Selbstfahrende Autos: Deutschland führend beim autonomen Fahren

ThemaAutobauer

Selbstfahrende Autos: Deutschland führend beim autonomen Fahren

Bild vergrößern

Autonom fahrende S-Klasse von Mercedes: Noch eine Vision.

Kaum ein anderes Zukunftsthema beschäftigt derzeit die Autoindustrie so sehr wie das automatisierte Fahren. Laut einer aktuellen Studie führt Deutschland die Entwicklung an – noch.

Deutschland ist führend bei der Umsetzung und Entwicklung des autonomen Fahrens. Zu diesem Ergebnis kommt der erstmals veröffentlichte Index "Automatisierte Fahrzeuge" (AV Index), der zusammen von der Strategieberatung Roland Berger und der Forschungsgesellschaft Kraftfahrwesen (fka) der RWTH Aachen erhoben wurde. Deutschland kommt in dem Index auf einen Wert von 3,1 Punkten (Skala 0 bis 5), knapp vor den USA (3,0) und Schweden (2,5).

Zusammen mit dem Trend zum Elektroantrieb und der Vernetzung der Fahrzeuge gehört das automatisierte Fahren zu den großen Zukunftsthemen der Automobilindustrie. "Wir stehen vor der Neuerfindung des Automobils", kündigt Dieter Zetsche im Interview mit dem Mittelstandsportal Deutsche Unternehmerbörse an. "Aus der Idee des autonomen Fahrens wird eine realistische Perspektive", so der Daimler-CEO. "Das Schlagwort heißt ‚the third place’: Neben dem Zuhause und dem Arbeitsplatz wird mit dem Auto ein dritter Raum geschaffen, in dem nicht nur am Steuer gesessen wird, sondern in dem auch gearbeitet, kommuniziert und entspannt werden kann."

Anzeige

Welche Assistenzsysteme es schon gibt und wann Roboter das Steuer komplett übernehmen

  • 2013

    • Spurwechselassistent
    • Spurhalteassistent
    • Parkassistent (teilautomatisch)

  • 2013 - 2014

    Notbremsfunktion und Fußgängererkennung

  • 2015

    • Parken per Smartphone-App
    • Baustellenassistent
    • Notausweichassistent

  • 2016

    Stauassistent

  • 2017

    • Automatischer Notausweichassistent
    • Kreuzungsassistent

  • 2018 - 2020

    • Smartphonegesteuerter Einparkassistent
    • Autobahnpilot (teilautomatisch)

  • 2020 - 2025

    • Autobahnchauffeur (vollautomatisch)
    • Automatisches Fahren in der Stadt
    • Voll automatisiertes Parken

  • Nach 2025

    Hochautomatisiertes Fahren (von Tür zu Tür)

Ein Teil dieser Zukunftsvision ist bereits Realität, wenn auch nur ein kleiner: Zahlreiche Assistenzsysteme von heute bilden die Grundlage für das hoch- und vollautomatisierte Fahren von morgen. Um den Erfolg bei diesem Wettlauf zwischen Automobilnationen USA, Deutschland, China, Schweden, UK, Südkorea, Frankreich, Italien und Japan um die Zukunft zu messen, fassen die Forscher die Ergebnisse von zwei zentralen Indikatoren zusammen: der Industrie und dem Markt.

In der Industrie-Wertung werden der Entwicklungsstand der Fahrzeuge der jeweiligen Autobauer sowie Umfang und Ausrichtung der Forschungsaktivitäten bewertet. Unter "Markt" werden die Nachfrage nach Fahrassistenzsystemen und eine Einschätzung der rechtlichen Rahmenbedingungen zusammengefasst.

Apple, Google und Tesla befeuern die Entwicklung

"Die deutschen Premiumhersteller verfügen derzeit über eine Vorreiterrolle bei der Entwicklung und Absicherung von hochautomatisierten Fahrzeugfunktionen", schreiben die Studienautoren. "In den USA wird die Technologieentwicklung hingegen stark von branchenfremden Akteuren getrieben, die um Gegensatz zu den etablierten Autobauern revolutionäre Entwicklungspfade verfolgen."

Connected Car Wenn das vernetzte Auto zum Sicherheitsrisiko wird

Profi-Hackern ist es gelungen, einen Jeep während der Fahrt zu kapern. Jetzt ruft Chrysler 1,4 Millionen Wagen zurück. Für die Branche ist das ein Warnsignal: Ohne sichere Daten scheitert vernetztes und autonomes Fahren.

