Piëch, Porsche, Peugeot: Wenn der Haussegen im Auto-Clan schief hängt

ThemaVolkswagen

Piëch, Porsche, Peugeot: Wenn der Haussegen im Auto-Clan schief hängt

von Rebecca Eisert, Karin Finkenzeller

Lange gelang es den Familien Porsche und Piëch, ihre Macht bei VW zu erhalten. Mit dem Rücktritt von Ferdinand Piëch reiht sich die Familie in die Gruppe der Autoclans, die an unterschiedlichen Meinungen zerbrechen.

Es war ein weiser Beschluss: Die Familien Porsche und Piëch haben sich vertraglich verpflichtet, im VW-Aufsichtsrat mit einer Stimme zu sprechen. Anders wäre es dem Clan in dritter Generation kaum gelungen, die Herrschaft über Volkswagen zu erlangen und zu festigen. Dieser Pakt gilt auch noch nach dem plötzlichen Rücktritt von Ferdinand Piech und seiner Frau Ursula. Doch wer soll die freien Posten übernehmen?

Anzeige

Als potenzielle Kandidaten werden der 71-jährige Wolfgang Porsche, Cousin von Ferdinand Piëch, Piëch s jüngerer Bruder Hans Michel Piëch, der in Wien als Rechtsanwalt tätig ist, sowie der 54-jährige Ferdinand Oliver Porsche, Sohn des Porsche-Designers Ferdinand Alexander Porsche gehandelt.

Ebenfalls nicht völlig aus dem Rennen ist VW-Chef Martin Winterkorn – 25 Prozent der stimmberechtigten Aktionäre müssten ihn vorschlagen, dann wäre die nach dem Kodex für gute Unternehmensführung geforderte zweijährige Pause zwischen Vorstandsamt und Aufsichtsratsmandat ausgehebelt. Diese Quote würde auch gegen den Widerstand Piëchs zustande kommen.

Piëch und seine Figuren

  • Ferdinand Piëch

    Auf dem Weg des Ferdinand Piëch vom Audi-Manager auf den Aufsichtsratschefsessel des größten Autokonzerns Europas, blieb so mancher Top-Manager auf der Strecke. Die wichtigsten Stationen zusammengefasst.

  • 1988: Beerbt

    Nach fünf Jahren als Vize übernimmt Piëch bei Audi den Chefsessel von Wolfgang Habbel und baut die Marke mit den vier Ringen zur Premiummarke um. In die Ära des Vollblutingenieurs fällt die Entwicklung des Super-Diesels TDI sowie des Allradantriebs Quattro.

  • 1993: Abgeworben

    Als neuer VW-Chef wirbt Piëch den Einkaufschef José Ignacio López vom Konkurrenten General Motors (GM) ab, der die Preise der Zulieferer drücken soll. Wegen des Verdachts, GM-Betriebsgeheimnisse an VW verraten zu haben, muss Piëch 1996 López fallen lassen.

  • 1994: Vorgeschickt

    Piëch heuert das IG-Metall- und SPD-Mitglied Peter Hartz als VW-Personalchef an. Der führt die Vier-Tage-Woche ein und spart so 500 Millionen Euro Lohnkosten. Nachdem auffliegt, dass VW unter ihm Luxusreisen und Bordellbesuche für Betriebsräte finanzierte, muss Hartz gehen.

  • 2006: Ausradiert

    Als Piëch 2002 VW-Aufsichtsratschef wird, installiert er Ex-BMW-Chef Bernd Pischetsrieder als VW-Lenker. Der agiert eigenständig, macht Piëch-Ideen rückgängig. Fünf Jahre später schweigt Piëch demonstrativ, als er gefragt wird, ob Pischetsrieder im Amt bleibt. Kurz darauf holt er Winterkorn.

  • 2008: Verbrannt

    Jahrelang versuchte Porsche-Chef Wendelin Wiedeking unter der Aufsicht von Piëch VW zu übernehmen. Als dies scheitert, sagt Piëch auf die Frage von Journalisten, ob Wiedeking sein Vertrauen genieße: „Zurzeit noch. Das ,Noch‘ können Sie streichen.“ Wiedeking muss gehen.

Als externer Kandidat, der vielleicht besser geeignet wäre um die angespannte Lage zwischen den Familien zu beruhigen, käme der ehemalige BWM-Manager Wolfgang Reitzle in Frage. Reitzle ist allerdings Aufsichtsratschef bei Continental, einem der wichtigsten Zulieferer des Volkswagen-Konzerns.

Bis ein Nachfolger gefunden ist, führt der frühere IG-Metall-Chef Berthold Huber den Aufsichtsrat kommissarisch. Um den Riesenkonzern mit zwölf Marken und weltweit fast 600.000 Beschäftigten in den nächsten Jahren zusammenzuhalten, muss eine Persönlichkeit gefunden werden, die in dem von Ingenieuren dominierten Unternehmen akzeptiert wird.

Knatsch in Europas Autoclans

Was passieren kann, wenn sich die Eigentümerfamilien nicht einigen können, zeigt ein Blick nach Frankeich und Italien – auf die Autodynastien von PSA Peugeot Citroën und Fiat.

Die wichtigsten Mitglieder der Familien Porsche und Piëch und ihre Vertreter im Volkswagen-Aufsichtsrat. (zum Vergrößern bitte anklicken) Quelle: dpa

Die wichtigsten Mitglieder der Familien Porsche und Piëch und ihre Vertreter im Volkswagen-Aufsichtsrat. (zum Vergrößern bitte anklicken)

Bild: dpa, AP

Beim Pariser Autobauer PSA führte Uneinigkeit bei den Mehrheitsaktionären, der Familie Peugeot, dazu, dass diese nach über 100 Jahre die Macht los wurde. Nach zwölf Jahren an der Aufsichtsratsspitze verlor Thierry Peugeot voriges Jahr seinen letzten Kampf.

Der 58-Jährige stemmte sich verbissen gegen den Verlust des familiären Einflusses. Seine Cousins entzogen ihm Vertrauen und Amt. Seither sind die Peugeots neben dem chinesischen Autobauer Dongfeng und dem französischen Staat nur noch einer von drei gleichberechtigten Aktionären. Den Aufsichtsrat führt mit Louis Gallois ein Vertrauter der Regierung, der zuvor die französische Staatsbahn SNCF sowie den Flugzeugbauer Airbus gelenkt hatte.

Nicht zuletzt Thierry Peugeot hatte PSA mit seinem Pochen auf der Familienehre an den Rand des Abgrunds gebracht. Fabriken im Ausland, vor allem im Boommarkt China, kamen für ihn lange ebenso wenig infrage wie der Erhalt der dort prädestinierten Luxusmarke Citroën DS. Thierry war 2002 nach dem plötzlichen Tod seines Vaters und Konzernpatriarchen Pierre Peugeot an die Aufsichtsratsspitze gerückt. Das verdankte er allein dem Umstand, dass er die meisten Aktien hielt. Sein kompetenterer Cousin Robert, der Techniker, zog den Kürzeren.

Anzeige
Unternehmer stellen sich vor
Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%