Qualitätskrise: Toyotas Lehren aus dem Rückruf-Desaster

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InterviewQualitätskrise: Toyotas Lehren aus dem Rückruf-Desaster

von Martin Seiwert

Der amerikanische Toyota-Spezialist Jeffrey K. Liker zieht die Lehren aus den Millionenrückrufen der Japaner 2010.

WirtschaftsWoche: Mr. Liker, Toyota musste im Jahr 2010 Millionen Fahrzeuge wegen loser Extra-Fußmatten und klemmender Gaspedale zurückrufen. Wie kam es zu dem Desaster?

Liker: In der Datenbank der US-Verkehrsbehörde standen zwischen den Jahren 2000 und 2010 relativ viele Fälle mit plötzlicher Tempo-Veränderung bei Toyota-Fahrzeugen. Rechtsanwälte und Reporter suchten daher nach Beweisen dafür, dass Toyota vertuschen wollte, dass die Elektronik und somit die Geschwindigkeit durch äußere Strahlung beeinflusst werde. Aber das war ein Mythos.

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Jeffrey K. Liker, 59, Professor für Ingenieurwissenschaften an der Universität Michigan und Autor von acht Bestsellern über Toyota, im Interview mit WirtschaftsWoche. Quelle: Presse

Jeffrey K. Liker, 59, Professor für Ingenieurwissenschaften an der Universität Michigan und Autor von acht Bestsellern über Toyota, im Interview mit WirtschaftsWoche.

Bild: Presse

Warum hat Toyota trotzdem Millionen Autos zurückgerufen?

Das war eine Reaktion auf den politischen Druck, nachdem Toyota die Sache intern zu lange diskutiert hatte.

Welche Rolle spielten die damaligen Pläne der US-Regierung, den amerikanischen Autokonzern General Motors retten zu wollen, der immer mehr Absatz an Toyota verlor?

Die Zeugen bei der Anhörung im amerikanischen Kongress waren sehr befangen. Die Abgeordneten folterten die Vertreter von Toyota regelrecht. Die US-Verkehrsbehörde veröffentlichte ihre Untersuchung, wonach alle Fälle von plötzlicher Beschleunigung durch fehlerhafte Pedalbedienung verursacht wurden, erst mit einem halben Jahr Verspätung. Die Story war erst tot, als US-Verkehrsminister Ray LaHood erklärte, Toyota habe kein Elektronikproblem, Punkt, aus.

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Quelle: dpa

Es gab also keine Qualitätskrise bei Toyota?

Wenn man sich alle Qualitätsbewertungen von Toyota vor und nach den Rückrufen anschaut, gab es nur um die Kongress-Anhörung im Februar 2010 einen kleinen Einbruch. Aber schon im Herbst erhielt Toyota wieder die besten Qualitätsnoten unter allen Herstellern.

Hat Toyota richtig auf die Vorwürfe reagiert?

Die Konzernstrategie folgte der alten Toyota-Regel, dass man niemals jemanden anderen für seine Probleme verantwortlich macht als sich selbst. Das kostete Toyota kurzfristig einige Imagepunkte, war langfristig aber ein Erfolg.

Hat sich denn Toyota in den USA inzwischen wieder von dieser Kampagne erholt?

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Toyota hat den früheren Marktanteil noch nicht erreicht. Bei einem ähnlichen Fall mit Audi dauerte es eine Generation, bis das Vertrauen wiederhergestellt war. Bei Toyota geht es offenbar viel schneller.

Was können andere Unternehmen aus dieser Krise lernen?

Liker: Toyota hätte viel eher erklären müssen, dass es Probleme mit klemmenden Gaspedalen gab. Wenn ein Unternehmen weiß, dass es ein Problem hat und dafür Beweise existieren, dann sollte es besser nicht abwarten, bis es deswegen untersucht wird.

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