Sicherheitsrisiko bei vernetzten Autos: Connected Drive bietet viele Vorteile für den Gebrauch, leider auch für den kriminellen. Quelle: Getty Images

So kommt es, dass Deutschland beim Faktor Industrie mit 3,1 Punkten den Spitzenplatz einnimmt. "Wesentliche Gründe für die sehr gute Positionierung Deutschlands bei der Verfügbarkeit automatisierter Fahrfunktionen liegen in der klaren Profilierung der nationalen Autobauer als Premiumhersteller und der breiten Verfügbarkeit teilautomatisierter Fahrerassistenzsysteme in Serienfahrzeugen", fasst die Studie zusammen. "In den USA weisen die traditionellen, etablierten Fahrzeughersteller demgegenüber ein geringeres technologisches Niveau auf, die Aktivitäten von neuen Akteuren wie Tesla oder Google haben aber das Potenzial, in Zukunft große Technologiesprünge zu realisieren."

Diese Entwicklungen in den USA hat auch die deutsche Autoindustrie genau im Blick. So zollt Daimler-Chef Zetsche den "beeindruckenden Leistungen und der finanziellen Macht" von Google und Apple Respekt. Auf ihr Eindringen in sein angestammtes Territorium verfalle er allerdings nicht in Angststarre, sondern setze auf Wettbewerb oder Zusammenarbeit. "Eine Option könnte sein, dass die Autos in einem Joint Venture entstehen und wir diese dann bauen. Aber ich spreche hier rein fiktiv", so der Daimler-Chef mit Blick auf die Zukunft.

Wie gut Autokonzerne auf Angriffe von Apple & Co. vorbereitet sind

  • BMW

    Vernetzung

    Gutes Angebot mit Connected Drive, DriveNow-Carsharing, Kooperation mit chinesischer Suchmaschine Baidu

    Elektromobilität

    Innovatives Angebot mit eigener Elektro-Modelllinie i3, i8

    Autonomes Fahren

    Testmodelle für autonomes Fahren, erste Features ab 2016 in der nächsten 7er-Reihe

    Fazit

    Viel Erfahrung mit E-Mobilen, Kooperation mit Toyota, wenig Chancen für Apple und Google

    Quelle: eigene Recherche, Statista

  • Daimler

    Vernetzung

    Umfangreiches Angebot mit Comand-System, Car2Go -Carsharing per Smartphone

    Elektromobilität

    Lange Erfahrung mit Elektromobilität (vollelektrisch, Plug-in-Hybride, Brennstoffzelle); Kooperation mit Tesla

    Autonomes Fahren

    S-Klasse und C-Klasse bereits in Serie teilautonom unterwegs; autonome Trucks

    Fazit

    In allen Bereichen sehr gut aufgestellt; Kooperation mit Apple oder Google allenfalls punktuell

    Quelle: eigene Recherche, Statista

  • Fiat- Chrysler

    Vernetzung

    Blue&Me-Entertainment (mit Microsoft entwickelt), Carsharing-Dienst Enjoy in Mailand und Rom

    Elektromobilität

    Sehr überschaubares Angebot: ein E-Modell (Fiat 500e); Jeep stellt Hybridmodelle in Aussicht

    Autonomes Fahren

    Keine konkrete Ankündigung

    Fazit

    Finanziell angespannte Lage, könnte bei E-Mobilität, Vernetzung und autonomem Fahren starke Partner brauchen

    Quelle: eigene Recherche, Statista

  • Ford

    Vernetzung

    Befriedigendes Angebot mit Ford Sync-System (mit Microsoft entwickelt); stark in den USA, in Europa im Aufbau

    Elektromobilität

    Überschaubares Angebot: Focus Electric Drive; C-Max Plug-in-Hybrid, Mondeo Hybrid

    Autonomes Fahren

    Bremsassistent im Test, Parkassistent im Focus; neues Forschungszentrum im Silicon Valley

    Fazit

    Aktuell noch Schwächen beim autonomen Fahren, aber starke Investitionen in das Thema, Partner sind denkbar

    Quelle: eigene Recherche, Statista

  • General Motors (Opel)

