Piëchs Niederlage: Der Machtkampf ist entschieden – oder?

KommentarPiëchs Niederlage: Der Machtkampf ist entschieden – oder?

von Sebastian Schaal

Erst sollte Martin Winterkorn gehen, dann ging er doch selbst: Ferdinand Piëch hat seine Macht überschätzt und musste jetzt den Rückzug antreten. Doch ganz verlässt er den Konzern nicht – was auch gut ist.

Es ist vorbei: Ferdinand Piëch, der mächtige Aufsichtsratsboss bei Volkswagen, hat sich selbst entmachtet. Mit sofortiger Wirkung haben er und seine Frau Ursula ihre Aufsichtsratsmandate bei Europas größtem Autobauer niedergelegt. Piëch selbst hatte den Vorgang angestoßen, der nun in seinem Rückzug endete. Der Firmen-Patriarch, der bereits öfters mit nur einem Satz ganze Manager-Karrieren zerstört hatte, war öffentlich zu seinem Vorstandsvorsitzenden Martin Winterkorn „auf Distanz“ gegangen.

Doch schnell zeigte sich, dass nicht Piëch auf Distanz zu Winterkorn war, sondern alle anderen auf Distanz zu Piëch: Die Abstimmung über Winterkorns Zukunft bei VW im engsten Machtzirkel des Konzerns, dem Präsidium, verlor der 78-jährige Aufsichtsratschef mit 5:1 Stimmen. Alle gegen einen.

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Piëch und seine Figuren

  • Ferdinand Piëch

    Auf dem Weg des Ferdinand Piëch vom Audi-Manager auf den Aufsichtsratschefsessel des größten Autokonzerns Europas, blieb so mancher Top-Manager auf der Strecke. Die wichtigsten Stationen zusammengefasst.

  • 1988: Beerbt

    Nach fünf Jahren als Vize übernimmt Piëch bei Audi den Chefsessel von Wolfgang Habbel und baut die Marke mit den vier Ringen zur Premiummarke um. In die Ära des Vollblutingenieurs fällt die Entwicklung des Super-Diesels TDI sowie des Allradantriebs Quattro.

  • 1993: Abgeworben

    Als neuer VW-Chef wirbt Piëch den Einkaufschef José Ignacio López vom Konkurrenten General Motors (GM) ab, der die Preise der Zulieferer drücken soll. Wegen des Verdachts, GM-Betriebsgeheimnisse an VW verraten zu haben, muss Piëch 1996 López fallen lassen.

  • 1994: Vorgeschickt

    Piëch heuert das IG-Metall- und SPD-Mitglied Peter Hartz als VW-Personalchef an. Der führt die Vier-Tage-Woche ein und spart so 500 Millionen Euro Lohnkosten. Nachdem auffliegt, dass VW unter ihm Luxusreisen und Bordellbesuche für Betriebsräte finanzierte, muss Hartz gehen.

  • 2006: Ausradiert

    Als Piëch 2002 VW-Aufsichtsratschef wird, installiert er Ex-BMW-Chef Bernd Pischetsrieder als VW-Lenker. Der agiert eigenständig, macht Piëch-Ideen rückgängig. Fünf Jahre später schweigt Piëch demonstrativ, als er gefragt wird, ob Pischetsrieder im Amt bleibt. Kurz darauf holt er Winterkorn.

  • 2008: Verbrannt

    Jahrelang versuchte Porsche-Chef Wendelin Wiedeking unter der Aufsicht von Piëch VW zu übernehmen. Als dies scheitert, sagt Piëch auf die Frage von Journalisten, ob Wiedeking sein Vertrauen genieße: „Zurzeit noch. Das ,Noch‘ können Sie streichen.“ Wiedeking muss gehen.

Dass Piëch nicht klein beigeben wollte und im Stillen weiter an Winterkorns Absetzung werkelte, brachte intern wohl das Fass zum Überlaufen: In einer weiteren Sitzung stellten die Präsidiumsmitglieder, darunter selbstverständlich auch Piëch selbst, fest, dass das „wechselseitige Vertrauen“ nicht mehr gegeben sei. Soll heißen: Der Alte hat seine Macht überschätzt, ohne Verbündete mit seiner Attacke auf Winterkorn eine für den Konzern schädliche Führungsdebatte losgetreten. Nicht nur im Präsidium, auch im gesamten Aufsichtsrat wuchs die Front gegen den 78-Jährigen. Die rote Linie, ab der Piëch selbst mit Rücksicht auf sein Lebenswerk bei Volkswagen nicht mehr zu halten war, hatte er selbst überschritten und kein anderer. Seine Verdienste und vor allem seine Fähigkeiten und Kenntnisse der Branche sind unbestritten, geholfen haben sie in diesem Fall aber auch nicht mehr.

Sein Rückzug ist eine Zäsur für den VW-Konzern. Ist der Machtkampf damit entschieden? Nur vorläufig, denn wen auch immer die Kapitalseite als neuen Aufsichtsratschef vorstellt, die Wahl hat auch eine konzernpolitische Dimension: Wird es ein Vertreter der Porsche-Familie, wäre die Niederlage für Piëch im Nachhinein noch größer. Wolfgang Porsche gilt spätestens seit seiner Steueraffäre als nicht tragbar, es müsste also Ferdinand Oliver richten.

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Egal ob ein Porsche, Piëchs Bruder Hans Michel oder doch ein Externer den Aufsichtsratsvorsitz übernimmt: Eine solch dominante Stellung, wie Piëch sie innehatte, wird sein Nachfolger nicht mehr bekommen. In Zeiten der Corporate Governance kann es bei einem Unternehmen mit weltweit fast 600.000 Angestellten keine One-Man-Show mehr geben. Dafür hat Piëch mit seiner Aktion selbst gesorgt.

Wie wird Volkswagen ohne Ferdinand Piëch aussehen? Diese Frage lässt sich derzeit nicht beantworten, denn ganz ist das Band zwischen Wolfsburg und dem Piëch-Familiensitz in Salzburg noch nicht durchschnitten: Die Porsche SE, in der die Familien Porsche und Piëch ihre Anteile bündeln, hält mit 50,73 Prozent immer noch die Mehrheit am VW-Konzern. Die Frage ist also: Wie wird Volkswagen ohne den Aufsichtsratsvorsitzenden Ferdinand Piëch aussehen? Eine erste Antwort könnte es auf der Hauptversammlung von Volkswagen am 5. Mai geben. Zum Beispiel vom Großaktionär Ferdinand Piëch.

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