Raubkatze auf dem Sprung: Wie Jaguar Audi und BMW angreifen will

ThemaAutobauer

Raubkatze auf dem Sprung: Wie Jaguar Audi und BMW angreifen will

Bild vergrößern

Jaguar attakiert mit seinem XE die deutschen Autohersteller BMW und Audi.

von Sebastian Schaal

Vom Sorgenkind zum gefeierten Außenseiter: Jaguar stand vor dem Aus, legte dann aber innerhalb weniger Jahre eine erstaunliche Wende hin. Mit neuen Modellen rückt jetzt auch die deutsche Konkurrenz ins Visier.

„Das ungelöste Problem“ oder eine „mittlere Katastrophe“: Solche Dinge las man noch vor zehn Jahren über Jaguar. Statt Renommee und fetten Renditen brachten die Briten dem damaligen Mutterkonzern Ford Verluste von mehreren hundert Millionen Dollar im Jahr ein. Was Ford auch versuchte, es floppte.

Doch inzwischen hat sich das radikal gewandelt: Die Ford-Ära ist Geschichte, die Presse überschlägt sich in Lobeshymnen und Jaguar fährt zusammen mit Land Rover unter neuer Führung und mit neuem Eigentümer Milliardengewinne ein. Die einst altbackene, schon vor dem Aus stehende Marke ist zurück. Was Jaguar in den vergangenen fünf Jahren angefasst hat, schlug am Markt voll ein.

Anzeige

Mit 81.000 verkauften Autos ist Jaguar noch ein kleiner Fisch im Haifischbecken der Premium-Autobauer, in dem zahlreiche Hersteller versuchen, dem deutschen Trio Audi, BMW und Mercedes Marktanteile abzujagen. Doch Jaguar wächst schnell: Nach Schätzung von IHS Automotive könnte der Absatz auf 230.000 Einheiten steigen – in nur drei Jahren.

Milliarden-Investitionen für die Zukunft

Die Grundlagen hierfür hat das Unternehmen in den vergangenen Jahren selbst geschaffen. „Der Gewinn von Jaguar Land Rover wird in Forschung und Entwicklung investiert“, erklärt Deutschland-Geschäftsführer Peter Modelhart. „Das erlaubt uns heute so große Investitionen wie das neue Motorenwerk oder die Entwicklung der Aluminium-Architektur, die in allen neuen Jaguar-Modellen zum Einsatz kommt.“ Dafür wurde das Werk in Solihull für 500 Millionen britische Pfund erweitert. Für denselben Betrag haben die Briten in Wolverhampton das erste eigene Motorenwerk seit 1947 hochgezogen. „Damit stellen wir nun die Weichen für das Wachstum von Jaguar.“

In diesen Plänen kommt einem Modell eine Schlüsselrolle zu: der Mittelklasse-Limousine XE. Nachdem Jaguar mit dem Sportwagen F-Type eine emotionale Duftmarke gesetzt hat, soll der XE für Stückzahlen und Wachstum sorgen. Von dem neuen Einstiegsmodell, das ab dem 13. Juni für 36.450 Euro bei den Händlern steht, erhoffen sich die Briten ein „höheres Volumen als alle anderen Modelle“. Also mehr als 81.000 Stück.

Britische Autos und ihr unrühmliches Ende

  • Rover

    Der P5 ging als "Elefant" in die Rover-Geschichte ein, die 1884 begann und 2008 mit der Insolvenz endete.

  • Hillman

    Hillman war die Einstiegsmarke der Rootes-Gruppe, zu der auch Sunbeam und Singer zählten. 1967 wurde sie Teil von Chrysler.

  • Austin-Healey

    Der britische Rennfahrer Donald Healey baute zwischen 1952 und 1972 nach ihm benannte puristische Sportwagen.

  • Triumph

    Die deutsche Gründung überlebte als Motorradmarke, Triumph Cars endete 1984. Aber auch die Motorradmarke wird inzwischen von einem anderen Eigentümer geführt.

  • Alvis

    Wem ein Bentley zu teuer und ein Jaguar zu vulgär war, wählte in den Fünfzigerjahren die Nobelmarke Alvis, die danach vom Markt verschwand.

