Schließung Opel-Werk: Opelaner haben zu hoch gepokert

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KommentarSchließung Opel-Werk: Opelaner haben zu hoch gepokert

von Martin Seiwert

Anders als heute vom Bochumer Opel-Betriebsrat behauptet, gibt es keine Verhandlungen mehr über die Zukunft des dortigen Werkes. Ende 2014 ist Schluss. Die Bochumer haben zu hoch gepokert und sind dabei, auch noch den Rückhalt im Unternehmen, in Politik und Gesellschaft zu verspielen.

Die Opelaner in Bochum haben alles auf eine Karte gesetzt. Statt den Kompromissvorschlag von IG Metall und Opel-Leitung anzunehmen, blieben sie bei ihrer Maximalforderung. Dumm nur, dass  der Opel-Mutter GM in Detroit jetzt endgültig der Geduldsfaden gerissen ist. Am Nachmittag gab das Unternehmen bekannt, dass es definitiv keine weiteren Verhandlungen über Bochum mehr geben wird. Das Werk wird am 1. Januar 2015 weitgehend dicht gemacht, die Getriebeproduktion endet schon 2014.

Was die Bochumer bei ihrem Alles-oder-Nichts-Roulette wohl nicht bedacht haben: Auch den Kollegen an anderen Standorten, den Opel-Kunden, den Gewerkschaftern und Opel-Händlern, der Politik und den Medien könnte der Geduldsfaden reißen. Viele haben Verständnis dafür, dass die Mitarbeiter hart um ihre Jobs kämpfen, dass sie Fairness und Absicherung einfordern. Klar ist aber auch: Es gibt zu viele Autowerke in Europa, zu viele Autohersteller, die sich mit Rekordrabatten das Leben schwer machen. Und Opel hat definitiv zu viele Schwächen, um dieses wilde Kampfgetümmel ohne Mannverlust zu überstehen.

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Nach Sparplan-Ablehnung GM lässt Bochumer Opel-Betriebsrat auflaufen

Nachdem die Sparpläne abgelehnt wurden, ist die Ansage aus Detroit klar: Keine Verhandlungen. Damit dürfte das Opel-Werk in Bochum schon 2014 geschlossen werden. Der Betriebsrat will weiter kämpfen.

Prinzip Hoffnung: Die Belegschaft will weiter für den Fortbestand des Opel-Werks Bochum kämpfen. Quelle: Reuters

Zudem haben die Bochumer Opelaner im regionalen Vergleich seit Jahrzehnten vergleichsweise gute Löhne bekommen und haben mit ihrem Hintergrund in der Autoindustrie gute Chancen, wenn sie sich in zwei Jahren auf Jobsuche begeben müssen. Am besten sind die Chancen, wenn sie bereit sind umzuziehen: In Baden-Württemberg und Bayern etwa zahlen Autobauer und Zulieferer bares Geld für Hinweise, wo sie veränderungswillige Mitarbeiter finden – so groß ist dort der Mangel an Fachkräften. Davon können Mitarbeiter anderer Branchen nur träumen.

Die IG Metall hatte eine Möglichkeit ausgehandelt, bei der die Bochumer überwiegend noch bis 2016 in Lohn und Brot geblieben wären. Wenn die Bochumer diese Lösung der eigenen Gewerkschaft als Verrat betrachten, überspannen sie den Bogen. Mit ihrer Entscheidung gegen die IG-Metall-Lösung  haben sich die Bochumer Opelaner isoliert und sind dabei, den Rückhalt in Gesellschaft und Politik zu verspielen.

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Noch überzeugt Opel rund eine Million Autokäufer pro Jahr von seinen Produkten. Noch hat die Marke Millionen Freunde in Europa. Sie freuen sich, dass die Tester der Autopresse neuerdings wieder positive Schlagzeilen über Opel produzieren. Der kleine Opel Adam und der Geländewagen Mokka heimsen Preise ein und verkaufen sich gut, das neue Cabrio Cascada wird in den höchsten Tönen gelobt und führt Opel zurück zur alten Stärke: Schicke Autos, die anderswo mehr kosten.

So etwas wollen die verbliebenen Freunde der Marke Opel lesen. Und keine Kriegsberichte aus Bochum. Die Bochumer sind auf dem besten Weg dazu, dass ihnen niemand mehr zuhört.

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