Rolls-Royce-Chef Müller-Ötvös: „Entscheidung über das SUV fällt 2015“

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von Sebastian Schaal

Mit 4.063 verkauften Fahrzeugen hat Rolls-Royce 2014 das fünfte Rekordjahr in Folge eingefahren. Im Interview blickt Unternehmenschef Torsten Müller-Ötvös nach vorne und spricht über eine mögliche SUV-Baureihe.

Herr Müller-Ötvös, Ihr selbst gestecktes Ziel war es, 4.000 Rolls-Royce im Jahr 2014 zu verkaufen. Hat es geklappt?
Jawohl, wir haben diese Marke mit 4.063 Fahrzeugen recht komfortabel durchbrochen. Ich bin über das Ergebnis sehr erfreut. Ein Plus von zwölf Prozent im Vergleich zu 2013 und das fünfte Rekordjahr in Folge sind sehr zufriedenstellend. Wenn man die letzten fünf Jahre Revue passieren lässt, haben wir das Volumen der Marke Rolls-Royce vervierfacht. Ich glaube, das ist eine ganz gute Erfolgsstory.

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Torsten Müller-Ötvös, Jahrgang 1960, ist seit 2010 Geschäftsführer von Rolls-Royce. Zuvor hat er sich im BMW-Konzern unter anderem als Marketing-Manager für den Mini bewiesen. Quelle: BMW

Torsten Müller-Ötvös, Jahrgang 1960, ist seit 2010 Geschäftsführer von Rolls-Royce. Zuvor hat er sich im BMW-Konzern unter anderem als Marketing-Manager für den Mini bewiesen.

Bild: BMW

Geht es 2015 direkt so weiter?
Ich bin „quietly confident“ wie die Engländer so schön sagen, dass es erneut ein gutes Jahr für Rolls-Royce wird. Ich bin unverändert optimistisch für den US-Markt und für den Nahen Osten. Wenn jetzt keine größeren Einbrüche und Zusammenbrüche in der Welt passieren, sollten wir 2015 zumindest ein Automobil mehr verkaufen als im letzten Jahr.  

2010 schnellte für Rolls-Royce-Verhältnisse ihr Absatz in die Höhe, weil Sie den Ghost als kleineres Modell unterhalb des Phantom eingeführt hatten. In den Jahren 2011 bis 2013 war das Wachstum eher moderat, 2014 gab es wieder einen großen Sprung. Wie erklären Sie sich das?
Da spielen mehrere Faktoren eine Rolle. Zum einen haben wir mit dem Wraith nach der Markteinführung im Oktober 2013 das erste volle Jahr erlebt. Mich freut sehr, dass uns der Wraith 80 Prozent neue Kunden gebracht hat. Menschen, die davor noch kein Interesse an einem Rolls-Royce hatten – jetzt aber schon. Das ist ein maßgeblicher Treiber des Erfolgs.

Die umsatzstärksten Luxusgütersegmente 2014

  • Gesamtumsatz des weltweiten Luxusgütermarktes

    Gesamtumsatz: 865 Milliarden Euro
    Wachstum: +7% zum Vorjahr

    Quelle: Bain & Companay/Fondazione Altagamma-Studie zum globalen Luxusgütermarkt 2014: "Luxury Goods Worldwide Market Study"

  • Platz 9

    Luxus-Kreuzfahrten

    Umsatz: 1 Milliarde Euro
    Wachstum: +5% zum Vorjahr

  • Platz 8

    Luxus-Yachten

    Umsatz: 7 Milliarden Euro
    Wachstum: +2% zum Vorjahr

  • Platz 7

    Designermöbel

    Umsatz: 18 Milliarden Euro
    Wachstum: -1% zum Vorjahr

  • Platz 6

    Privat-Jets

    Umsatz: 19 Milliarden Euro
    Wachstum: +9% zum Vorjahr

  • Platz 5

    Luxus-Genussmittel

    Umsatz: 39 Milliarden Euro
    Wachstum: +2% zum Vorjahr

  • Platz 4

    Luxus-Weine und -Spirituosen

    Umsatz: 58 Milliarden Euro
    Wachstum: +5% zum Vorjahr

  • Platz 3

    Luxus-Hotellerie

    Umsatz: 150 Milliarden Euro
    Wachstum: +9% zum Vorjahr

  • Platz 2

    Persönliche Luxusgüter
    (Uhren, Schmuck, Kleidung, Schuhe und Lederwaren)

    Umsatz: 223 Milliarden Euro
    Wachstum: +2% zum Vorjahr

  • Platz 1

    Luxusautos

    Umsatz: 351 Milliarden Euro
    Wachstum: +10% zum Vorjahr

Und die anderen Faktoren?
Der nordamerikanische Markt läuft sehr gut. Die anziehende Konjunktur hat das Verbrauchervertrauen in den USA wieder auf Rekordhöhe gebracht. Das hat unsere Verkäufe dort stark beflügelt. Gleiches gilt für den Mittleren Osten, aber auch für unseren britischen Heimatmarkt. Insgesamt eine Mischung aus dem passenden Produkt, konjunktureller Entwicklung und einer global sehr guten Position für Rolls-Royce Motor Cars.

