Rückrufwelle: Warum deutsche Autos besser sind

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Rückrufwelle: Warum deutsche Autos besser sind

von Rebecca Eisert

Die neue Rückrufwelle bei General Motors zeigt: Kein Autohersteller ist vor Rückrufen sicher. Dennoch scheinen deutsche Autobauer ihre Qualität besser sichern zu können.

Beim stolzen Preis von rund 140.000 Euro sollten Autobesitzer eigentlich davon ausgehen dürfen, dass der Motor schnurrt. Auf keinen Fall sollten sie damit rechnen müssen, dass er in Flammen aufgeht. Doch genau das passierte zwei Porsche-Fahrern. Ausgerechnet die noble Sportwagenschmiede musste im März alle 785 ausgelieferten Porsche 911 GT3-Modelle zurückrufen und die Auslieferungen weiterer Autos stoppen. Zwei Fahrzeuge in der Schweiz und Italien waren ausgebrannt. Ursache für die Brände war eine gelöste Verschraubung an einem Motorteil.

Das Beispiel zeigt: Kein Autohersteller ist vor Fehlern und Rückrufen sicher. Der Preis entscheidet nicht zwingend über die Sicherheit.

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Rückrufe in Deutschland

  • Anzahl der Rückrufe 2013

    Das Bundesverkehrsministerium verzeichnet für das Jahr 2013 in Deutschland 612.000 zurückgerufene Fahrzeuge. Insgesamt 180 Rückrufaktionen zählte das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA). Das bedeutet einen leichten Anstieg im Vergleich zum Vorjahr. Trotz der gestiegenen Anzahl an möglichen Defekten waren weniger Fahrzeughalter von den Rückrufen der Hersteller betroffen. Die Zahl der als "besonders schwer" eingestuften Mängel lag 2013 mit 58 Prozent in etwa auf demselben Stand wie noch im Vorjahr. Bei insgesamt 105 der 180 Rückrufaktionen sah sich das KBA aufgrund der Schwere der Mängel gezwungen, den Ablauf der Aktion zu überwachen.

  • Anzahl der Rückrufe in Deutschland 2014

    In den ersten drei Monaten 2014 wurden in Deutschland 312.000 Autos wegen erheblicher Sicherheitsmängel zurückgerufen. Zu den Defekten gehörten u.a. gebrochene Gaspedale, defekte Airbags oder Sicherheitsgurte. Das geht aus einer Anfrage der Grünen ans Bundesverkehrsministerium hervor.

  • Rückrufe bei VW, Kia, LandRover

    Laut Ministerium hat VW im ersten Quartal 2014 genau 273.559 Autos in die Werkstätten zitiert. Grund waren Fehler an der Heckklappe beim Modell Caddy. Die Heckklappe konnte wegen eines defekten Kugelbolzen unvorhergesehen zufallen.
    Der koreanische Hersteller Kia beorderte 9209 Autos in die Werkstätten. Die Gurtstraffer waren fehlerhaft.
    Die britische Geländewagen-Marke LandRover rief 7208 Modelle zurück, weil defekte Batterieleitungen Fahrzeugbrände hätten auslösen können.

  • Aktuelle Informationen zur Rückrufen

    Der ADAC führt eine Liste der Fahrzeuge, die aktuell von den Hersteller in die Werkstätten beordert werden: Infos unter adac.de

Klar ist aber auch: Die aktuellen Entwicklungen in den USA verleihen dem Thema Rückrufe eine neue Dimension. Seit Jahresbeginn musste der US-Hersteller General Motors fast 20 Millionen Fahrzeuge in mehr als 40 verschiedenen Aktionen zurückrufen. Über 31 Millionen Autos waren es in den USA bisher und damit mehr als im bisherigen Negativ-Rekordjahr 2004.

Stefan Bratzel, Leiter des deutschen Center of Automotive Management, geht davon aus, dass 2014 "das Jahr mit den meisten Rückrufen global" werden wird. Die Rückrufwelle könnte also noch eine ganze Zeit weiterrollen. "Zumindest für die derzeitige Fahrzeugpopulation kann man keine Entwarnung geben", erklärt Horst Wildemann, Professor am Forschungsinstitut für Unternehmensführung, Logistik und Produktion an der Technischen Universität München. Die offenbar störungsanfälligen Autos "von gestern und vorgestern" könnten für ihre Besitzer nicht nur zum Ärgernis, sondern auch für die Gebrauchtwagen-Händler zum Problem werden.

Klage wegen Wertminderung

Eine amerikanische Kanzlei hat GM auf zehn Milliarden Dollar Schadenersatz verklagt. Die vielen Rückrufe führten zu einem Wertverfall der Marke, die Gebrauchtwagen lassen sich nur noch mit Rabatten losschlagen, so die Argumentation der Kläger. In Deutschland hält man einen solche Klage für abwegig. Von der Prüfgesellschaft Dekra, deren jährlicher Report die Zuverlässigkeit von Gebrauchtwagen ausweist, heißt es: "Unseren Experten ist kein solcher Zusammenhang bekannt." Die Restwerte bestimmten sich vielmehr nach Beliebtheit der Farbe, Anzahl der Reparaturen oder auch Region, in der das Auto zum Kauf angeboten wird.

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Hyundai-Kia ist in der Auswertung des CAM Center of Automotive Management mit einer Rückrufquote von 263 Prozent bezogen auf die Neuwagenzulassungen Spitzenreiter. Platz belegt BMW. Volkswagen liegt trotz einer leichten Steigerung der Quote unter dem Durchschnitt. Daimler weist in der Untersuchung den Bestwert aus.

Doch Rückrufe könne auch deutsche Kunden treffen. BWM musste prüfen, ob die defekten Airbags des japanischen Zulieferers Takata für die hauseigenen Modelle zum Problem werden könnten. Produktionen rund um den Globus stellen alle Hersteller vor dieselbe Herausforderung: Wie schafft man es, definierte Qualitätsstandards überall auf der Welt einzuhalten? Trotz verschiedener Sprachen, unterschiedlicher lokaler Fertigung, unterschiedlicher Zulieferer, unterschiedlichem Umgang mit Fehlern? Und trotz einer immer größeren Anzahl verschiedener Varianten und Modelle?

Zahl der Rückrufe wird eher abnehmen

Eine Lösung wäre der Einsatz von immer mehr gleichen Teilen für möglichst viele unterschiedliche Modelle. Doch diese Baukästen- oder Modul-Strategie ist Fluch und Segen zu gleich. Sind die Baukästen ausgereift, kann der Hersteller damit dieselbe Qualität in unzähligen Varianten sicherstellen und hat gleichzeitig die Kosten im Griff. Schleicht sich jedoch ein Fehler ein, sind millionenfache Rückrufe die Folge. Eine Alternative dazu ist nicht in Sicht. "Auf Baukästen zu verzichten, ist keine Option", erklärt Thomas Schlick, Partner bei der Strategieberatung Roland Berger und ehemaliger Geschäftsführer im Verband der Automobilindustrie VDA, wo er unter anderem für die Themen Sicherheit und Qualitätsmanagement verantwortlich war. "Ohne eine Gleiche-Teile-Strategie haben die Hersteller überhaupt keine Chance wettbewerbsfähig zu sein."

Müssen sich die Konzerne - und ihre Kunden - also schlicht dem Schicksal ergeben? Mehr Baukästen gleich mehr Rückrufe? "Nein", sagen sowohl Wildemann als auch Schlick. Beide gegen davon aus, dass die Zahl der Rückrufe in den kommenden Jahren eher zurückgehen als zunehmen wird - vor allem bei den deutschen Herstellern.

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