    Vernetzung

    Befriedigendes Angebot mit GM On Star Infotainment

    Elektromobilität

    Geringes Angebot: ein Hybrid (Chevrolet Volt), ein Elektro-Auto angekündigt (Bolt)

    Autonomes Fahren

    Pläne für teilautonome Fahrzeuge bis 2017

    Fazit

    Wenig eigene Lösungen; Google oder Apple könnten zum Mitmachen verführen

    Quelle: eigene Recherche, Statista

  • Hyundai/Kia

    Vernetzung

    Befriedigendes bis ausreichendes Angebot, Kooperation mit chinesischem Suchmaschinenanbieter Baidu

    Elektromobilität

    Ein Elektroauto (Kia Soul); Vorsprung bei Brennstoffzelle mit Hyundai iX 35

    Autonomes Fahren

    Arbeitet am teilautonomen Fahren für Autobahnen und Parkassistenz; keine Serienreife

    Fazit

    Stark bei neuen Antriebstechnologien, schwach bei autonomem Fahren, Aufholbedarf bei Vernetzung

    Quelle: eigene Recherche, Statista

  • PSA Peugeot Citroën

    Vernetzung

    Befriedigendes bis gutes Angebot mit Peugeot Connect, Carsharing Mu

    Elektromobilität

    Überschaubares Angebot: zwei Elektroautos Peugeot iOn, Citroën C-Zero, eine Plug-in-Studie Quartz

    Autonomes Fahren

    Noch im Forschungsstadium

    Fazit

    Finanziell angespannte Situation, wenig eigene Lösungen. PSA könnte starken Partner wie Google und Apple brauchen

    Quelle: eigene Recherche, Statista

  • Renault/Nissan

    Vernetzung

    Befriedigendes Angebot mit Nissan connect und Renault My Z.E. connect

    Elektromobilität

    Breites Angebot beider Marken an Elektroautos, Nissan Leaf ist meistverkauftes E-Auto weltweit

    Autonomes Fahren

    2020 will Nissan erschwingliche autonomfahrende Autos auf den Markt bringen

    Fazit

    Renault/Nissan sind bei der Elektromobilität mit vorne, Nissan setzt auf autonomes Fahren, Vernetzung ausbaufähig

    Quelle: eigene Recherche, Statista

  • Toyota

    Vernetzung

    Befriedigendes Angebot mit T-connect, Testlauf zu Vernetzung mit Elektrovehikeln in Grenoble

    Elektromobilität

    Hybridpionier; sehr viel Erfahrung mit Batterie-und Brennstoffzellenfahrzeugen (Mirai 2015 in Serie)

    Autonomes Fahren

    Testautos; bis 2017 bei Nobeltochter Lexus Autobahn- und Sicherheitsassistenten

    Fazit

    Stark bei Antrieben, schwach bei Konnektivität, Mittelmaß beim autonomen Fahren – Google könnte Druck machen

    Quelle: eigene Recherche, Statista

  • Volkswagen-Konzern

    Vernetzung

    Wachsendes Angebot etwa durch CarNet und Audiconnect; Übernahme der Blackberry-Forschung in Bochum

    Elektromobilität

    Wachsendes Angebot an Plug-in-Hybriden und E-Modellen bei VW, Audi, Porsche; keine Brennstoffzellen in Serie

    Autonomes Fahren

    900 km Testfahrt im selbstfahrenden Audi A7, 2016 sollen A7, Q7 teilautonom fahren können; autonomes Parken

    Fazit

    Volkswagen-Konzern beherrscht Elektromobilität und Connectivity, Umsetzung neuer Technologie in Serie dauert

    Quelle: eigene Recherche, Statista

Die genaue Rollenverteilung, wer Partner und wer Konkurrent werden könnte, sei laut Zetsche noch unklar: "Auf der einen Seite gibt es Felder der Zusammenarbeit mit diesen Firmen. Auf der anderen Seite kann es sein, dass wir um den gleichen Kunden mit unterschiedlichen Produkten buhlen." Auf keinen Fall aber will Zetsche sich zum Zulieferer degradieren lassen. Auf die Frage, ob es denkbar wäre, dass Daimler für Google oder Apple Autos produzieren würde, antwortet er: "Wir wollen keine Lieferanten werden, die keinen direkten Kundenkontakt mehr haben und Hardware an Dritte liefern."

Anzeige
Unternehmer stellen sich vor
Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%