Was unterscheidet den Käufer eines Wraith vom Phantom-Besitzer?
Kurz gesagt: Er ist deutlich jünger, Sportwagen-orientiert, Selbstfahrer. Wir haben den Wraith nicht umsonst als den „Ultimate Gentleman’s Grand Tourer“positioniert. Er ist der dynamischere und fahraktivere Bruder des Ghost – und zudem der stärkste je gebaute Rolls-Royce. Das sind Attribute, die den Käufer eines großen und gediegenen Phantom nicht ansprechen.

Pläne von Bentley und Rolls-Royce Die Luxus-SUVs für die Wüstenscheichs

Wer ein Luxus-SUV kaufen will, hat ein Problem: Oberhalb von 150.000 Euro gibt es kein Modell auf dem Markt. Bentley wird das beheben – Rolls-Royce will nachziehen.

Bislang hat Bentley nur diese schemenhafte Aufnahme des SUV-Modells veröffentlicht, das vermutlich „Falcon“ heißen wird. Über den Namen ist noch nicht entschieden, ober das Modell schon: Es wird 2016 auf den Markt kommen. Quelle: Bentley Motors Limited

Wohin streben Sie mit Rolls-Royce?
Für die Marke sehen wir weiteres Wachstumspotenzial. Zum Beispiel mit dem Drophead Coupé des Wraith, das wir Mitte 2016 auf den Markt bringen werden. Neben dem bestätigten Fahrzeug gibt es auch noch Spekulationen um ein weiteres Modell, das kommen könnte. Zudem wächst die Zahl der Menschen mit hohem und sehr hohem Einkommen Jahr für Jahr um drei bis fünf Prozent. Deshalb mache ich mir um die Zukunft von Rolls-Royce keine Sorgen.

Mit den Spekulationen sprechen Sie das mögliche SUV-Modell an. Im vergangenen September  haben Sie gesagt, man setzte sich intensiv mit dem Thema auseinander und Sie seien zuversichtlich. Welche Fortschritte hat das Projekt in den vergangenen Monaten gemacht?
Für uns ist die große Fragestellung, wie ein solches Produkt aussehen muss, dass es zum einen ein echter Rolls-Royce ist, zum anderen aber auch die gewünschten Charakteristika aufweist, die für dieses Segment erforderlich sind. Dabei haben wir zahlreiche Erkenntnisse gewonnen. Bei der ein oder anderen Designfrage sind wird auch einen Schritt vorangekommen.

Wie sich unser Verständnis von Luxus verändert

  • Was ist eigentlich Luxus?

    Nur wenige Begriffe werden so inflationär und so unterschiedlich verwendet, wie der Luxus-Begriff. Die Vorstellung von Luxus ist nicht nur individuell unterschiedlich, sie unterliegt auch einem gesellschaftlichen Wandel. In einem idealtypischen Modell beschriebt das Schweizer Gottlieb Duttweiler Institut vier Phasen, die den Wandel des nachvollziehbar machen. Das Modell beschreibt einen Reifeprozess, der sich an den Lebensphasen orientiert;

    Quelle: Gottlieb-Duttweiler-Institut. „Der nächste Luxus. Was uns in Zukunft lieb und teuer wird.“

  • Infantile Phase

    Die erste Phase der Luxusentwicklung  ist geprägt durch einen großen Konsumhunger, der mit dem was angeboten wird, befriedigt wird. Das vorherrschende Prinzip: „Mehr ist Mehr“.  Dies ist vor allem auf aufstrebenden Märkten zu beobachten. Hier herrschen Nachholbedarf und das Verlangen aufzusteigen. Gleichzeitig gibt es ein Defizit.

  • Adoleszenzphase

    Sie setzt Solvenz voraus, wird aber dominiert von einem verstärkten Wettbewerbsdruck. Der Traum von einem weiterem Aufstieg weicht der Angst vor einem Abstieg.  Nun wird das „Mehr“ zum „Muss“. Güter mit Signalwirkung  gewinnen an Bedeutung: Mein Haus, mein Auto, mein Diamantring.

  • Maturitätsphase

    Eine erste Luxusmüdigkeit setzt ein. Die Phase ist geprägt vom abnehmenden Grenznutzen. Die Erkenntnis, dass das Glücksfühl beim Erwerb eines Produkts abnimmt, je öfter und hindernisloser dieser möglich ist, stellt sich ein. Der Luxuskonsum verschiebt sich von der Produkt- auf die Erlebnisebene.

  • Senioritätsphase - Der nächste Luxus

    Die Ästhetik des neuen Luxus lässt sich für die Forscher des GDI auf den Begriff der Verschlichterung bringen.  Luxuskonsumenten demonstrieren bewusst den Verzicht. Die Fähigkeiten, dass Reduzierte und Essentielle leben, aber lesen zu können rückt in den Vordergrund. Nur wer über materiellen Besitz verfügt, wird sich die Fähigkeiten aneignen können, um die Codes des neuen Luxus zu entziffern.

Anspruchsvollen Kunden wird nicht gerade nachgesagt, viel Geduld zu haben. Wann wird die Entscheidung für oder gegen ein SUV-Modell fallen?
Wir haben noch nicht alle Fragen beantwortet. Ob wir auf alle Fragen eine final Antwort finden, werden wir noch in diesem Jahr wissen.

2015 gibt es also ein Ja oder Nein zum SUV?
Wir werden in diesem Jahr definitiv sagen, ob wir es machen oder nicht.

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