Russland-Krise: Opel stoppt Produktion in Russland

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Russland-Krise: Opel stoppt Produktion in Russland

, aktualisiert 30. Januar 2015, 13:29 Uhr
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Bei Opel-Russland ist die Produktion gestoppt.

Aufgrund der Absatzkrise in Russland stoppt Opel die Produktion im Werk in St. Petersburg. Betroffen sind 1000 Mitarbeiter. Auch VW und Ford leiden unter den Folgen der Ukraine-Krise.

Die Folgen der Ukraine-Krise und der Sanktionen des Westens machen den Autobauern in Russland immer stärker zu schaffen. Die Opel-Mutter General Motors legt für zwei Monate die Produktion in dem Land still, weil der Absatz dort rasant schrumpft und die schwache Landeswährung Rubel die Erlöse schmälert. GM hält daher die Bänder im Werk in St. Petersburg von Mitte März bis Mitte Mai an und schickt etwa 1000 Mitarbeiter vorübergehend nach Hause, wie ein Sprecher am Freitag sagte. Zudem erhöht der US-Konzern die Preise.

Auch der US-Rivale Ford und Volkswagen leiden unter der nachlassenden Nachfrage in dem riesigen Schwellenland und können ihre Fabriken dort kaum auslasten. Die Rubel-Abwertung kostete VW nach Betriebsratsangaben im abgelaufenen Jahr einen dreistelligen Millionenbetrag in Euro. Über die genaue Höhe machte Betriebsratschef Bernd Osterloh keine Angaben. Er fügte lediglich hinzu, dass VW keine Verluste verbuchte habe. Volkswagen hatte im vergangenen Jahr die Produktion in seinem Werk in Kaluga südwestlich von Moskau für mehrere Tage ruhen zu lassen.

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Die wirtschaftliche Bedeutung der Ukraine

  • Rohstoffe

    Das flächenmäßig nach Russland größte europäische Land besitzt jede Menge davon: Eisenerz, Kohle, Mangan, Erdgas und Öl, aber auch Graphit, Titan, Magnesium, Nickel und Quecksilber. Von Bedeutung ist auch die Landwirtschaft, die mehr zum Bruttoinlandsprodukt beiträgt als Finanzindustrie und Bauwirtschaft zusammen. Etwa 30 Prozent der fruchtbaren Schwarzerdeböden der Welt befinden sich in der Ukraine, die zu den größten Weizenexporteuren gehört. In der Tierzucht spielt das Land ebenfalls eine führende Rolle.

  • Wirtschaftskraft

    Sie ist gering. Das Bruttoinlandsprodukt liegt umgerechnet bei etwa 130 Milliarden Euro, in Deutschland sind es mehr als 2700 Milliarden Euro. Das Pro-Kopf-Einkommen beträgt nicht einmal 3900 Dollar im Jahr. Wuchs die Wirtschaft 2010 um 4,1 und 2011 um 5,2 Prozent, waren es 2012 noch 0,2 Prozent. 2013 dürfte es nur zu einem Plus von 0,4 Prozent gereicht haben.

  • Außenhandel

    Exportschlager sind Eisen und Stahl, gefolgt von Nahrungsmitteln, Rohstoffen und chemischen Produkten. Wichtigstes Importgut ist Gas. Auch Erdöl muss eingeführt werden. Die Ukraine könnte aber vom Energie-Importeur zum -Exporteur werden, weil sie große Schiefergasvorkommen besitzt.

  • Industrie

    Sie ist von der Schwerindustrie geprägt, besonders von der Stahlindustrie, dem Lokomotiv- und Maschinenbau. Ein Grund ist, dass die Sowjetunion einen Großteil der Rüstungsproduktion in ihrer Teilrepublik Ukraine angesiedelt hatte. Eine Westorientierung und die Übernahme von EU-Rechtsnormen könnte das Land zunehmend zum Produktionsstandort für westliche Firmen machen.

