Rückruf-Trends: Negativ-Rekord bei Rückrufen in Deutschland

Rückruf-Trends: Negativ-Rekord bei Rückrufen in Deutschland

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Subaru Legacy aus dem Jahr 2005: Subaru musste in Deutschland sechs Mal mehr Autos zurückrufen als sie 2014 verkauft haben.

Rückrufe in der Autobranche sind keine Seltenheit. In Deutschland 2014 mussten fast zwei Millionen Autos unplanmäßig in die Werkstatt – eine aktuelle Studie listet die Gründe auf.

In Deutschland wurden im vergangenen Jahr über 1,9 Millionen Autos wegen sicherheitsrelevanter Mängel in die Werkstätten zurückgerufen. Gemessen an den Neuzulassungen stieg die Rückrufquote auf 63 Prozent – der höchste Wert seit der Einführung des Produktsicherheitsgesetzes im Jahr 1997.

Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie des Center of Automotive Management (CAM). Die Forscher haben insgesamt 127 Rückrufaktionen analysiert, bei denen zwischen sieben und 450.000 Autos in die Werkstätten beordert wurden. Pro Rückrufaktion müssten im vergangenen Jahr im Schnitt über 15.000 Fahrzeuge repariert werden, 2013 waren es bei 88 Rückrufaktionen im Mittel rund 12.400 Fahrzeuge. Im Gesamtjahr 2013 waren lediglich 1,09 Millionen Fahrzeuge betroffen, was eine Rückrufquote von 37 Prozent ergibt. In den Vorjahren sei das Rückrufvolumen pro Aktion deutlich geringer gewesen, so das CAM.

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Fünf Gründe für die häufigen Rückrufe

  • Steigende technische Komplexität

    Die technische Komplexität der Fahrzeuge ist in den letzten 10 bis 15 Jahren enorm gestiegen, wodurch die Fahrzeuge zwar grundsätzlich sicherer geworden sind. Allerdings führte die technische Komplexität auch zu einem Anstieg der Fehlerhäufigkeit und Fehleranfälligkeit. Hierzu tragen unter anderem passive und aktive Sicherheitssysteme (wie ABS, ESP, Airbags; Fahrassistenzsysteme) bei, die gleichzeitig die Fahrzeugsicherheit deutlich erhöht haben. Darüber hinaus sind motortechnische Optimierungen (Start/Stopp-Systeme, Aufladung etc.) sowie zahlreiche Komfortmerkmale wie etwa Navigations-, Telefon und Internetdienste im Fahrzeuge zu nennen. Es ist zu erwarten, dass im Zuge der Entwicklung weiterer Komfort- und Sicherheitsfeatures auch künftig der Komplexitätsgrad der Fahrzeuge zunimmt.

    Quelle: "Die Rückruf-Trends der globalen Automobilhersteller im Jahr 2014 (AutomotivePeformance 2015)" des Center of Automotive Management

  • Zunahme der Entwicklungsgeschwindigkeit

    Die Produktentwicklungszyklen wurden in den vergangenen zehn Jahren deutlich verkürzt. Aufgrund der hohen Wettbewerbsintensität der Branche bringen die globalen Hersteller in immer kürzerer Zeit neue Modelle bzw. Derivate in Umlauf und verbreitern damit ihr Produktportfolio kontinuierlich. Wer es schafft, mit neuen Modellen beziehungsweise Modellvarianten schnell am Markt zu sein, hat im globalen Wettbewerb Vorteile. Der hohe Zeitdruck in der Produktentwicklung wirkt sich negativ auf
    die Qualitätssicherung aus.

