Rentner im Roboterauto : Macht Computersteuerung Senioren mobil?

Rentner im Roboterauto : Macht Computersteuerung Senioren mobil?

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Wie zukunftsfähig ist autonomes Fahren?

Einsteigen und losfahren - lassen. Das ist die Vision der Autohersteller für computergesteuerte Wagen. Können künftige Fahrerassistenzsysteme auch älteren Menschen helfen, mobil zu bleiben?

Mit seinem Wagen streift ein 84-Jähriger im Februar mehrere Autos beim Abbiegen, er reißt das Lenkrad herum, sein Wagen stürzt in Berlin auf die Seite. Später fährt ein 83-Jähriger ungebremst in einen parkenden Lieferwagen. Besonders tragisch der Fall vor gut einem Jahr: Ein Mann über 80 fährt mit seinem Auto in eine Fußgängerzone im südbadischen Bad Säckingen. Er rast in eine Menschenmenge vor einem Café, weil er Gas und Bremse verwechselt - zwei Menschen kommen ums Leben, 27 werden verletzt.

Unfälle wie diese sorgen immer wieder für Schlagzeilen, im Anschluss häufen sich fast reflexhaft Forderungen nach strengeren Prüfungen oder gar Fahrverboten für ältere Menschen. Und auch eine andere Frage steht im Raum: Wären sie vermeidbar, wenn in Zukunft das Auto selbst die Kontrolle übernehmen könnte? Experten sind skeptisch.

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Statistiken von Unfallforschern der Versicherer zeigen, dass das Risiko, einen Unfall zu bauen, für Autofahrer ab 75 Jahren steigt. Gleichzeitig wird die Zahl der Menschen, die sich in diesem Alter hinters Steuer setzen, angesichts des demografischen Wandels in den nächsten Jahrzehnten steigen. Zum einen werden die Menschen älter, zum anderen haben mehr Frauen einen Führerschein.

Die fünf Stufen des automatisierten Fahrens

  • Stufe 1: Fahrassistenten

    Der Fahrer lenkt, bremst und beschleunigt selbständig. Einfache Systeme wie Abstandshalter unterstützen ihn.

  • Stufe 2: Teilautomatisiertes Fahren

    Das elektronische System übernimmt bestimmte Funktionen wie etwa das automatische Einparken oder das Spurhalten. Der Fahrer bleibt aber weiter in der Verantwortung, die Hände bleiben am Lenkrad.

  • Stufe 3: Hochautomatisiertes Fahren

    Das Fahrzeug fährt weitgehend autonom, der Fahrer muss nicht mehr alles dauerhaft überwachen. Er darf die Hände vom Lenkrad nehmen, muss aber in der Lage sein, nach Vorwarnung die Kontrolle wieder zu übernehmen.

  • Stufe 4: Vollautomatisiertes Fahren

    Der Fahrer kann noch übernehmen, ist aber nicht mehr erforderlich, um das Auto zu steuern. Elektronische Systeme können alle Verkehrssituationen automatisch bewältigen.

  • Stufe 5: Fahrerloses Fahren

    Das Lenkrad entfällt, das Auto wird nur noch vom System gesteuert.

Grundsätzlich ist die neueste Technik als Hilfe gedacht: Neben den schon bekannten Parkassistenten, die die Fahrzeuge in schmale Lücken manövrieren, halten die Fahrzeuge den Abstand zum Vordermann, sie legen bei Hindernissen eine Notbremsung ein oder warnen vor Verkehrsteilnehmern im toten Winkel.

Der Gesetzgeber hat nun auch den Weg für weitreichendere Hilfestellungen geebnet. Am Freitag passierte das Gesetz zu computergesteuerten Autos von Verkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) den Bundesrat. Es soll einen Rahmen setzen, damit in Autos künftig Computer Fahrfunktionen übernehmen dürfen. Der Fahrer soll die Hände vom Lenkrad nehmen können - nur im Notfall muss er jederzeit wieder Steuer und Bremsen bedienen können.

Kann das helfen? Ältere Menschen hätten oft Schwierigkeit mit dem Schulterblick und der Einschätzung des rückwärtigen Verkehrs, sagt etwa der Leiter der ADAC-Verkehrspolitik, Ulrich Chiellino. Fahrzeugsensorik könne beispielsweise das Einfädeln oder Überholen auf der Autobahn unterstützen. Allerdings machten ältere Autofahrer Fehler vor allem in komplexen Situationen etwa auf Kreuzungen oder auf Landstraßen. Bis Autos hier die Kontrolle übernehmen, dürfte es noch dauern. Denn die neuen Funktionen werden bislang vor allem für die Autobahn entwickelt.

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Einen größeren Nutzen misst Chiellino dem so genannten Notbremsassistenten zu, der Kollisionen mit Fußgängern verhindern soll. „Diese Nothaltefunktion kann auch verhindern, dass ein Fahrzeug unkontrolliert weiterfährt, wenn der Fahrer einen Herzinfarkt oder Schlaganfall am Steuer erleidet“, sagt der ADAC-Experte.

Doch entscheidend wird sein, wie intuitiv die neuen Systeme zu bedienen sind. Zwar gibt es noch keine größeren Untersuchungen, wie ältere Menschen auf sie reagieren. „Allerdings darf man vermuten, dass die Affinität zu Assistenz- oder neuartigen Navigationssystemen im Alter eher restriktiv sein dürfte“, sagt Karin Müller, Leiterin des Fachbereichs „Mensch und Gesundheit“ beim Prüfkonzern Dekra. Sie geht davon aus, dass es an der notwendigen Aufgeschlossenheit für neuere Technik hapern wird. Zudem nehme die Bereitschaft, Gewohnheiten zu ändern, mit dem Alter ab.

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Siegfried Brockmann, Leiter der Unfallforschung der Versicherer, erwartet, dass die Probleme in den nächsten Jahren eher zunehmen. Denn erstmal wird der Mensch im Auto die Verantwortung behalten. Und die Assistenzsysteme, bei denen der Fahrer laut neuem Gesetz jederzeit eingreifen können muss, können seiner Einschätzung nach ältere Menschen überfordern. Denn die „Warnkaskade“ - blinkende piepsende Anzeigen, die dafür sorgen, dass der Mensch rechtzeitig eingreife - sei schon für jüngere Menschen nicht einfach zu erfassen.

Selbst auf Fahranfänger sieht Dekra-Expertin Müller eher mehr als weniger Lernbedarf zukommen. So könnte der Umgang mit automatisierten Fahrfunktionen Teil der Ausbildung und Führerscheinprüfung werden. Einfacher dürfte es erst dann wieder werden, wenn das Auto irgendwann einmal die volle Kontrolle übernimmt. Doch das wird dauern, so Müller: Das vollautonome Fahren, in dem wir alle nur noch Passagiere seien, bleibe „auf längere Sicht Zukunftsmusik“.

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