Porsche: Müller rückt von Wiedekings Strategie ab

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Porsche-Chef Matthias Müller

von Franz W. Rother

Um bei markenbestimmenden Bauteilen wieder unabhängiger zu werden, sollen an Zulieferer ausgelagerte Fertigungsschritte wieder ins Porschewerk zurückkehren.

Porsche-Chef Matthias Müller distanziert sich von der Strategie seines Vorvorgängers Wendelin Wiedeking und will wichtige Fertigungsschritte, die an Zulieferer ausgelagert wurden, wieder zurück ins Werk holen. „Sein Streben ging dahin, die Wertschöpfungstiefe von Porsche geringzuhalten und möglichst wenig zu investieren. Er hat deshalb Autos fremd entwickeln und extern bauen lassen“, kritisiert Müller im Gespräch mit der WirtschaftsWoche den früheren Porsche-Chef.

„Zu der Zeit mag das richtig gewesen sein: 2003 hatte Porsche ganz wenig Geld zur Verfügung. Infolge dieser Strategie hat man sich aber in eine starke Abhängigkeit gebracht von den großen Zulieferern. Das hat das Geschäft teuer und unhandlich gemacht. Heute wollen wir das Kerngeschäft selbst beherrschen.“

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Als Beispiel nennt Müller die Herstellung komplizierter Blechbauteile. „Beim neuen Panamera, der kommendes Jahr auf den Markt kommt, haben wir größte Mühe gehabt, Werkzeugbauer und Lieferanten zu finden, die diese Teile zu guter Qualität und akzeptablen Kosten herstellen“, erläutert der Porsche-Chef. „Da sollte man überlegen, ob es nicht Sinn macht, mittelfristig Kompetenzen in die Werke zurückzuholen, um bei den aus unserer Sicht 10 oder 20 qualitäts- und markenbestimmenden Bauteilen wieder unabhängiger zu werden.“

Sparprogramme der deutschen Autobauer

  • VW für Marke Volkswagen

    VW-Chef Martin Winterkorn will bis 2017 fünf Milliarden Euro pro Jahr sparen, da er sonst die Wettbewerbsfähigkeit und die Produktivität seines Konzern in Gefahr sieht. 2018 sollen sechs Prozent Umsatzrendite in den Büchern stehen, 2013 kamen nur 2,9 Prozent zusammen. Winterkorn hatte das Ziel ausgegeben bis 2018 Weltmarkführer werden zu wollen, die Rendite ist wichtiger Teil der Strategie. Sparen will Winterkorn beim Einkauf sowie geringeren Investitionen und Fixkosten. Er beklagte zudem zu hohe Kosten beim Bau neuer Fabriken sowie beim Anlauf neuer Modelle.

  • Daimler

    Daimler-Chef Dieter Zetsche fürchtet um das Rendite-Ziel von zehn Prozent. Deshalb hat er eine weitere Stufe des Programms „Fit for Leadership“ verordnet – was mittelfristig 3,5 Milliarden Euro pro Jahr einsparen soll. Das bis 2014 festgeschriebene Ziel einer Ausgabensenkung von zwei Milliarden Euro war nicht genug.

  • BMW

    Der Münchener Premium-Autobauer will bis 2020 drei bis vier Milliarden Euro pro Jahr sparen. Da berichtete das "Manager Magazin" am 18. Juni unter Berufung auf Konzernkreise. BMW-Chef Norbert Reithofer habe die Unternehmensberatung McKinsey mit der Ausarbeitung des Projekts beauftragt. Das Sparprogramm solle gewährleisten, dass die operative Umsatzrendite des Konzerns auch langfristig im angepeilten Korridor von acht bis zehn Prozent liege.

Diese Entscheidung, die weitere Arbeitsplätze in den Porsche-Werken schaffen dürfte, könnte auch die Chancen verbessern, die sich seit fünf Monaten dahin schleppenden Gespräche mit der Gewerkschaft über einen Standortsicherungsvertrag zum Abschluss zu bringen. „Die Sondierung beginnt gerade erst jetzt, sodass wir vor den Sommerferien einen unterschriftsreifen Vertrag haben werden“, ist Müller optimistisch. „Ich erwarte keine großen Auseinandersetzungen, sondern einen kreativen und konstruktiven Dialog.“ 

Porsche wird 2015 erstmals mehr als 200.000 Autos verkaufen

Porsche wird in diesem Jahr mit großer Sicherheit erstmals mehr als 200.000 Neuwagen absetzen. „Das werden wir kaum verhindern können“, sagte Müller im Gespräch mit der WirtschaftsWoche. Aber selbst Steigerungen über diese Schallgrenze hinaus kann er sich vorstellen. „Die natürliche Grenze liegt für mich nicht in irgendeiner absoluten Absatzzahl von 190.000 oder 210.000 Autos, sondern in einem Marktanteil“, sagte Müller. „Wenn wir heute bei einem Weltmarkt von mehr als 70 Millionen Pkws auf einen Anteil von nicht einmal 0,3 Prozent kommen, ist das doch nichts.“

Vorstellen kann sich Müller auch, die Produktpalette durch einen kleinen Panamera als siebte Modellreihe zu erweitern. „Ja, warum nicht, ich habe mich dem nie verschlossen“, sagte Müller. Dabei sei auch eine Elektroversion des Viertürers denkbar. „Wir müssen uns mit dem Thema E-Auto beschäftigen, um für jede Eventualität gewappnet zu sein.“ Allerdings gebe es bei der Entwicklung der Elektromobilität noch viele Unwägbarkeiten: „Heute kostet ein Akkupack immer noch sehr viel – und keiner wird damit so recht glücklich“, erklärte der Porsche-Chef. „Die Kunden icht, weil die Reichweite zu gering und der Wiederverkaufswert nicht akzeptabel ist. Und wir nicht, weil wir damit kein Geld verdienen.“

Zufrieden ist Müller mit der Entwicklung des sportlichen Geländewagens Macan, obwohl das Modell weniger Rendite abwirft als beispielsweise der Porsche 911 und deshalb intern in der Kritik steht. „Stellen Sie sich doch Porsche mal ohne den Macan vor. Wir würden einen riesigen Markt herschenken. Drei Viertel der Käufer sind Neukunden, in China geht fast jeder zweite Macan an eine Frau“, freut sich Müller. „Diese Volumenmodelle bringen uns junge Kunden und das Geld, das wir brauchen, um uns die markenprägenden Modelle auch weiterhin leisten zu können.“

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