  • Jensen

    Die Ölkrise 1976 beendete die Geschichte des Sportwagensbauers Jensen nach über 40 Jahren.

Der XE, der gegen Mercedes C-Klasse, BMW 3er und Audi A4 antreten soll, ist nicht der erste Jaguar-Vorstoß in die Mittelklasse: 2001 brachten die Briten unter der Regie des damaligen Eigentümers Ford den X-Type auf den Markt. Dieser teilte sich die Plattform mit dem Ford Mondeo – war aber trotz zahlreicher eigener Bauteile als plumpe Kopie des Mondeo verschrien. Für die zahlungskräftige Kundschaft, die für das Premium-Versprechen gerne viel Geld ausgibt, ein absolutes No-Go.

Diesen Fehler der Vergangenheit hat Jaguar mit der eigenen Plattform beim XE vermieden – und konnten sich so mehr Gedanken über die genaue Positionierung des Modells machen. „Es gibt sportlichere und luxuriösere Konkurrenzmodelle“, sagt Kevin Stride, Direktor für die XE-Baureihe. „Der XE bietet aus unserer Sicht den besten Kompromiss aus beiden Welten.“

Jaguar Land Rover in Zahlen

  • Absatz

    2013 war für Jaguar Land Rover das beste Verkaufsjahr weltweit, in 38 Ländern konnten die Briten Rekordergebnisse erzielen. Insgesamt fanden 425.006 Neuwagen der Marken Jaguar, Land Rover und Range Rover einen Besitzer, was einem Plus von 19 Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht. Von 2011 (274.280 Autos) auf 2012 (357.773 Fahrzeuge) war der Zuwachs mit 30 Prozent noch größer. Auch im laufenden Jahr gehen die Geschäfte bei JLR gut: Im ersten Halbjahr wurden 240.372 Autos verkauft – ein Plus von weiteren 14 Prozent.

  • Umsatz

    Am 31. März endete das Geschäftsjahr 2013/2014 mit einem Umsatz von 19,4 Milliarden Pfund. Vor Steuern blieb ein Gewinn von rund 2,5 Milliarden Pfund (umgerechnet 3,15 Milliarden Euro) beim Unternehmen übrig.

  • Jaguar

    Gesamt: 80.000 Fahrzeuge

    Jaguar XK: 3000 Fahrzeuge

    Jaguar XJ: 20.000 Fahrzeuge

    Jaguar XF: 49.000 Fahrzeuge

    Jaguar F-Type: 9000 Fahrzeuge

  • Land Rover

    Gesamt: 118.000 Fahrzeuge

    Defender: 17.000 Fahrzeuge

    Discovery: 45.000 Fahrzeuge

    Freelander: 56.000 Fahrzeuge

  • Range Rover

    Gesamt: 236.000 Fahrzeuge

    Range Rover: 46.000 Fahrzeuge

    Range Rover Sport: 67.000 Fahrzeuge

    Evoque: 123.000 Fahrzeuge

  • Mitarbeiter

    Seit 2009 hat sich die Zahl der Beschäftigten mit 30.000 mehr als verdoppelt. Allein in den vergangenen zwei Jahren wurden 12.000 neue Stellen geschaffen.

Nicht nur der legendäre E-Type brachte Jaguar zwar ein sportliches Image ein. Mit der großen Limousine XJ oder dem Reise-Coupé XK waren bis vor wenigen Jahren eher Modelle für die gesetztere Kundschaft im Angebot. Mit der wiederentdeckten dynamischen Ausrichtung zielen die Briten heute auf ein anderes Publikum. „Früher kamen Mercedes-Fahrer zu uns, heute vor allem von Audi und BMW“, sagt Modelhart. „Damit konnten wir das Durchschnittsalter unserer Kundschaft innerhalb weniger Jahre von 54 auf 50 Jahre senken.“

Frank Schwope von der NordLB hält die Strategie, die Marke nach unten zu öffnen, für richtig. „Durch die niedrigeren Preise der kleineren Modelle erreichen die Autobauer einen deutlich größeren Käuferkreis,“ sagt der Branchenanalyst. „Premium ist nicht eine Frage der Größe eines Autos, sondern des Images, der Ausstattung und des Marketings.“

Anzeige
Unternehmer stellen sich vor
Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%