Sparprogramme der Autobauer: Wer jetzt nicht spart, verspielt die Zukunft

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Sparprogramme der Autobauer: Wer jetzt nicht spart, verspielt die Zukunft

von Rebecca Eisert und Sebastian Schaal

Volkswagen, Mercedes und BMW haben milliardenschwere Sparprogramme angekündigt. Zwar laufen die Geschäfte aktuell besser denn je - doch das wird sich bald ändern.

Milliarden-Sparpakete bei Rekordgewinnen – das macht die Menschen erstmal stutzig. Denn besser könnte es für die deutschen Autobauer kaum laufen. 11,7 Milliarden Euro hat Volkswagen in seiner Konzernbilanz 2013 als Gewinn ausgewiesen, 10,8 Milliarden waren es bei Premiumhersteller Daimler.

Bereits seit fünf Jahren jagt ein Rekordgewinn den nächsten – nicht nur bei den Autobauern, sondern auch bei großen Zulieferern wie Bosch oder Continental. Marcus Berret, Partner bei Roland Berger und Leiter des deutschen Automobilgeschäfts der Unternehmensberatung, kann sich kaum an eine derartige Hochphase erinnern.

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Doch gleichzeitig steigt die Nervosität, dass der Zyklus mit den Rekordzahlen bald endet - und darauf wollen alle vorbereitet sein. Heißt im Klartext: In den fetten Jahren müssen die Hersteller für die mageren Zeiten vorsorgen. Und die kommen in Europa ganz sicher.

Sparprogramme der deutschen Autobauer

  • VW für Marke Volkswagen

    VW-Chef Martin Winterkorn will bis 2017 fünf Milliarden Euro pro Jahr sparen, da er sonst die Wettbewerbsfähigkeit und die Produktivität seines Konzern in Gefahr sieht. 2018 sollen sechs Prozent Umsatzrendite in den Büchern stehen, 2013 kamen nur 2,9 Prozent zusammen. Winterkorn hatte das Ziel ausgegeben bis 2018 Weltmarkführer werden zu wollen, die Rendite ist wichtiger Teil der Strategie. Sparen will Winterkorn beim Einkauf sowie geringeren Investitionen und Fixkosten. Er beklagte zudem zu hohe Kosten beim Bau neuer Fabriken sowie beim Anlauf neuer Modelle.

  • Daimler

    Daimler-Chef Dieter Zetsche fürchtet um das Rendite-Ziel von zehn Prozent. Deshalb hat er eine weitere Stufe des Programms „Fit for Leadership“ verordnet – was mittelfristig 3,5 Milliarden Euro pro Jahr einsparen soll. Das bis 2014 festgeschriebene Ziel einer Ausgabensenkung von zwei Milliarden Euro war nicht genug.

  • BMW

    Der Münchener Premium-Autobauer will bis 2020 drei bis vier Milliarden Euro pro Jahr sparen. Da berichtete das "Manager Magazin" am 18. Juni unter Berufung auf Konzernkreise. BMW-Chef Norbert Reithofer habe die Unternehmensberatung McKinsey mit der Ausarbeitung des Projekts beauftragt. Das Sparprogramm solle gewährleisten, dass die operative Umsatzrendite des Konzerns auch langfristig im angepeilten Korridor von acht bis zehn Prozent liege.

Davon ist zum Beispiel Stefan Bratzel überzeugt, Leiter des renommierten Center of Automotive Management in Bergisch Gladbach. Der Einbruch sei nur eine Frage der Zeit. "Wenn Konzerne wie VW jetzt keine Maßnahmen einleiten, steht in den nächsten Jahren ein großer Arbeitsplatzabbau in den europäischen Werken an."

Die Europa-Falle

Denn der Markt ist nahezu gesättigt. Wer in Europa für Europa produziert, muss seine Kapazitäten anpassen und die Produktivität steigern. Anders lässt sich der Standort auf längere Sicht nicht stabilisieren. Anders gesagt: Die Konzerne sitzen in der Europa-Falle.

Dennoch gehen Experten wie Berret nicht davon aus, dass die Sparprogramme zu dramatischen Verschiebungen in der deutschen Produktionslandschaft führen. Allerdings werde sich der Trend der vergangenen Jahre fortsetzen: Der Arbeitsplatzdruck auf den Standort Europa wird steigen. Es ist also kein Zufall, dass Konzernchef Martin Winterkorn ausgerechnet für die Marke Volkswagen den Sparfahrplan vorgezeichnet hat. Denn die Werke stehen hauptsächlich im schwächelnden Europa.

VW-Sparprogramm Winterkorns Brandrede

Bis 2018 will Volkswagen-Chef Martin Winterkorn eine Rendite von sechs Prozent erreichen. Doch nach seiner Analyse liegt in Wolfsburg einiges im Argen – Auszüge und Einordnungen aus Winterkorns Brandrede.

VW-Chef Winterkorn hat ein scharfes Sparprogramm angekündigt. Auszüge aus seiner Brandrede. Quelle: REUTERS

Auch ein eigenes Getriebewerk wie in Kassel wirkt vor dem Hintergrund stagnierender Absätze wie ein Luxus, den sich Volkswagen nicht mehr allzu lange leisten wird. Winterkorn stellt den Standort bereits in Frage. Marc-René Tonn, Branchenanalyst bei MM Warburg, hält das für richtig: "Nur weil es einem Hersteller momentan verhältnismäßig gut geht, heißt das nicht, dass er sich alles leisten kann und will." Die Hersteller würden eher "Begehrlichkeiten" bei den Ausgaben kappen, aber keine strategisch wichtigen Investitionen bei Produktion oder Entwicklung. Die Getriebe etwa lassen sich günstiger bei einem Zulieferer wie ZF oder Getrag einkaufen. Ohnehin ist für Konzernlenker Winterkorn der Anteil an Komponenten, die VW selbst fertigt, im Vergleich zu anderen Hersteller zu hoch.

Auch BMW und Mercedes wollen sparen

Ähnlich verhalten sich BMW und Mercedes. Sie haben bereits rund 80 Prozent ihrer Wertschöpfung ausgelagert und sind damit einen großen Schritt weiter. Trotzdem wollen auch sie sparen: BMW einige hundert Millionen Euro, Mercedes gar 3,5 Milliarden. Sind Konzernlenker Zetsche und Reithofer nur darauf aus, ihre Ziele zu erfüllen, um die dicken Bonuszahlungen einzustreichen?

Mitnichten, meint Analyst Tonn. Der Fokus der Premiumhersteller habe sich von Volumen- zu Renditezielen verschoben. "So können sie eine Preisschlacht verhindern, mit der sie ihren Absatz kurzzeitig steigern können." So kann ein Hersteller der renditestärkste, ein anderer der absatzstärkste und der dritte der innovativste Autobauer sein, "ohne dass sie sich ins Gehege kommen." Denn es ist ein zentrales Anliegen von BMW, Mercedes und Audi, ihren solventen Kunden stets ein erfolgreiches Image zu verkaufen. "Es liegt deshalb in ihrem eigenen Interesse, nicht als 'Verlierer' dazustehen."

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