Russischer Automarkt: VW schraubt Pkw-Produktion in Russland zurück

Russischer Automarkt: VW schraubt Pkw-Produktion in Russland zurück

Volkswagen fährt einem Zeitungsbericht zufolge wegen der Schwäche des Rubels und der Auswirkungen der Ukraine-Krise seine Produktion in Russland zurück. Ab heute ruht die Produktion in Kaluga für zehn Tage.

Im Werk in Kaluga sollen 2014 nur noch 120.000 Fahrzeuge statt der ursprünglich geplanten 150.000 vom Band rollen, wie die Branchen- und Wirtschaftszeitung "Automobilwoche" am Sonntag vorab berichtet. In dem Werk rund 200 Kilometer südwestlich von Moskau werden die Modelle Polo, Tiguan, Skoda Fabia und Octavia gebaut. Der Absatz der Wolfsburger in Russland schrumpfte bis Ende Juli um zehn Prozent, die Auslieferungen aller deutschen Hersteller waren in den ersten sieben Monaten 2014 um 14 Prozent zurückgegangen. Ein VW-Sprecher wollte den Bericht nicht kommentieren. Er betonte jedoch, dass die Produktion im Werk Kaluga ab Montag für zehn Tage ruhen wird.

Besonders hart trifft es in Russland die Opel-Group, zu der dort seit kurzem auch Chevrolet gehört. Bis Ende Juli verlor die Marke Opel dem Bericht zufolge 17 Prozent, Chevrolet 23 Prozent. "Die Lage in Russland ist zweifellos besorgniserregend. Der Markt ist in den vergangenen Monaten stark geschrumpft und die Ukraine-Krise schürt zusätzliche Unsicherheit", sagte Gruppen-Vertriebschef Peter Christian Küspert.

Die stärksten Marken auf Russlands Automarkt

  • Lada

    Mit 456.309 verkauften Fahrzeugen ist Lada die stärkste Marke auf dem russischen Markt mit einem Anteil von über 20 Prozent. Die Marke des Herstellers AvtoVaz verliert allerdings seit Jahren an Bedeutung. Im Vergleich zu 2012 wurden 2013 gut 15 Prozent weniger Ladas verkauft.

  • Renault

    Renault-Nissan hält über direkte und indirekte Beteiligungen fast 50 Prozent an Russlands größtem Autobauer AvtoVaz (Lada). Renault verkaufte im vergangenen Jahr 210.099 Modelle in Russland (+11%) und ist damit mit einem Marktanteil von gut 8 Prozent die zweitstärkste Marke. Durch seine enge Verflechtung mit dem Lada-Hersteller hat Renault einen sehr hohen Anteil von lokalen Zulieferern. Die so genannte Sourcing-Quote liegt bei 80 Prozent.

  • Kia

    Die Koreaner haben derzeit rund 7 Prozent Marktanteil mit 198.018 verkauften Modellen. Sechs Prozent mehr als im Vorjahr.

  • Hyundai

    Die Schwester-Marke von Kia kann sich ebenfalls gut behaupten. Sie verkaufte 1881.153 Autos in Russland – vier Prozent mehr als 2012.

  • Chevrolet

    Auch die Amerikaner machen in Russland gute Geschäfte - noch. Die Schwester-Marke von Opel verkaufte 2013 genau 174.649 Autos. 15 Prozent weniger als 2012. Mutterkonzern General-Motors hat entschieden, dass Chevrolet in Europa nur noch bis 2016 verkauft wird, dann soll Opel die Märkte übernehmen.

Der russische Pkw-Markt ist fast so groß wie der deutsche und galt lange Zeit als Hoffnungsträger in Europa, wo Länder mit kräftigen Zuwächsen rar sind. Ausländische Autobauer haben seit Mitte des vergangenen Jahrzehnts rund fünf Milliarden Dollar in den Aufbau lokaler Fertigungsstrukturen investiert. Allein VW steckte zwischen 2006 und 2013 nach eigenen Angaben rund 1,3 Milliarden Euro in die lokale Produktion und in neue Modelle für Russland; bis 2018 sollen weitere 1,2 Milliarden dazukommen, vor allem für ein neues Motorenwerk in Kaluga.

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Amerika hat oberste Priorität
Automobilexperte Stefan Bratzel schließt eine Verschärfung der Lage nicht aus. "Viele der von uns befragten mittelständischen Zulieferer wollen nicht mehr wie geplant in Russland investieren", sagte Bratzel, Leiter des Center of Automotive Management in Bergisch Gladbach, der Zeitung. "Es besteht die Gefahr, dass sich das Lieferantennetzwerk dort nicht mehr weiterentwickelt. Die Idee, dort eine Autoindustrie aufzubauen, wird in den nächsten Jahren nicht umsetzbar sein."

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Unterdessen will Volkswagen in Amerika mit zwei neuen Modellen und sieben Milliarden Dollar Investitionen bis 2018 wieder angreifen. "Amerika hat bei VW im Augenblick die oberste Priorität", sagte der neue VW-USA-Chef Michael Horn der "Automobilwoche". 2018 wollen die Wolfsburger in den USA 800.000 Fahrzeuge verkaufen, in den ersten sieben Monaten dieses Jahres waren es nur 207.900. Mit zwei neuen Baureihen, die jeweils größer und trotzdem günstiger als Tiguan und Touareg sein sollen, solle der Absatz angekurbelt werden.

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