Psychologie: Das Elektroauto wird ein Zweitauto sein

Psychologie: Das Elektroauto wird ein Zweitauto sein

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Strom zapfen an Elektrosäule, vielleicht in 20 Jahren schon Alltag?

von Thorsten Firlus und Christopher Schwarz

Verkehrspsychologe Bernhard Schlag über Fahrgefühle, Status und Geschmack.

Das Auto spielt für unseren Gefühlshaushalt immer noch eine große Rolle. Es ist ein starkes Symbol für Freiheit: für die Verheißung, jederzeit überall hinkommen zu können. Aber auch ein Signal für Stärke, für das Erlebnis erhöhten Selbstwerts. Beides gilt selbstverständlich auch für das Elektroauto – allerdings in leicht veränderter Form. Aufgrund seiner begrenzten Reichweite beschränkt sich das Mobilitätsversprechen hier weitgehend auf den Bereich der Stadt und die nähere Umgebung. Das Elektroauto wird deshalb das herkömmliche Auto nicht ersetzen, sondern eher ergänzen. Es wird auf mittlere Sicht ein Zweitauto sein.

Elektroautos haben ein anderes Beschleunigungserlebnis

Zu den Veränderungen des Fahrgefühls gehört vor allem das Beschleunigungserlebnis: Man kann mit einem Elektroauto aus dem Stand innerhalb weniger Sekunden Höchstgeschwindigkeiten erreichen. Das ist sicher für Leute attraktiv, denen es darauf ankommt, an der Ampel Potenz zu zeigen und als Erster vorzuspringen, bringt aber auch ganz allgemein Vorteile beim Anfahren oder bei Verzögerungsvorgängen, mit denen wir es im städtischen Straßenverkehr ständig zu tun haben.

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Außerdem bietet das Elektroauto die für Automobile oder Zweiräder auch sonst typischen sozialen Distinktionsvorteile: Mit der Anschaffung eines elektrisch betriebenen Fahrzeugs dokumentiere ich Status und Geschmack. Ich demonstriere dem Publikum, dass ich mir den Umweltschutz etwas kosten lasse und es mir leisten kann, einen höheren Preis zu zahlen als beim konventionellen Auto. Anders gesagt: Nicht nur Kleider, sondern auch Autos machen Leute. Das Elektroauto funktioniert als Prestigeobjekt, mit dem ich meine ökokorrekte Überlegenheit demonstriere. Und in der Tat ist es ja ein Gewinn, wenn unsere Städte sauberer und leiser werden.

Letzteres allerdings birgt auch Gefahren. Der erwachsene Verkehrsteilnehmer, der als Fußgänger eine Straße überquert, orientiert sich nicht in erster Linie visuell, sondern akustisch. Das Herannahen eines Elektroautos realisiert er deshalb erst spät – und erschrickt. Die Fußgänger sind also durch das Elektroauto gezwungen ein Stück weit umzulernen. Vor allem aber müssen die Hersteller sich Gedanken machen, wie sie dem Fahrzeug ein Gefahrensignal applizieren können, ohne die Vorteile der Geräuscharmut zu verschenken. Gefragt ist ein technischer Kompromiss, der das Elektroauto akustisch ankündigt und trotzdem nicht stört.

Schlag ist Professor für Verkehrspsychologie an der Technischen Universität Dresden.

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