Ron Harbour im Interview: "Zu Kooperationen gibt es keine Alternative"

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InterviewRon Harbour im Interview: "Zu Kooperationen gibt es keine Alternative"

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Ron Harbour prognostiziert für die Zukunft eine neue Unternehmenslandschaft, die zunehmend aus Kooperationen bestehen wird

von Martin Seiwert

Der renommierte US-Produktionsexperte Ron Harbour sieht die Fahrzeughersteller unter massivem Druck – und erwartet eine neue Konsolidierungswelle.

WirtschaftsWoche: Mr. Harbour, seit Jahrzehnten versuchen Autohersteller, durch effiziente Produktion einen Wettbewerbsvorteil zu erzielen. Nun sollen Kooperationen das neue Wundermittel gegen hohe Kosten sein. Ein guter Weg?

Harbour: Ich sehe keine Alternative. Die Konzerne haben immense Aufwendungen für die Entwicklung von umweltfreundlichen Antrieben und immer sichereren Fahrzeugen. Hinzu kommen steigende Löhne und Kapitalkosten sowie der hohe Aufwand, eigentlich globale Fahrzeugmodelle an die gesetzlichen Auflagen und Nutzergewohnheiten in den unterschiedlichen Märkten anzupassen. Die Hersteller können diese Kosten nicht einfach an die Kunden weitergeben: Ich sehe kaum Spielraum für Preiserhöhungen. Es bleibt also nur die Option, dass Hersteller die Herausforderungen gemeinsam angehen und Kosten, etwa für Forschung und Entwicklung, teilen.

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Wo bleibt der Wettbewerb, wenn sich die Großen der Branche zu noch größeren Allianzen zusammenschließen?

Wir werden in Zukunft noch sehr viel mehr Kooperationen sehen. Nur wenige Unternehmen werden es sich leisten können, alles im Alleingang zu machen. Alle anderen werden Partnerschaften schließen. Deshalb wird die Unternehmenslandschaft in zehn Jahren eine ganz andere sein als heute. In vielen Fällen wird es auch nicht gleich um komplette Zusammenschlüsse wie im Fall Fiat und Chrysler gehen. Oft wird man nur eine Zusammenarbeit auf bestimmten technischen Feldern vereinbaren. Das lässt Raum für Wettbewerb.

Wer wird mit wem glücklich? Der große Auto-Allianzen-Check

Mercedes-Modelle mit Tesla-Antrieb, ein Opel aus der Peugeot-Fabrik – der steigende Kostendruck sorgt für immer mehr Kooperationen und Allianzen. Welche versprechen langfristig Erfolg, welche sind ohne Perspektive?

Daimler und Renault kooperieren. Quelle: Presse

Spätestens seit dem missglückten Zusammenschluss von Daimler und Chrysler werden Allianzen kritisch beäugt. Die Ehe von Volkswagen und Suzuki hat auch nicht gehalten. Was ist das Geheimnis guter Partnerschaft?

Das Beispiel DaimlerChrysler hat viele verschreckt. Dabei war vorher erkennbar, dass es aufgrund großer Unterschiede in der Unternehmenskultur nicht klappen wird. Partnerschaften können aber sehr sinnvoll sein. Vorausgesetzt, beide Seiten sind sich exakt darüber im Klaren, was sie wollen, bevor sie die Partnerschaft besiegeln. Und sie sollten sich auf ausgewählte Bereiche fokussieren, etwa auf die Entwicklung einer Batterie. Dann kann es klappen, das zeigt die Praxis.

Woran denken Sie?

An Nissan und Renault. Oder an Chrysler und Fiat. Das ist derzeit die beste Partnerschaft, die ich kenne.

Das ist nicht Ihr Ernst! Fiat lebt von den Gewinnen von Chrysler. Andere Synergien kann man kaum erkennen.

Das sehe ich nicht so. Das ist eine perfekte Kooperation, denn in der Partnerschaft haben sich beide Unternehmen so stark verbessert wie kein anderes Unternehmen der Branche. Die Stärken, etwa in der Produktion, sind allerdings noch überlagert von anderen Problemen und werden deshalb gern übersehen.

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