Porsche gegen Hedgefonds: Chancen auf Prozessgewinn stehen 50:50

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exklusivPorsche gegen Hedgefonds: Chancen auf Prozessgewinn stehen 50:50

von Martin Seiwert und Franz W. Rother

Bei dem am kommenden Montag vor dem Landgericht in Stuttgart beginnenden Prozess gegen Porsche haben die klagenden zwei Dutzend Hedgefonds gute Chancen auf ein Urteil zu ihren Gunsten.

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Am kommenden Montag beginnt vor dem Landgericht in Stuttgart der Prozess von Hedgefonds gegen Porsche. Diese fordern 1,36 Milliarden Euro Schadenersatz für Börsenverluste

Davon ist der Augsburger Wirtschaftsrechtsprofessor Thomas Möllers überzeugt. Möllers hat den ersten wissenschaftlichen Überblick über die zahlreichen Schadenersatzklagen gegen Porsche erstellt. Die Studie soll demnächst veröffentlicht werden. „In den großen Verfahren in Deutschland stehen die Chancen der Kläger 50 zu 50“, sagte Möllers gegenüber der Wirtschaftswoche. Ein solches Prozessrisiko bei wirtschaftsrechtlichen Streitigkeiten sei „in Deutschland ein hoher Wert.“

Die Kläger in Stuttgart fordern insgesamt 1,36 Milliarden Euro Schadenersatz für Börsenverluste, weil sie sich durch VW-Großaktionär Porsche im Übernahmepoker um Volkswagen vor fünf Jahren getäuscht sehen. Insgesamt fordern Kläger in verschiedenen Verfahren rund 5,5 Milliarden Euro von Porsche.

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Möllers erwartet dabei keine schnellen Entscheidungen. „Für beide Seiten geht es hier um viel“, sagte Möllers, der zu den renommiertesten Wirtschaftsrechtlern in Deutschland zählt. Er rechne damit, dass die Klagen durch alle Instanzen gehen und schließlich vom Bundesgerichtshof entschieden würden – womöglich sogar erst vom Europäischen Gerichtshof. Möllers: „Diese Prozesse werden uns noch mindestens zehn Jahre beschäftigen.“ Möllers kritisiert die Reaktionszeit deutscher Justiz. Es sei nicht hinnehmbar, dass die rechtliche Aufarbeitung von Ereignissen aus dem Jahr 2008 erst jetzt in Schwung komme: „Die Verzögerungen durch Gerichte und Staatsanwaltschaften sind verfassungsrechtlich nicht unproblematisch.“

Die Kläger werfen Porsche vor, im Jahr 2008 über Monate hinweg mit Hilfe von Aktienoptionen die mehrheitliche Übernahme von VW betrieben, dies zunächst bestritten und viel zu spät zugegeben haben. Weil der Kurs der VW-Aktie für kurze Zeit stark stieg, seien Anleger schwer geschädigt worden, die auf fallende Kurse gesetzt hatten. Porsche bestreitet alle Vorwürfe. Der Zivilprozess in Stuttgart ist einer der ersten großen Prozesse in einer Klageserie von insgesamt rund 100 institutionellen und privaten Investoren an bundesweit inzwischen vier Gerichten.

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