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Rücktritt ADAC-Präsident: Publikumspreis jahrelang manipuliert

10. Februar 2014, aktualisiert 10. Februar 2014, 17:42 Uhr

ADAC-Präsident Peter Meyer ist zurückgetreten - damit ist er einer Amtsenthebung zuvorgekommen. Jetzt werden weitere Skandale öffentlich: Der Publikumspreis "Gelbe Engel" wurde jahrelang manipuliert. Die Autohersteller reagieren.

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Meyer, der seit Wochen auch persönlich unter Dauerbeschuss steht, blieb nun nichts weiter übrig als der Rücktritt. „Angesichts der aktuellen Vertrauenskrise des ADAC und der erschütternden Ergebnisse der aktuellen Krisenaufarbeitung hat das Präsidium des ADAC am Montagvormittag ein Suspendierungsverfahren gegen Peter Meyer beschlossen“, teilte der Club mit. Dem Ausgang des Suspendierungsverfahrens kam Meyer zuvor – indem der 64-Jährige selbst sein Amt aufgab. Meyer, seit Mai 2001 im Amt, war in seiner Funktion als ADAC-Präsident schon aufgrund der Satzung in besonderem Maße für Kommunikation und Außenwirkung verantwortlich.

Die „erschütternden Ergebnisse“ der Aufarbeitung, damit ist die Untersuchung der Wirtschaftsprüfer von Deloitte gemeint. Sie haben die Wahlen zum „Gelben Engel“ untersucht, den Preis im Zentrum der Manipulationsvorwürfe. Ex-Kommunikationschef Michael Ramstetter hatte bereits sein Amt zur Verfügung gestellt. Mitwisser soll er, so die bisherige Darstellung, nicht gehabt haben. Am Nachmittag wurden erste Ergebnisse von Deloitte vorgestellt: So bestätigten die Wirtschaftsprüfer, dass der ADAC bei der Wahl zum "Lieblingsauto 2014" nicht nur bei der Stimmzahl, sondern auch bei der Rangfolge getrickst haben. Manche Autos sollen um einige Rangplätze nach oben gehoben worden sein, andere nach unten.

In der Presseerklärung zu dem Bericht der Wirtschaftsprüfer geht der Vorsitzende der ADAC-Geschäftsführung auf Distanz: „Die Manipulationen bei der Leserwahl zum ‚Lieblingsauto 2014‘ sind ein schwerer Schlag für den gesamten ADAC. Wir sind fassungslos, dass dies in unserem Haus passieren konnte“, sagt Dr. Karl Obermair. Ein wenig zu viel Überraschung und Bestürzung vielleicht für jemanden, der auf der Preisverleihung noch über die Journalisten wetterte, die die Manipulationen aufgedeckt hatten.

ADAC in Aufruhr

Den Automobilclub treffen die Entwicklungen tief. „Hier überschlagen sich die Ereignisse“, hieß es aus der Münchner Zentrale. Der Westfale Meyer, obwohl manchmal ein bisschen sperrig, bisweilen stur, galt im ADAC doch als jemand, auf dessen Wort Verlass ist. Noch am Wochenende hatte er einen Rücktritt im Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung ausgeschlossen. „Ausbüxen ist aus meiner Sicht das falsche Signal: Weiter kämpfen für die gute Sache, darin sehe ich jetzt meine Pflicht“, sagte Meyer auf die Frage, ob er sich vorstellen könne, sein Amt zur Verfügung zu stellen. Nur einen Tag nach Veröffentlichung des Interviews war es dann doch so weit.

Vorige Woche hat der ADAC seinen offizielle Zehn-Punkte-Programm verkündet. Wie die WirtschaftsWoche aus gut unterrichteten Kreisen erfahren hat, soll Meyer nicht hinter dem verabschiedeten Plan gestanden haben. Damit sei er als Führungsfigur für den Wandel im ADAC nicht mehr vermittelbar gewesen.

Wie es in München weiter gehen soll, wissen nicht einmal die Mitarbeiter selbst genau. Erst einmal übernimmt der bisherige Vizepräsident und August Markl (65) Meyers Amt kommissarisch. Ein Nachfolger soll auf der nächsten ordentlichen Hauptversammlung im Mai gewählt werden.

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Kommentar | 1Alle Kommentare
  • 10.02.2014, 17:05 Uhrmathias

    BMW muss gerade den Mund aufmachen.

    Wenn ein Hersteller Fahrzeuge als Reklame quer durch (Letzte)
    Serien im TV bereitstellt.
    In Obertauern u.a. riesen Reklamespektakel veranstaltet, einem
    Moderator Tourenfahrzeug zum Vergnügen bereitstellt

    Und der zahlende Kunde auf Mängel sitzenbleibt, trotz Preisabzocke

    dann kann mit dem Hersteller etwas nicht stimmen.

    Zumal als BMW-Fahrer habe ich keine "freude am Fahren"
    meiner steht ewig in der Werkstatt. Zuletzt drei Monate.
    BMW will nicht mal Nutzungsausfall zahlen.

    Dafür 5 Seiten Reklame in der ADAC.

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