Rekord-Rückrufe 2014: Warum es so viele Rückrufe gibt

Rekord-Rückrufe 2014: Warum es so viele Rückrufe gibt

von Sebastian Schaal

2014 mussten so viele Autos wie noch nie zurück in die Werkstätten. Eine aktuelle Studie listet die Gründe für die mangelnde Qualität auf – womit auch Unfälle billigend in Kauf genommen werden.

„General Motors startet mal wieder eine Rückrufaktion“, „Honda ruft 13 Millionen Autos zurück“, „350.000 Chrysler müssen in die Werkstatt“: Die Schlagzeilen über Rückrufe der Autobauer scheinen kein Ende zu nehmen. Diese extrem hohen Zahlen sind inzwischen so geläufig, dass ein weiterer Millionen-Rückruf fast zur Randnotiz verkommt.

Doch das war bei Weitem nicht immer so. 2014 geht mit deutlichem Abstand als Negativ-Rekordjahr in puncto Rückrufe in die Automobilgeschichte ein. Nach Berechnungen des Center of Automotive Management (CAM) der Hochschule Bergisch Gladbach wurden im vergangenen Jahr alleine in den USA 62,7 Millionen Autos zurückgerufen – mehr als doppelt so viele wie im bisherigen „Spitzenjahr“ 2004.

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Auto-Rückrufe in den USA im Jahr 2014

  • General Motors

    Rückrufquote: 912 Prozent

    Rückrufmenge: 26,77 Millionen Fahrzeuge

    Quelle: auto-institut.de

  • Honda

    Rückrufquote: 577 Prozent

    Rückrufmenge: 8,9 Millionen Fahrzeuge

  • FCA (Fiat Chrysler Automobiles)

    Rückrufquote: 423 Prozent

    Rückrufmenge: 9,1 Millionen Fahrzeuge

  • Mitsubishi

    Rückrufquote: 364 Prozent

    Rückrufmenge: 0,28 Millionen Fahrzeuge

  • Toyota

    Rückrufquote: 253 Prozent

    Rückrufmenge: 6,0 Millionen Fahrzeuge

  • Mazda

    Rückrufquote: 230 Prozent

    Rückrufmenge: 0,7 Millionen Fahrzeuge

  • BMW

    Rückrufquote: 227 Prozent

    Rückrufmenge: 0,90 Millionen Fahrzeuge

  • Ford

    Rückrufquote: 195 Prozent

    Rückrufmenge: 4,83 Millionen Fahrzeuge

  • VW

    Rückrufquote: 161 Prozent

    Rückrufmenge: 0,97 Millionen Fahrzeuge

  • Tesla

    Rückrufquote: 156 Prozent

    Rückrufmenge: 0,029 Millionen Fahrzeuge

  • Land Rover

    Rückrufquote: 126 Prozent

    Rückrufmenge: 0,09 Millionen Fahrzeuge

  • Daimler

    Rückrufquote: 76 Prozent

    Rückrufmenge: 0,28 Millionen Fahrzeuge

  • Volvo

    Rückrufquote: 0 Prozent

    Rückrufmenge: 0,0 Millionen Fahrzeuge

Die Rückrufquote, welche die Zahl der zurückgerufenen Fahrzeuge im Verhältnis zu den Neuzulassungen eines Herstellers misst, hat 2014 in den USA ein Allzeithoch von 379 Prozent erreicht – im Jahr davor waren es noch 131 Prozent. Mit anderen Worten: Es wurden fast vier Mal so viele Fahrzeuge zurückgerufen, wie im gleichen Jahr zugelassen wurden.

Viele ältere Autos werden zurückgerufen

Der Trend zeigt weiter nach oben. Seit 1966 werden in den USA die Rückrufe systematisch aufgezeichnet. Vier der fünf Negativrekorde stammen aber aus dem Zeitraum der Jahre 2000 bis 2014. „Die Rückrufquote lag bereits in sieben der letzten zehn Jahre über 100 Prozent, was den Negativtrend beleuchtet“, sagt Stefan Bratzel, der die Studie erstellt hat. Ein Großteil der zurückgerufenen Modelle bezieht sich also auf ältere Baujahre.

Bratzel analysiert seit 2005 jährlich die Rückrufe in den USA, da sich der dortige Markt wegen seiner Absatzgröße, den relativ scharfen Sicherheitsrichtlinien und vor allem wegen des hohen Klagerisikos als aussagekräftiger Indikator für die Produktqualität der Autobauer eignet.

Doch nicht nur bei den Durchschnittswerten hat das vergangene Jahr neue Negativ-Rekorde gesetzt, auch bei den einzelnen Herstellern wurden noch nie dagewesene Größenordnungen erreicht. Der unrühmliche Spitzenreiter ist, wie zu erwarten, General Motors. Der US-Konzern musste in 84 Rückrufaktionen insgesamt 27 Millionen Fahrzeuge in die Werkstätten beordern – das sind 912 Prozent der GM-Neuzulassungen 2014 oder 40 Prozent aller GM-Fahrzeuge in den USA. Die größten Rückrufe betreffen Zündschlossmängel, die GM für 45 Todesopfer verantwortlich macht, einige Organisationen sprechen von weit mehr als 100 tödlich Verunglückten.

Bratzel führt die hohe Zahl der Rückrufe auf „Trittbrett-Fahrer“ zurück. „Die Massenrückrufe von General Motors haben in der Automobilindustrie im Allgemeinen und in den USA im Besonderen einen noch die dagewesenen „Domino-Effekt“ ausgelöst“, sagt der Professor. „Das Rückrufvolumen und die damit verbundene öffentliche Aufmerksamkeit haben ferner dazu beigetragen, dass fast alle Automobilhersteller im Windschatten von GM eine Prüfung möglicher Qualitätsprobleme bei ähnlichen Fahrzeugkomponenten, aber auch bei anderen Funktionsgruppen vorgenommen haben.“

Defekte Takata-Airbags Lebensretter als tödliche Gefahr

Airbags von Takata haben Zehntausende Leben gerettet – doch auch einige wegen Produktionsfehlern gekostet. Jetzt steht das Unternehmen in der Kritik – nicht nur wegen der großen Nähe zwischen Autobauern und Zulieferern.

Takata, Produzent tödlicher Airbags Quelle: Getty Images

Zu diesen Trittbrett-Fahrern gehört Honda, die mit einer Rückrufquote von 577 Prozent auf den zweiten Platz gekommen. Die Japaner hatten in zahlreichen Modellen fehlerhafte Airbags des Zulieferers Takata verbaut, zusammen mit anderen kleineren Rückrufen mussten in den USA 8,9 Millionen Hondas ungeplant in die Werkstatt.

Die Probleme haben zwar erst jetzt zu einem Millionen-Rückruf geführt, bekannt sind sie aber schon länger. Der erste Takata-Airbag in einem Honda explodierte 2004, erst nach drei weiteren Vorfällen kam es 2008 zu einem begrenzten Rückruf. Da die Allianz von Takata und Honda seit 2004 1.729 Vorfälle mit den Airbags den US-Behörden nicht gemeldet hatte, muss Honda jetzt eine Rekordstrafe von 70 Millionen Dollar zahlen.

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