Produktionsexperte Fujimoto: "Signifikanter Vorteil für VW"

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Produktionsexperte Fujimoto: "Signifikanter Vorteil für VW"

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Takahiro Fujimoto kennt das Produktionssystem von Autohersteller Toyota wie kein Anderer.

von Martin Fritz

Der japanische Produktionsexperte Takahiro Fujimoto über Volkswagen, Toyota und den Kampf um die Führung auf dem Weltmarkt.

WirtschaftsWoche: Herr Fujimoto, warum modernisieren die Autobauer weltweit gerade ihre Produktion?

Fujimoto: Alle Fahrzeughersteller kämpfen mit demselben Problem – der zu-nehmenden Komplexität ihrer Produkte aufgrund verschärfter Umwelt- und Sicherheitsvorschriften. Eine Lösung dafür ist die Verwendung gemeinsamer Plattformen und Module.

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Worin unterscheiden sich Volkswagen und Toyota Ihrer Meinung nach grundsätzlich?

VW hat in der Vergangenheit das Plattformkonzept, also die Idee, für unterschiedliche Modelle den gleichen Unterbau zu produzieren, sehr strikt ausgelegt. Toyota dagegen pendelte in seiner Geschichte zwischen mehr Vielfalt auf der einen und Standardisierung auf der anderen Seite. Der Ansatz von Volkswagen ist technischer Natur, während Toyota eher die Denkweise der Mitarbeiter und die Organisation im Unternehmen ändern will.

Neues Produktionssystem VW spart 1500 Euro pro Auto

Der Golf 7 läutet eine neue Ära ein. Mit einem völlig neuen Produktionssystem will Volkswagen Milliarden sparen. Die Strategie ist monströs, teuer, riskant und zielt vor allem auf den Rivalen Toyota.

Quelle: dpa

Woher kommen diese Unterschiede?

Volkswagen war ursprünglich ein Ein-Modell-Unternehmen und hatte viele Jahre praktisch nur den „Käfer“. Deshalb neigte das Unternehmen zur gigantischen und unflexiblen Automatisierung. Toyota musste trotz geringer wirtschaftlicher Ressourcen immer mit einer großen Produktvielfalt fertigwerden. Dadurch wurde das Unternehmen gezwungen, eine flexible Fertigung mit geringer maschineller Ausstattung zu entwickeln.

Gibt es auch verschiedene Herangehensweisen, die mehr aus der Mentalität resultieren?

Bei Volkswagen denken die Ingenieure über Autos eher auf wissenschaftliche Weise nach. Sie wissen in Wolfsburg, wo man bei einem Fisch das Messer ansetzen muss, um ein relativ großes Stück, sprich: ein Modul, herauszuschneiden, das vollständig funktioniert und anderswo eingebaut werden kann. Toyota betont eher die Teamwork-Fähigkeit. Produkte und Prozesse werden durch Ausprobieren verbessert. Daher fordert Toyota seine Ingenieure lieber auf, tiefer zu denken, als große Ideen wie den Modularen Querbaukasten zu entwickeln, auf den Volkswagen künftig vertraut.

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Worin liegen die Vorteile der jeweiligen Strategie?

Die neue VW-Methode reduziert die Komplexität und erhält die hohe Konstanz guter Produkte. Das verschafft Volkswagen meiner Ansicht nach einen signifikanten Vorteil. Toyota hinkt in der Reduzierung der Plattformvielfalt und dem Bau größerer funktionaler Module Volkswagen hinterher. Allerdings besitzt Toyota die Fähigkeit, die daraus resultierende Vielfalt und Komplexität zu beherrschen.

Wer wird den Kampf um die Weltmarktführung gewinnen?

Volkswagen setzt den Maßstab bei der wissenschaftlichen Reduktion der Komplexität. Bei der Flexibilität dagegen ist Toyota sicher die Nummer eins. Bei der Produktintegrität, also konstant guten Produkten, scheint mir Hyundai der neue Richtwert zu sein.

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