Qualitätsmängel : Immer mehr Autos werden von Herstellern zurückgerufen

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Qualitätsmängel : Immer mehr Autos werden von Herstellern zurückgerufen

Immer mehr Autos werden von ihren Herstellern zurückgerufen. Der Grund: Sicherheitsmängel. Im vergangenen Jahr ist die Quote erneut gestiegen. Der Mangel an Qualität kann für die Autoindustrie zum Risiko werden.

Immer häufiger werden Autos zurückgerufen. Es gibt Pannen bei der Herstellung, Mängel oder andere Risiken. Mittlerweile sind Rückrufe in der Automobilindustrie zu einem Risikofaktor für große Hersteller geworden. In den USA wurden im vergangenen Jahr über 20,5 Millionen Pkw zurückgerufen, sagt Stefan Bratzel vom Center of Automotive Management (CAM). Die Zahl ist gegenüber 2012 um fünf Millionen Pkw gestiegen.

Insgesamt wurden 16 Hersteller untersucht. Die Rückrufquote betrug, gemessen an den Neuzulassungen, insgesamt 131 Prozent, da auch Modelle über zurückliegende Baujahre betroffen waren. "Die höchsten Rückrufquoten zwischen 263 und 182 Prozent weisen im Jahr 2013 vor allem die koreanischen und japanischen Konzerne sowie BMW auf", erklärt Bratzel.

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Spitzenreiter im Jahr 2013 ist der koreanische Hyundai-Kia Konzern mit einer Rückrufquote von 263 Prozent. Der häufigste Grund waren Bremslichtmängel. Nummer zwei der Negativ-Spitzenreiter ist Fiat-Chysler. Viele Jeep-Modelle, grade die älteren Baujahre, mussten zurück in die Werkstatt. Hier bestand die Gefahr von Bränden nach Auffahrunfällen, da der Tank ungünstig lag. Platz drei geht an Toyota. Mit einer Rücklaufquote von 237 Prozent muss das japanische Unternehmen über fünf Millionen Pkw zurückordern. Der Hauptgrund: Airbags und Probleme mit Gurtstraffern. Auch BMW ist von einer erstaunlich hohen Quote betroffen. "Der bayrische
Premiumhersteller rief in den USA insgesamt über 870.000 Pkw (Vorjahr: 550.000) zurück, u.a. erneut wegen Problemen mit der Stromversorgung", erklärt Bratzel.

Die amerikanischen Hersteller Ford und GM waren im vergangenen Jahr unterdurchschnittlich betroffen. Auch Volkswagen (inklusive Audi und Porsche) und Daimler wiesen auf dem US-Markt unterdurchschnittliche Mängelquoten auf. Bei VW sind sie mit 12 Prozent leicht angestiegen, im Vorjahr lag die Quote bei drei Prozent. Daimler belegte mit 0,2 Prozent (Vorjahr sechs Prozent) einen Bestwert. "Der größte Einzelrückruf der
Schwaben trifft mit 290 Fahrzeugen der S-Klasse (Modelljahr 2014), bei denen sich der Sitzgurt aus der Verankerung lösen kann", so Bratzel.

Qualitätskrise Toyotas Lehren aus dem Rückruf-Desaster

Der amerikanische Toyota-Spezialist Jeffrey K. Liker zieht die Lehren aus den Millionenrückrufen der Japaner 2010.

Quelle: dpa

Grundsätzlich zeigt sich: Die Rücklaufquoten steigern und werden immer mehr zum Risiko. Während der letzten fünf Jahre wurden wegen Sicherheitsmängeln über 85,5 Millionen Fahrzeuge zurückgerufen. Das bedeute, dass 28 Prozent mehr Fahrzeuge in die Werkstätten zurückbeordert wurden, als in diesen fünf Jahren an Neufahrzeugen abgesetzt werden konnten, erklärt Bratzel.

Grade in Amerika sind die Sicherheitsrichtlinien und das Klagerisiko groß. Momentan gibt es Ermittlungen wegen eines möglicherweise verzögerten Rückrufs von General Motors wegen Problemen mit der Zündung.

"Die Rückruf-Trends geben Hinweise darauf, dass die Produktqualität – gerade auch im Hinblick auf sicherheitsrelevante Merkmale im Fahrzeug – ein kritisches Thema der Branche bleibt, das nicht nur zu einer enormen direkten Kostenbelastung führen, sondern auch das Image von Fahrzeugherstellern enorm belasten kann", schätzt Stefan Bratzel.

Das CAM stellt fünf Hauptfaktoren für die wachsenden Qualitätsprobleme vor:

1. Die steigende technische Komplexität des Fahrzeugs, die Einfluss auf die Fehleranfälligkeit hat.

weitere Artikel

2. Die immer schneller werdende Entwicklungsgeschwindigkeit aufgrund gestiegener Wettbewerbsintensität.

3. Die Wertschöpfungsverlagerung, heißt: Um Kosten-, Zeit- und Innovationsvorteile zu realisieren, werden viele Teile der Wertschöpfung auf die Zulieferer übertragen. Der Anteil ist auf 75 Prozent gestiegen.

4. Ein erhöhter Kostendruck, der eine Gefahr für die Produktqualität darstellt.

5. Die Baukasten- und Gleichteilestrategie, um Kosten zu sparen und die Entwicklungsgeschwindigkeit zu erhöhen.

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