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Porsche: Wulff geht ins Gericht

Porsche: "Das ist unsäglich, das ist kriminell"

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Wulff geht ins Gericht

Christian Wulff (2010 - 2012)

Im Jahr 2010 wurde Christian Wulff Staatsoberhaupt der Bundesrepublik Deutschland gewählt. Der studierte Jurist wurde 2003 zum CDU-Ministerpräsidenten des Landes Niedersachsen gewählt. Mit der Wahl zum Bundespräsidenten legte Wulff dieses Amt nieder. Christian Wulff trat am 17.02.2012 vom Amt des Bundespräsidenten zurück, nachdem er über mehrere Monate hinweg mit Vorwürfen unter anderem zu einem Privatkredit und kostenlosen Urlauben bei befreundeten Unternehmern konfrontiert worden war und die Staatsanwaltschaft Hannover am 16. Februar 2012 angekündigt hatte, ein Ermittlungsverfahren gegen ihn einleiten zu wollen

Bild: dapd

Aufgrund des WirtschaftsWoche-Berichtes leitete die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) eine Untersuchung ein und bat Wulffs Staatskanzlei um Stellungnahme. Diese Stellungnahme, die der WirtschaftsWoche vorliegt, erfolgte am 5. Juni 2009. Verfasser des Schreibens war der damalige Leiter der niedersächsischen Staatskanzlei, Lothar Hagebölling, den Wulff inzwischen zum Leiter des Bundespräsidialamtes machte.

Hagebölling widersprach in der Stellungnahme dem Bericht der WirtschaftsWoche und erklärte wörtlich, „Vertreter und Anwälte von Porsche“ hätten bei dem Treffen am 25. Februar 2008 in Berlin „weder ausdrücklich noch konkludent erklärt, dass Porsche die Absicht habe, einen Beherrschungsvertrag mit der Volkswagen AG anzustreben“. Sprich: Die Porsche-Vertreter hätten weder gesagt, dass sie einen Beherrschungsvertrag wollten, noch habe sich dies aus ihren Äußerungen sicher schließen lassen.

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Wulffs neue Sichtweise

Nur sechs Wochen später, am 15. Juli 2009 präsentierte Wulff gegenüber der WirtschaftsWoche jedoch eine ganz andere Sichtweise. Bei dem Treffen mit den Porsche-Anwälten in Berlin sei seinem damaligen Leiter der Wirtschaftsabteilung in der Staatskanzlei, Mathias Middelberg, durchaus „klar geworden“, so Wulff wörtlich, „dass hier wieder reihenweise Aktionäre beschissen werden“. Er, Wulff, stelle sich deshalb die Frage, warum „Middelberg Wiedeking nicht haftbar machen, in den Knast bringen“ wolle. „Das ist natürlich die Frage, die sich mir stellt, warum zieht er nicht durch?“

Middelberg hat seinen Posten in Hannover inzwischen aufgegeben und sitzt seit September 2009 als CDU-Abgeordneter im Bundestag. Er stammt wie Wulff aus Osnabrück, kennt Wulff bereits seit dessen Junge-Union-Zeiten und gehörte neben Wulffs Sprecher Olaf Glaeseker und dem damaligen Staatskanzleichef Hagebölling zu den engsten Vertrauten des damaligen Ministerpräsidenten. Für eine Stellungnahme zu den Vorgängen war Middelberg nicht erreichbar.

Wiedekings illegale Machenschaften

Erst einmal in Fahrt, redete sich Wulff so richtig warm. Wiedeking habe „die Republik beschissen“, sagte er wörtlich. Nicht nur 2008 wollte Wulff illegale Machenschaften Wiedekings beobachtet haben. Auch im Juli 2009, als der Übernahmekampf seinen Höhepunkt erreichte, habe Wiedeking Gerüchte gestreut, wer alles bei dem damals schwer angeschlagenen Sportwagenbauer möglicherweise einsteigen wolle. „Zwei Wochenenden lang“ sei von Porsche „Unsinn“ über vermeintliche Investoren verbreitet worden. Danach sei die Porsche-Aktie „am Montag 9,7 Prozent hochgegangen“, so Wulff. „Das wünsche ich mir auch, dass ich an einem Tag zehn Prozent Wertzuwachs verbuche. Das ist unsäglich, das ist kriminell.“

Wiedeking wollte die Vorwürfe auf Anfrage der WirtschaftsWoche nicht kommentieren. Den Vorwurf der Marktmanipulation bestreitet er. Angesprochen auf mögliche Widersprüche zwischen Wulffs Äußerungen und seinem Brief an die BaFin, verweigerte auch Hagebölling einen Kommentar. Begründung: Es handle sich um Vorgänge in der niedersächsischen Staatskanzlei. Hagebölling verwies deshalb auf die Staatskanzlei, die mit dem Hinweis auf laufende Ermittlungen und Schadensersatzklagen Auskünfte verweigerte.

In dem Gespräch mit der WirtschaftsWoche im Sommer 2009 ging Wulff auch mit der BaFin hart ins Gericht – ausgerechnet jener Behörde, der seine Staatskanzlei sechs Wochen zuvor noch geschrieben hatte, keine Kenntnisse über etwaige Übernahmeabsichten zu haben. „Wenn zwei Wochenenden lang Unsinn erzählt wird“, dann müsse die BaFin einschreiten, schimpfte Wulff. Da sie dies offenbar nicht getan habe, kam er zu dem Schluss: „Die Börsenaufsicht ist untauglich.“

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Die WirtschaftsWoche druckte diese mitgeschnittenen Aussagen Wulffs seinerzeit nicht, weil er sie als nicht zur Veröffentlichung bestimmt bezeichnete.

6 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 04.03.2012, 12:03 Uhrjodan

    Angesichts der Dimensionen, die der gescheiterte VW -Übernahme- Versuchs durch Porsche finanziell bedeutete, sind die Anmerkungen des Forums auf evtl. Aktienbestände bei den Geerkens mehr als hirnrissig. Mehr Interesse verdient m.Meinung nach die Tatsache, dass einer der entscheidenden Eigentümer von Porsche, nämlich,Piech, gegenüber einem Journalisten zu erkennen gab, dass er die Winkelzüge des Porsche Vorstandchefs Wiedeking und seines Finanzvorstands Härtel selbst nicht verstanden hat.Weder vorher noch nach dem Schlamassel. Wenn also ein gewiefter und einflussreicher Eigentümer wie Piech so etwas zu Protokoll gibt und von unserer Justiz unbelästigt bleibt, warum konzentriert sich eine sensationsgeile Journallie dann auf Wulff. Weil es gerade "in" ist?? Und es die Auflage erhöht, eine neue "Sau" durch die Republik zu jagen??? Auch ich mag wegen seiner nebulösen Machen- schaften die Person Wulff nicht. Doch wenn schon wegen der geglückten Kursmanipulation der Urheber ermittelt werden muss, warum läßt man dann die Eigentümer im Porsche AR ungeschoren, wo übrigens auch der ruppige Betriebsratchef Hück seinen Segen zu dem Abenteuer gegeben haben muss. Ist der für WIWO und andere etwa sakrosankt????

  • 07.02.2012, 15:45 UhrDurchschnittsbuerger

    Der Hinweis von Schweizergeld ist aufgrund der zeitlichen Einordnungen der Ereignisse (Kursanstieg und Kredit) sehr interessant, wichtig und prüfenswert.

  • 05.02.2012, 19:45 Uhrschweizergeld

    Hat schon mal jemand nachgeforscht, wieviele VW-Aktien das befreundete Ehepaar Geerkens hielt?

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