Schummel-Motoren bei VW und Audi: Was Autofahrer jetzt wissen müssen

Schummel-Motoren bei VW und Audi: Was Autofahrer jetzt wissen müssen

, aktualisiert 29. September 2015, 16:33 Uhr
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Was VWs Schummel-Motoren für Verbraucher bedeuten.

von Susanne Kutter und Stephan Happel

Von den Abgas-Manipulationen bei VW sind allein in Deutschland 2,8 Millionen Fahrzeuge betroffen. Mindestens. Was Autofahrer jetzt wissen müssen.

Welche Autos sind in Deutschland betroffen?

Viele deutsche Autofahrer sitzen in einem Wagen, in dessen Motor die Manipulationssoftware installiert ist. Bundesverkehrsminister Dobrindt geht von mindestens 2,8 Millionen betroffenen Fahrzeuge der 1,6- und 2-Liter-Diesel-Klasse aus. Möglicherweise sind auch 1,2-Liter-Fahrzeuge und leichte Nutzfahrzeuge betroffen.

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Damit ist zwar noch nicht bewiesen, dass die Software in Deutschland auch aktiviert wurde. Klar ist aber, dass sie in den USA eingesetzt wurde, um bei den strengeren Abgastests zu betrügen.

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Auf das Dieselgate folgt der Winterkorn-Rücktritt: Wie das System Volkswagen über Jahre funktionierte, welche Rolle die USA spielen und wie Deutschlands größter Autobauer sich neu erfinden muss.

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Um welche Modelle geht es?

VW hat eine versprochene Liste der Autos noch immer nicht veröffentlicht. Der Motor mit der Schummel-Software hat die Bezeichnung “EA 189” und ist weltweit in 11 Millionen Fahrzeugen verbaut. Dazu zählen neben unterschiedlichen VW-Modellen aus mehreren Baujahren (darunter wohl Golf VI, Passat VII, Tiguan I und Jetta) auch viele Modelle der Tochtermarken. Innerhalb des Konzerns teilen sich die Unternehmen nämlich etliche Bauteile, darunter Motoren und Getriebe.

Audi hat den Motor in den Ausführungen von A1, A3, A4, A6 verbaut. Allein in Deutschland sind deshalb 577.000 Audis betroffen - weltweit 2,1 Millionen. Betroffen sind auch rund 700.000 Fahrzeuge der Marke Seat. Und ein Sprecher von Skoda bestätigte, Modelle der Reihen Fabia, Roomster, Octavia und Superb aus den Jahren 2009 bis 2013 seien teilweise mit den betroffenen Motoren ausgerüstet worden. Audi hat als erste der VW-Konzernmarken eine Website eingerichtet, über die sich die Kunden schnell darüber informieren können, ob ihr Auto "infolge von Unregelmäßigkeiten mit der verwendeten Software betroffen ist". Dazu müssen die Audi-Kunden die Fahrgestellnummer ihres Autos eingeben. Vorerst wird der Service nur in Deutschland angeboten, im Laufe der kommenden Woche soll die Funktion laut einem Unternehmenssprecher auch weltweit über die nationalen Audi-Websites zur Verfügung gestellt werden.

Entwarnung gibt der Konzern für alle VW-Neuwagen, die die Abgasnorm Euro 6 erfüllen. Sie sind nicht betroffen.

Der VW-Abgas-Skandal im Überblick

  • 18. September

    Die US-Umweltbehörde EPA teilt in Washington mit, Volkswagen habe eine spezielle Software eingesetzt, um die Messung des Schadstoffausstoßes bei Abgastests zu manipulieren. In den Tagen darauf wird klar, dass weltweit Fahrzeuge von VW und der Töchter betroffen sind – darunter auch Audi und Porsche. Die VW-Aktie bricht ein.  

  • 23. September

    VW-Chef Martin Winterkorn tritt nach einer Krisensitzung der obersten Aufseher zurück. Die Staatsanwaltschaft Braunschweig prüft die Einleitung eines Ermittlungsverfahrens gegen VW. Anlass dafür seien auch eingegangene Strafanzeigen von Bürgern, heißt es.

  • 24. September

    Der VW-Aufsichtsrat tagt. Nach langer Sitzung beruft das Gremium Porsche-Chef Matthias Müller zum neuen Konzernchef und trifft einige weitere Personal- und Strukturentscheidungen. Verantwortliche Motorenentwickler werden beurlaubt.

  • 28. September

    Nach mehreren Strafanzeigen startet die Braunschweiger Staatsanwaltschaft ein Ermittlungsverfahren wegen Betrugsvorwürfen. Entgegen einer ersten Pressemitteilung der Staatsanwaltschaft Braunschweig gibt es keine Ermittlungen gegen Ex-Chef Martin Winterkorn persönlich.

  • 1. Oktober

    Das Aufsichtsrats-Präsidium beschließt, Hans Dieter Pötsch per registergerichtlichen Anordnung in den Aufsichtsrat zu berufen. Das ist möglich, weil mehr als 25 Prozent der Aktionäre Pötsch favorisiert haben. Die Familien Porsche und Piëch, die Pötsch gegen die Bedenken des Landes Niedersachsens und der Arbeitnehmer durchgesetzt haben, halten über die Porsche SE rund 52 Prozent der VW-Anteile. Julia Kuhn-Piëch, die erst dieses Jahr nach dem Rücktritt von Ferdinand und Ursula Piëch in das Kontrollgremium aufgerückt war, verlässt den Aufsichtsrat wieder.