  • Verlagerung der Wertschöpfung

    Um Kosten-, Zeit- und Innovationsvorteile zu realisieren, wurden erhebliche Teile der Wertschöpfung auf die Automobilzulieferer übertragen. Ihr Wertschöpfungsanteil ist mittlerweile auf rund 75 Prozent gestiegen. Gleichzeitig steigen mit dieser Verlagerung die Anforderungen an unternehmensübergreifendes Qualitätsmanagement, das darüber hinaus auf globaler Ebene sichergestellt werden muss. Es muss einerseits nicht nur die eigene Produktqualität, sondern auch durch geeignete Prozesse die Teilequalität der globalen Lieferanten gesichert werden. Andererseits steigt die Komplexität eines Qualitätsmanagement auch dadurch, dass die Automobilhersteller nicht nur die zugelieferten Teile, sondern meist auch die Qualität der international verteilten Produktionsanlagen ihrer Zulieferer einschätzen und durch Prozesse absichern müssen.

  • Erhöhter Kostendruck

    Die Automobilhersteller stehen aufgrund der hohen Wettbewerbsintensität auch unter enormen Kostendruck. Gleichzeitig geben die Hersteller den Kostendruck an die Automobilzulieferer weiter, die dazu angehalten sind, ihre eigene Kosten beziehungsweise die ihrer Teile- und Rohstofflieferanten zu drücken. Hier besteht die Gefahr, dass der Kostendruck auf zu Ungunsten der Produktqualität geht.

  • Baukasten- und Gleichteilestrategie

    Um Kosten zu sparen und die Entwicklungsgeschwindigkeit zu erhöhen, müssen die Hersteller zunehmend auf Gleichteile- oder Baukastenstrategien setzen. Hierbei nutzen die OEM die gleichen Komponenten und Module in möglichst vielen Modellen, um von den hiermit verbundenen Mengeneffekten zu profitieren. So plant BMW etwa die Zahl der hergestellten Fahrzeuge je Plattform bis zum Jahr 2019 etwa zu verdoppeln, Volkswagen (durch die Einführung des MQB) diese sogar fast zu verdreifachen. Diese Strategie entwickelt sich zu einem wichtigen Erfolgs- und Überlebensfaktor der Hersteller, da sich aus ihr erhebliche Kostenvorteile ergeben können. Gleichzeitig steigt jedoch das Risiko, dass bei Qualitätsproblemen einzelner Teile oder Komponenten eine große Menge von Fahrzeugen über Baureihen hinweg zurückgerufen werden müssen.

"Das Damoklesschwert von hohen Rückrufmengen aufgrund von Qualitätsproblemen hängt zunehmend über den globalen Automobilherstellern und kann zu enormen Kosten- und Imagebelastungen führen", sagt Studienleiter Stefan Bratzel. "Die zu Tage tretenden meist sicherheitsrelevanten Rückrufe sind dabei nur die 'Spitze des Eisbergs'."

Nur wenn Qualitätsmängel von Herstellern schnell und unkompliziert beseitigt würden, könne eine nachhaltige Verstimmung von Kunden vermieden werden. "Hier fehlt es teilweise an der Sensibilität der Automobilhersteller, aber auch an effizienten Eskalationsmechanismen."

Takata-Airbags sorgen für Rekord-Rückrufquoten

Einige Hersteller mussten 2014 in Deutschland besonders viele Autos zurückrufen. Weit überdurchschnittlich betroffen waren laut der CAM-Studie neben den japanischen Herstellern Subaru, Toyota und Honda auch Premiummarken wie BMW und Jaguar Land Rover.

Subaru nimmt mit einer Rückrufquote von 640 Prozent die unrühmliche Rolle als Negativ-Spitzenreiter ein. Die Japaner konnten in Deutschland im abgelaufenen Geschäftsjahr 6.218 Autos verkaufen, mussten aber im selben Zeitraum 39.800 Fahrzeuge zurückrufen. Bei älteren Exemplaren der Baureihen Forester, Impreza, Legacy und Outback musste der Korrosionsschutz an den Bremsleitungen nachgebessert werden. Der Deutschland-Importeur begründete in einer Stellungnahme die Rückrufaktion als "reine Vorsichtsmaßnahme". Die große Gesamtzahl der Autos im Verhältnis zu den letztjährigen Zulassungen der Marke in Deutschland resultiere aus dem von Subaru vorsorglich ausgedehnten Zeitraum für die von der Maßnahme betroffenen Fahrzeuge. Teilweise waren die unter die Rückrufkriterien fallenden Modelle bereits elf Jahre alt. Es ist weltweit kein Fall bekannt, in dem es bei einem betroffenen Fahrzeug zu einem Unfall aufgrund korrodierter Bremsleitungen gekommen ist.

