Rekordgewinn: BMW - kommt jetzt der Elektroschock?

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Rekordgewinn: BMW - kommt jetzt der Elektroschock?

von Rebecca Eisert

Reithofer hat sich mit i3 und i8 ein Denkmal geschaffen. Längst wird gefrotzelt, statt Audi solle BMW mit "Vorsprung durch Technik" werben. Doch wie lange kann BMW auf den Durchbruch der Elektroflitzer warten?

IAA 2013: Nahezu lautlos rollten die blank polierten i3 an den Besuchern vorbei. Tauchten auf der ansteigenden und wieder abfallenden Strecke rund um den zweistöckigen BMW-Messe-Stand auf und wieder ab, drehten ihre Runde auf dem Außengelände und zogen erneut eine Schleife vorbei an den Neugierigen, die sich drängten, um einen Blick auf die ersten Elektroflitzer eines deutschen Premiumherstellers zu erhaschen.

Der i3 und sein sportlicher großer Bruder i8 waren im vergangenen Jahr fraglos ein Highlight der Internationalen Automobilausstellung. BMW-Chef Norbert Reithofer präsentierte voller Stolz die grünen Vorzeigemodelle, mit denen Smog und Großstadtlärm der Vergangenheit angehören sollen. Damit sicherte er sich die Bewunderung und den Respekt der Fachwelt. Reithofers Strategie, voll auf den Elektroantrieb zu setzen, ist mutig, "sehr viel mutiger als alle anderen", bescheinigt Stefan Bratzel, Leiter des Center of Automotive Management in Bergisch Gladbach. Doch wann beginnt sie, sich auszuzahlen?

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Außer Spesen nichts gewesen?

BMW hat Milliarden in die Entwicklung der Elektromodelle gesteckt. Allein die Erweiterung des Werks in Leipzig kostete 400 Millionen Euro. Für 11.000 Modelle liegen Bestellungen vor - diese Zahl nennt BMW seit Verkaufsstart im November 2013, nicht mehr und nicht weniger. Lässt das schon auf Stillstand schließen? Ist der erste Hype nach der großen Präsentation und einer millionenschweren Marketing-Kampagne schon verflogen? War's das mit der deutschen Premium-Elektromobilität? Fünf Minuten Ruhm, ein warmes Lächeln von Kanzlerin Angela Merkel, die sich eine Million Elektrofahrzeuge bis 2020 auf deutschen Straßen wünscht - und dann außer Spesen nichts gewesen?

Das Kraftfahrtbundesamt zählte im vergangenen Jahr insgesamt 559 Zulassungen auf deutschen Straßen, in den ersten beiden Monaten 2014 waren es 408. Das ist überschaubar. Grund zur Panik sieht Bratzel deshalb nicht. Erst in der zweiten Jahreshälfte, so der Auto-Experte, werde man sehen, wie der i3 beim "normalen Publikum" ankomme. "Jetzt sind noch die Early Adopters dran", analysiert Bratzel. Also solche Kundentypen, die neuen Technologien aus Neugier und Spaß am Fortschritt besonders aufgeschlossen gegenüberstehen und deshalb als Erste ausprobieren. Dafür sind diese Kunden auch bereit, etwas mehr ausgeben.

Fakt ist: Mit 35.000 Euro Basispreis und einer Reichweite von rund 150 Kilometern ist der BMW i3 nicht konkurrenzfähig mit Benzin- oder Diesel-Modellen ähnlicher Ausstattung und Größe. Öffentliche Elektrotankstellen sind nach wie vor dünn gesät. Wer einen i3 kauft, braucht dazu die passende Garage. Anders als über Nacht an der hauseigenen Zapfsäule lässt sich der vier bis acht Stunden lange Ladevorgang in der Praxis kaum realisieren. Wegen seiner geringen Reichweite lässt sich der i3 nur als Zweit- oder Drittwagen verwenden. Wer kann sich das leisten?

Dass der i3 eine Breitenwirkung entfaltet, kann sich Bratzel nicht vorstellen: "Ich bin da im Moment sehr skeptisch." BMW müsste mehrere Zehntausend der Elektromodelle verkaufen, damit sich die Anfangsinvestitionen rechnen. "30.000 bis 50.000 pro Jahr müssten es schon sein, damit BMW zufrieden sein kann", überschlägt Bratzel. Selbst wenn es den Bayern gelänge, 100.000 Stromer zu verkaufen, was derzeit noch utopisch scheint, fiele die Menge bei weltweit zwei Millionen verkaufter Autos kaum ins Gewicht. "Der Verkauf der Elektrofahrzeuge wird sich in den ersten Jahren sicher nicht rechnen", betont Bratzel.

Über Reithofers Aussage, er verdiene mit jedem i3 Geld, muss der Branchen-Experte schmunzeln. "Da rechnet er die Investitionen nicht hinein, die gehören aber mit dazu." So lange der Markt für die Stromer nicht anspringt, muss Reithofer sich mit geringen Verkaufszahlen begnügen, profitiert dafür aber von einem sagenhaften Image als Deutschlands mutigster Premiumautobauer.

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