Rolls-Royce Phantom: Wie das beste Auto der Welt noch besser wird

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InterviewRolls-Royce Phantom: Wie das beste Auto der Welt noch besser wird

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Torsten Müller-Ötvös, Jahrgang 1960, ist seit 2010 Geschäftsführer von Rolls-Royce. Zuvor hat er sich im BMW-Konzern unter anderem als Marketing-Manager für den Mini bewiesen.

von Sebastian Schaal

Nach 14 Jahren Bauzeit hat Rolls-Royce den Phantom VII in Rente geschickt. Firmenchef Torsten Müller-Ötvös über das neue Modell, die Trends der Luxusbranche und einen Rolls-Royce mit Elektroantrieb.

Am 3. Januar 2003 begann im südenglischen Goodwood eine neue Ära des britischen Automobilbaus. An jenem Tag lief der erste Rolls-Royce Phantom der siebten Generation vom Band – der erste Rolls-Royce unter deutscher Führung.

Rund fünf Jahre zuvor hatte sich BMW die Rechte an der britischen Luxusmarke gesichert und seitdem behutsam an einem Comeback gearbeitet. Den Anfang machte der Phantom – als große Chauffeurs-Limousine seit jeher das Rückgrat des Rolls-Royce-Angebots. Inzwischen hat die Modellpalette der Briten geradezu beachtliche Ausmaße angenommen: Unterhalb des Phantoms (und seinen Cabrio- und Coupé-Ablegern) gibt es die kleinere Limousine Ghost, den Gran Turismo Wraith und das Luxus-Cabrio Dawn. Sogar an einem SUV arbeitet die britische Edelschmiede inzwischen, der Wagen soll 2018 gezeigt werden.

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Nach 14 Jahren Bauzeit schickte Rolls-Royce-Chef Torsten Müller-Ötvös den siebten Phantom in Rente. Alleine die für ein Auto sehr lange Bauzeit (normal sind Modellzyklen von sieben Jahren mit einer ausführlichen Überarbeitung nach vier Jahren) zeigt, dass Rolls-Royce kein Autobauer im klassischen Sinne ist, sondern vielmehr ein Anbieter hochwertgier Luxusgüter. Das macht die Aufgabe, einen Nachfolger zu bauen, ungleich komplexer – da der Phantom sowohl auf dem Auto- als auch dem Luxusmarkt zu den besten seiner Art gehören muss.

Am Donnerstagabend hat Rolls-Royce in London zum ersten Mal die achte Generation des Phantom der Öffentlichkeit gezeigt. Anlässlich der Premiere des nach Eigendarstellung „besten Autos der Welt“ spricht Müller-Ötvös über Innovationen, die sich wandelnde Kundschaft und einen Rolls-Royce mit Elektroantrieb.

WirtschaftsWoche Online: Herr Müller-Ötvös, wie macht man das „beste Auto der Welt“ noch besser?
Torsten Müller-Ötvös: Indem man sich alle Details genau ansieht und jene Punkte identifiziert, in denen man noch besser werden kann. Beim Fahrwerk zum Beispiel: Das „Magic Carpet Ride“, also das Fahrgefühl wie auf einem fliegenden Teppich, haben wir nochmals weiterentwickelt – es fühlt sich jetzt an, als ob das Fahrzeug über Land fliegt. Zudem sitzen Sie in einer Atmosphäre, die noch besser gegen sämtliche Einflüsse aus der Außenwelt isoliert ist – egal ob Fahrbahnunebenheiten oder eben Geräusche.

Einige Features des neuen Phantom sind auch auf ausdrückliche Wünsche unserer Kunden zurückzuführen. Etwa der neue Dachhimmel, auf dem jetzt nicht nur über den Rücksitzen, sondern der gesamten Länge ein Sternenhimmel projiziert werden kann.

Zur Person

  • Torsten Müller-Ötvös

    Torsten Müller-Ötvös, Jahrgang 1960, ist seit 2010 Geschäftsführer von Rolls-Royce. Zuvor hat er sich im BMW-Konzern unter anderem als Marketing-Manager für den Mini bewiesen.

Rolls-Royce baut bereits heute hochindividuelle Bespoke-Fahrzeuge. Wie kann man in diesem Bereich für ein neues Modell neue Angebote erschaffen?
Wir müssen den Wagen von Anfang an so konzipieren, dass er an möglichst vielen Stellen individuell angepasst werden kann. Wir haben zum Beispiel erstmalig das gesamte Armaturenbrett aus Glas gefertigt. Das ist ein großes Bauteil aus hochfestem Gorilla-Glas, um die Crashsicherheit zu gewährleisten. Hinter diesem Glas, das wir „Gallery“ nennen, hinter dem individuell zusammengestellte Kunst-Ornamente verbaut werden. Der Kunde kann so den Innenraum seines Wagens so gestalten, wie er es haben will – und dabei nicht nur zwischen Holz-Dekor und Leder wählen.
Wir bauen keine Autos im klassischen Sinne, um von A nach B zu kommen. Wir bauen Luxusgüter, die der Kunde so individuell wie möglich gestalten kann.

Wie entsteht Innovation bei Rolls-Royce? Im Design-Team? Bei den Ingenieuren? Oder bei den Handwerksmeistern in der Fertigung?
Überall. Das ist das tolle an einem überschaubar großen Team, dass alle mit Herzblut dabei sind und so das Produkt prägen können. Dazu kommt, dass wir einen ungewöhnlich hohen Kundenkontakt haben, das zieht sich ebenfalls durch die ganze Firma. Bei uns spricht nicht nur der Verkäufer mit dem Kunden, sondern auch der Designer, Ingenieur oder der Tischler, der ein besonderes Holzornament im Kundenauftrag fertigt.

Auch die Idee der „Gallery“ ist indirekt kundengetrieben. Viele unserer Kunden sind Kunstsammler und wollen sich mit Kunst umgeben. Als ein Kunde unserem Chefdesigner Giles Talyor und mir stolz sein neuestes Gemälde präsentiert hatte, ist daraus die Idee entstanden, wie man Kunst im Fahrzeug zeigen kann. Nach diesem Besuch meinte Giles, er wolle darüber nachdenken und entwickelte dann die Idee der „Gallery“, die wir erstmals in dem Konzeptauto 103 EX gezeigt hatten und nach den überragenden Kundenreaktionen jetzt in das Serienauto gebracht haben.

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