Rekord-Rückrufe 2014 Warum es so viele Rückrufe gibt

2014 mussten so viele Autos wie noch nie zurück in die Werkstätten. Eine aktuelle Studie listet die Gründe für die mangelnde Qualität auf – womit auch Unfälle billigend in Kauf genommen werden.

Der Zündschloss-Rückruf von GM löste einen nie dagewesenen Domino-Effekt aus Quelle: AP

Die hohen Rückrufquoten bei Toyota (240 Prozent), Honda (186 Prozent) und BMW (159 Prozent) sind größtenteils auf fehlerhafte Airbags des Zulieferers Takata zurückrufen. Insgesamt mussten wegen der Takata-Airbags 581.000 Autos alleine in Deutschland in die Werkstatt. Bei Toyota kamen noch 78.000 Fahrzeuge der Baureihen Yaris und Urban Cruiser wegen einer zu schwach ausgelegten Befestigung der Lenksäule hinzu.

Noch vor dem Takata-geschädigten Trio kommt Jaguar Land Rover mit einer Quote von 261 Prozent auf den zweiten Platz. 49.301 Fahrzeuge der Modelle Jaguar XF, Land Rover Freelander und Range Rover Evoque mussten wegen eines möglichen Kraftstofflecks bei Dieselmotoren in die Werkstatt.

Auto-Rückrufe in den USA im Jahr 2014

  • General Motors

    Rückrufquote: 912 Prozent

    Rückrufmenge: 26,77 Millionen Fahrzeuge

    Quelle: auto-institut.de

  • Honda

    Rückrufquote: 577 Prozent

    Rückrufmenge: 8,9 Millionen Fahrzeuge

  • FCA (Fiat Chrysler Automobiles)

    Rückrufquote: 423 Prozent

    Rückrufmenge: 9,1 Millionen Fahrzeuge

  • Mitsubishi

    Rückrufquote: 364 Prozent

    Rückrufmenge: 0,28 Millionen Fahrzeuge

  • Toyota

    Rückrufquote: 253 Prozent

    Rückrufmenge: 6,0 Millionen Fahrzeuge

  • Mazda

    Rückrufquote: 230 Prozent

    Rückrufmenge: 0,7 Millionen Fahrzeuge

  • BMW

    Rückrufquote: 227 Prozent

    Rückrufmenge: 0,90 Millionen Fahrzeuge

  • Ford

    Rückrufquote: 195 Prozent

    Rückrufmenge: 4,83 Millionen Fahrzeuge

  • VW

    Rückrufquote: 161 Prozent

    Rückrufmenge: 0,97 Millionen Fahrzeuge

  • Tesla

    Rückrufquote: 156 Prozent

    Rückrufmenge: 0,029 Millionen Fahrzeuge

  • Land Rover

    Rückrufquote: 126 Prozent

    Rückrufmenge: 0,09 Millionen Fahrzeuge

  • Daimler

    Rückrufquote: 76 Prozent

    Rückrufmenge: 0,28 Millionen Fahrzeuge

  • Volvo

    Rückrufquote: 0 Prozent

    Rückrufmenge: 0,0 Millionen Fahrzeuge

Einige Hersteller fallen in der Studie allerdings auch positiv auf. Daimler und Volkswagen liegen mit Rückrufquoten von 43 Prozent unter dem Durchschnitt. VW musste zwar über eine halbe Millionen Autos in die Werkstätten beordern, die hohen Verkaufszahlen des Marktführers drücken die Rückrufquote wieder.

Glimpflich kamen Renault-Nissan (32 Prozent), Fiat (22 Prozent) und Volvo (15 Prozent) davon. Richtig glänzen konnte aber nur der PSA-Konzern mit Peugeot und Citroën: Die Franzosen mussten weniger als ein Prozent ihrer verkauften Fahrzeuge zurückrufen.

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