  • 6. Oktober

    Es ist klar, dass die betroffenen VW-Fahrzeuge in die Werkstatt müssen, damit die Schummel-Software verschwindet. Bei einigen Motorenwerden die Techniker selbst Hand anlegen müssen. Eine Rückruf-Aktion, so wird es am nächsten Tag bekannt werden, soll 2016 starten. Die geschäftlichen und finanziellen Folgender Krise sind nicht absehbar. Die Kosten der Abgas-Affäre werden jedoch enorm sein. Der neue Chef muss sparen: "Deshalbstellen wir jetzt alle geplantenInvestitionen nochmal auf denPrüfstand", kündigt Müller an.

  • 15. Oktober

    Das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) ordnet einen verpflichtenden Rückruf aller VW-Dieselautos mit der Betrugssoftware an. In ganz Europa müssen 8,5 Millionen, in Deutschland 2,4 Millionen Wagen in die Werkstatt. VW hatte eine freiwillige Lösung angestrebt.

  • 28. Oktober

    Der Skandal beschert dem Konzern im dritten Quartal einen Milliardenverlust. Vor Zinsen und Steuern beläuft sich das Minus auf rund 3,5 Milliarden Euro.

  • 3. November

    Der Skandal erreicht eine neue Dimension. VW muss - nach weiteren Ermittlungen der US-Behörden - einräumen, dass es auch Unregelmäßigkeiten beim Kohlendioxid-Ausstoß (CO2) gibt. Rund 800.000 Fahrzeuge könnten betroffen sein. Die VW-Aktie geht erneut auf Talfahrt.

  • 20. November

    Der Diesel-Skandal in den USA weitet sich aus. Erneut. Es seien mehr Drei-Liter-Diesel der Marken Volkswagen und Audi betroffen, als bislang angenommen, erklärt die US-Umweltbehörde EPA. Die Autobauer bestreiten dies zunächst. Wenige Tage später, am 24. November, müssen sie allerdings  einräumen, ein sogenanntes „Defeat Device“ nicht offengelegt zu haben. Die Software gilt in den USA als illegal.

    Die Auswirkungen des Skandal zwingen VW zudem zum Sparen: VW fährt die Investitionen für das kommende Jahr runter. 2016 sollen die Sachinvestitionen um eine Milliarde Euro verringert werden. „Wir fahren in den kommenden Monaten auf Sicht“, sagt VW-Chef Müller. Weitere Ausgaben bleiben auf dem Prüfstand.

  • 24. November

    Neuer Ärger für Volkswagen: Die Staatsanwaltschaft Braunschweig ermittelt nun auch wegen mögliche Steuerhinterziehung im Zusammenhang mit falschen CO2-Angaben. Die könnten dazu geführt haben, dass zu wenig Kfz-Steuer gezahlt wurde.

  • 25. November

    Zumindest etwas Positives für die Wolfsburger: Zur Nachrüstung der millionenfach manipulierten Dieselmotoren mit 1,6 Litern Hubraum in Europa reicht nach Angaben von Volkswagen ein zusätzliches, wenige Euro teures Bauteil aus. Bei den 2,0-Liter-Motoren genügt ein Software-Update. Das Kraftfahrtbundesamt genehmigt die Maßnahmen. Auch wenn VW keine Angaben zu den Kosten macht – es hätte schlimmer kommen können.

Kann ich mit diesen Autos noch wie gewohnt fahren?

Ja.

Was macht VW denn jetzt?

Die Fahrzeuge werden in die Werkstatt zurückgerufen. "Die betroffenen Kunden werden in einem ersten Schritt informiert, dass das Abgasverhalten ihres Fahrzeugs in Kürze nachgebessert werden kann", teilte VW am Dienstag mit. Die Schummel-Software fliegt also raus.

Verkehrsrecht-Anwalt Martin Andreae hatte im Interview bereits im Vorfeld darauf hingewiesen, dass VW-Kunden (unter bestimmten Bedingungen) ohnehin erstmal ein “Nacherfüllungsrecht” hätten. Vereinfacht: Das Auto muss können, was versprochen - und sogar groß beworben war. Darauf kann der Käufer den Verkäufer festnageln.

Das ist übrigens im ersten Schritt gar nicht VW selbst, sondern der Autohändler. Also heißt es bei jeder Rechtsfrage: “Zum VW-Händler gehen und ihn mit Fragen nerven”, wie Michael Müller-Görnert, Referent für Verkehrspolitik beim Verkehrsclub Deutschland (VCD), empfiehlt.

Wann muss mein Auto in die Werkstatt?

Ganz so schnell wohl nicht. Erstmal will VW die Maßnahmen und Lösungen mit den Behörden durchgehen. Das soll im Oktober geschehen. Die Kunden von VW und den Tochtermarken "werden in den nächsten Wochen und Monaten darüber informiert", so der Konzern.

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