportwagen Corvette. Daneben müssen aber auch einige Zehntausend aktuelle Fahrzeuge in die Werkstätten - so die Limousine Cadillac CTS oder der Pick-up-Truck Silverado. „Dies sind Beispiele dafür, dass wir Probleme schnell aufdecken und die nötigen Maßnahmen rasch einleiten im Interesse unserer Kunden“, erklärte Manager Boyer, den Konzernchefin Mary Barra im Zuge des Debakels zum Beauftragten für Fahrzeugsicherheit ernannt hatte.

Die millionenfachen Reparaturen gehen bei General Motors mittlerweile kräftig ins Geld. Nachdem sich die Rückrufkosten im ersten Quartal auf 1,3 Milliarden Dollar summiert hatten, legt der Hersteller im zweiten Quartal weitere 200 Millionen Dollar (146 Mio Euro) beiseite. Die Aktie fiel im New Yorker Börsenhandel um 1 Prozent.

Anzeige
Unternehmer stellen sich vor
Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%