Reifenmarkt: Pirelli im Visier von Russen und Asiaten

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Reifenmarkt: Pirelli im Visier von Russen und Asiaten

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Schlüsselfigur: Pirelli-Chef Tronchetti Provera

von Hans-Jürgen Klesse

Der Einstieg des russischen Ölkonzerns Rosneft bei Pirelli könnte zum Auftakt für eine Neuordnung des internationalen Reifenmarktes werden. Mit einem der aufstrebenden Billigproduzenten aus Asien als zweitem Großinvestor könnte die Hackordnung der Branche gehörig durcheinander gebracht werden.

Scharfe Kurven, regennasse Fahrbahn - bei solchen Straßenverhältnissen nimmt jeder Autofahrer eigentlich den Fuß vom Gas. Zu groß ist die Gefahr, dass das Fahrzeug ins Schleudern gerät. Die drei Golf-GTI-Fahrer auf dem Contidrom im Süden der Lüneburger Heide interessiert das nicht. Mit heulenden Motoren und quietschenden Reifen brettern sie über die Piste, bis es ein paar Minuten später einen von ihnen tatsächlich erwischt. Der Wagen bricht aus, dreht sich um die eigene Achse, Erdklumpen und Gras fliegen durch die Luft, erst auf dem Seitenstreifen kommt das Auto zum Stehen.

Eigentlich könnte der hannoversche Autozulieferer Continental, der hier auf seinem Konzernparcours Reifen testet, zufrieden sein mit dem Ausgang der Schleuderfahrt. Denn der gestrandete Golf war mit Billigreifen aus asiatischer Produktion unterwegs. Die können bei Kurvenverhalten, Bremsweg und Fahrkomfort noch nicht mithalten mit den deutlich teureren Hochleistungs-Pneus made in Germany.

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Chancen für Newcomer

Die Niedersachsen tun gut daran, sich nicht auf ihren Vorsprung zu verlassen. Denn die Hersteller aus Taiwan, Korea, China, Indien und Indonesien holen dank der starken Stellung in ihren Heimatmärkten schnell auf. "Bei Premiumfahrzeugen dominieren die etablierten Reifenhersteller aus Europa, den USA und Japan noch das Geschäft, aber bei Kleinwagen und Mittelklassefahrzeugen gewinnen die preisaggressiven Mitbewerber aus den aufstrebenden Ländern Asiens schnell Marktanteile hinzu", warnt Matthias Bentenrieder, Autoexperte und Partner der Unternehmensberatung Oliver Wyman. Schon in wenigen Jahren, davon sind Branchenbeobachter überzeugt, werden sich die Machtverhältnisse deutlich zugunsten der Newcomer verschieben.

Zum Turbo bei dieser Aufholjagd könnte der italienische Reifenhersteller Pirelli werden, der mit dem russischen Ölförderkonzern Rosneft gerade einen neuen Großaktionär bekommen hat. Mit Rosneft im Rücken verschafft sich die bisherige Nummer fünf im weltweiten Reifenmarkt auf einen Schlag die Pole-Position bei der Eroberung des bisher unterentwickelten russischen Automarktes mit seinem riesigen Absatzpotenzial.

Und das ist womöglich nur der Anfang: Folgt einer der aufstrebenden Reifenhersteller aus Asien dem Rosneft-Beispiel, brächte das die Hackordnung der Branche kräftig durcheinander. Mit der starken Marke und dem technischen Knowhow aus Mailand und dem Geld der Russen würde sich ein Billighersteller aus China, Indien oder Indonesien, den Schlüssel zum Weltmarkt verschaffen. Das Szenario ist durchaus realistisch: Der größte Teil der Pirelli-Aktien befindet sich im Streubesitz.

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