  • Wirtschaftsbeziehungen zu Deutschland

    Deutschland ist einer der wichtigsten Handelspartner der Ukraine. Gemessen an der Größe des Landes ist das deutsche Handelsvolumen aber unterdurchschnittlich. Zu den wichtigsten deutschen Exportgütern zählen Maschinen, Fahrzeuge, Pharmaprodukte und elektrotechnische Erzeugnisse. Wichtigste ukrainische Ausfuhrgüter sind Textilien, Metalle und Chemieprodukte. Nach Angaben des Ostausschusses der Deutschen Wirtschaft sind knapp 400 deutsche Unternehmen in der Ukraine vertreten. Bei den Direktinvestitionen liegt Deutschland auf Platz zwei hinter Zypern.

    Chancen ergeben sich für die deutsche Wirtschaft vor allem im ukrainischen Maschinen- und Anlagenbau. Zudem ist die frühere Sowjetrepublik mit ihren rund 45 Millionen Einwohnern ein potenziell wichtiger Absatzmarkt für Fahrzeuge. Korruption und hohe Verwaltungshürden stehen Investitionen indes im Wege.

  • Wirtschaftsbeziehungen zur EU

    Rund ein Drittel der ukrainischen Exporte fließt in die EU. Eine engere wirtschaftliche Verknüpfung durch ein Handels- und Assoziierungsabkommen liegt auf Eis, nachdem Präsident Viktor Janukowitsch auf russischen Druck seine Unterschrift verweigerte. Für die EU ist die Ukraine für die Versorgung mit Erdgas von Bedeutung. Rund ein Viertel ihres Gases bezieht die EU aus Russland, die Hälfte davon fließt durch die Ukraine.

  • Wirtschaftsbeziehungen zu Russland

    Mit Abstand wichtigster Handelspartner der Ukraine ist Russland. Ein Drittel der Importe stammt aus dem Nachbarland, ein Viertel der Exporte gehen dorthin. Der Regierung in Moskau ist eine Orientierung der Ukraine nach Westen ein Dorn im Auge. Stattdessen drängt sie das Land zum Beitritt zur Zollunion mit Kasachstan und Weißrussland.
    Streit flammt zwischen beiden Ländern immer wieder über Gaslieferungen auf. Die Ukraine importiert fast ihr gesamtes Gas aus Russland, muss dafür aber einen für die Region beispiellos hohen Preis zahlen. Der Konflikt über Preise und Transitgebühren hat in der Vergangenheit zu Lieferunterbrechungen geführt, die auch die Gasversorgung Europas infrage stellten.

Ford hat wegen der schwachen Konjunktur in Russland seine Prognose für das Europageschäft im laufenden Jahr gesenkt. Dem GM-Rivalen macht ein starker Umsatzrückgang auf dem wichtigen russischen Markt Sorgen. Im vergangenen Jahr lag Russland mit 2,5 Millionen Pkw-Neuzulassung weltweit auf Rang sieben hinter Indien. Zum Vergleich: In Deutschland wurden 2014 etwas mehr drei Millionen Wagen zu registriert, das bedeutet Rang fünf.

GM am stärksten von Krise getroffen

Am stärksten ist General Motors von der Krise betroffen. Die Tochter Opel hat bereits im vergangenen Jahr die Produktion in Russland zurückgefahren und die Bänder vorübergehend gestoppt. Im September hatte GM damit begonnen, etwa ein Viertel der knapp 2000 Beschäftigten im Werk St. Petersburg abzubauen. Der Absatz der GM-Marken Opel, Chevrolet und Cadillac brach Verbandsangaben zufolge um 26 Prozent auf 258.000 Fahrzeuge ein.

Allein bei Opel belief sich der Rückgang laut der GM-Tochter auf mehr als ein Fünftel. Über alle Hersteller hinweg sackten die Verkäufe nach Branchenangaben um 10,3 Prozent ab. Für das laufende Jahr rechnet der Verband der Europäischen Wirtschaft in Russland (AEB) beim Pkw-Absatz mit einem Minus von 24 Prozent - eine Prognose, die viele Hersteller noch für optimistisch halten.

GM hatte die Aktivitäten in Russland erst unlängst Opel zugeschlagen, um das defizitäre Europa-Geschäft zu stärken. Damals war man davon ausgegangen, das Russland demnächst Deutschland als größten europäischen Pkw-Markt ablösen wird. Erfüllt hat sich die Prognose bisher nicht. Derzeit sind viele Verbraucher in dem Land wegen der Sanktionen des Westens und es Streits mit der Ukraine verunsichert.

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