Premiere des Kadjar: Wie Renault dem SUV-Boom hinterher rennt

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Premiere des Kadjar: Wie Renault dem SUV-Boom hinterher rennt

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Der Kadjar spielt in den Wachstumsplänen von Renault eine wichtige Rolle

von Sebastian Schaal

Wer den SUV-Trend verpasst hat, zieht mit Pseudo-Geländewagen nach – wie Renault mit dem Kadjar. Doch der Erfolg der Dickschiffe wird für die Hersteller zunehmend zum Dilemma.

Braucht die Welt noch mehr SUV-Modelle? Unbedingt, finden zumindest die Marketing-Strategen der Autobauer. Denn nicht nur die automobile Haute Couture wie Bentley, Aston Martin und Rolls-Royce werkeln an ihren mehr oder weniger weit fortgeschrittenen SUV-Projekten. Auch im Brot-und-Butter-Geschäft der Volumenhersteller gilt längst: Wer keinen SUV im Angebot hat, hat etwas falsch gemacht.

Keine Fahrzeugklasse hat in den vergangenen Jahren einen derart kometenhaften Aufstieg hingelegt wie der SUV. Zählten zu den Käufern von Range Rover und Co. zunächst Pferdebesitzer und Landadel, kamen mit Einführung der Kompakt-Modelle ehemalige Kombi- und Van-Käufer hinzu. Inzwischen hat das Angebot an Mini-SUVs auch Kleinwagenfahrer zum „Aufstieg“ motiviert.

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Neuzulassungen in Deutschland 2014

  • Minis

    Neuzulassungen: 227.835 Fahrzeuge

    Anteil der Neuzulassungen: 7,5 Prozent

    Quelle: Kraftfahrt-Bundesamt KBA

  • Kleinwagen

    Neuzulassungen: 457.633 Fahrzeuge

    Anteil der Neuzulassungen: 15,1 Prozent

  • Kompaktklasse

    Neuzulassungen: 801.441 Fahrzeuge

    Anteil der Neuzulassungen: 26,4 Prozent

  • Mittelklasse

    Neuzulassungen: 380.263 Fahrzeuge

    Anteil der Neuzulassungen: 12,5 Prozent

  • Obere Mittelklasse

    Neuzulassungen: 121.998 Fahrzeuge

    Anteil der Neuzulassungen: 4,0 Prozent

  • Oberklasse

    Neuzulassungen: 29.861 Fahrzeuge

    Anteil der Neuzulassungen: 1,0 Prozent

  • SUV

    Neuzulassungen: 296.714 Fahrzeuge

    Anteil der Neuzulassungen: 9,8 Prozent

  • Geländewagen

    Neuzulassungen: 232.230 Fahrzeuge

    Anteil der Neuzulassungen: 7,8 Prozent

  • Sportwagen

    Neuzulassungen: 36.888 Fahrzeuge

    Anteil der Neuzulassungen: 1,2 Prozent

  • Vans

    Neuzulassungen: 291.599 Fahrzeuge

    Anteil der Neuzulassungen: 9,6 Prozent

  • Utilities

    Neuzulassungen: 123.296 Fahrzeuge

    Anteil der Neuzulassungen: 4,1 Prozent

  • Wohnmobile

    Neuzulassungen: 25.746 Fahrzeuge

    Anteil der Neuzulassungen: 0,8 Prozent

Über alle Größenklassen vom höhergelegten Corsa bis zum Fünf-Meter-Luxusliner wurden 2014 in Deutschland 530.000 SUVs verkauft. Damit waren knapp 16 Prozent aller neu zugelassenen Fahrzeuge in Deutschland ein SUV oder Geländewagen.

In der Statistik des Kraftfahrt-Bundesamtes (KBA) werden die beiden Klassen zwar getrennt ausgewiesen, zusammengerechnet haben die lifestyle-lastigen Allradler traditionelle Kleinwagen (15,1 Prozent) und Mittelklasse-Autos (12,5 Prozent) in der Gunst der Käufer inzwischen überholt. Nur die Kompaktklasse liegt – auch wegen des in Deutschland besonders beliebten VW Golf – mit 26,4 Prozent noch deutlich vorne.

Renault hat den SUV-Boom verpasst

Längst haben die meisten Autobauer deshalb mindestens ein Modell in dem beliebten Geländewagen-Look im Angebot. Der Rest zieht nach. Seat hat kürzlich sein erstes SUV angekündigt, Renault jetzt ein weiteres enthüllt. Das neue Modell namens Kadjar soll gegen die SUV-Mittelklasse-Bestseller wie den VW Tiguan oder den Ford Kuga antreten.

Genau in diesem volumenstarken Segment hatte Renault bislang eine Lücke. Der große, 2008 eingeführte Koleos auf Basis des in Korea verkauften Samsung QM5 konnte in Europa bislang weniger überzeugen. Der technisch eng mit dem Kleinwagen Clio verwandte Captur ist seit seiner Markteinführung 2013 zwar erfolgreich, für viele Familien aber zu klein.

Der Kadjar soll sich zwischen diesen beiden Modellen positionieren und die Lücke im Renault-Angebot schließen. Renault-Nissan-Chef Carlos Ghosn erwartet viel von dem neuen Crossover. „Der Kadjar spielt eine Schlüsselrolle in den globalen Wachstumsplänen der Marke“, sagte Ghosn bei der Präsentation in Paris.

Laut Daten des Analysehauses IHS Automotive kann der Kadjar in seinem ersten vollen Verkaufsjahr 2016 zum drittmeistverkauften Modell in dem Segment aufsteigen – hinter dem VW Tiguan und dem Konzernbruder Nissan Qashqai.

Letzterem wird der Kadjar einen Großteil seines möglichen Erfolgs zu verdanken haben, denn der Renault-Crossover greift auf die Technik des Nissan-Bestsellers zurück. Mit 4,45 Metern Länge und 1,84 Metern Breite überragt der Kadjar den Qashqai um einige Zentimeter, was größtenteils auf das Renault-Design zurückzuführen ist. Besonders die Frontpartie mit dem neuen Markengesicht und das dynamisch gestaltete Heck sind etwas schwülstiger ausgeführt als bei dem Nissan.

Unter dem anders gestalteten Blech wird die Verwandtschaft von Kadjar und Qashqai aber deutlich, schließlich stehen beide auf einer gemeinsamen Plattform und teilen sich die wichtigsten technischen Merkmale wie Motoren und Getriebe.

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