Stadtplanung: Mobilität neu denken

Stadtplanung: Mobilität neu denken

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Steuerungstechnik ist zentraler Bestandteil der zukünftigen Elektromobilität

von Thorsten Firlus-Emmrich und Christopher Schwarz

Stadtplaner Alexander Schmidt über urbane Lebensqualität jenseits des „Straßenkampfs“.

Städte sind naturgemäß träge, konservative Gebilde. Sie verändern sich relativ langsam. Auch der Hoffnungsträger Elektroauto wird die Städte nicht gleich neu erfinden. Das Elektroauto bietet allerdings die Chance, Mobilität neu zu denken. Es kann ein Katalysator werden für einen flexibleren Umgang mit dem Automobil, für ein besseres Zusammenspiel der Verkehrsmittel. Mobilität muss als Ganzes gesehen werden – als feinmaschiges Angebotsnetz vom Fahrrad über das batteriebetriebene Taxi bis zur Metro oder eben zum individuellen Auto.

Taxi und Metro mit einer Karte bezahlen

In China kann man Taxi und Metro mit einer einzigen Karte bezahlen, in Ulm läuft der Großversuch von Daimler, online und minutenweise einen Smart zu mieten und nach Gebrauch irgendwo wieder abzustellen. Das sind gute Ansätze. Die Elektromobilität darf auf keinen Fall eine Eins-zu-eins-Kopie des Konglomerats an schlechten Angewohnheiten des ausschließlich auf individuelle Bedürfnisse ausgerichteten Automobils von heute werden. Solange die übermotorisierten, fossil angetriebenen Autos nur einen Batterieantrieb erhalten, wird sich unser Verhalten kaum ändern – und damit die Stadt keine neuen Impulse bekommen.

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In NRW prüfen wir derzeit, ob man Pendlern das Elektroauto durch sogenannte Charge&Ride-Parkplätze schmackhaft machen könnte: Sie würden morgens ihr Auto an günstig gelegenen Ladestationen parken und dort in den öffentlichen Nahverkehr umsteigen. Wie diese Ladestationen in der Stadt verteilt werden, ist eine offene Frage. In einer ersten Phase ist ihre flächendeckende Einführung sicher nicht sinnvoll. Denkbar wäre hingegen – auch des Werbeeffekts wegen – ihre sichtbare Bündelung, ähnlich den gläsernen Türmen, wie wir sie von den Smart-Verkaufszentren kennen. Damit würde ein Zeichen gesetzt werden: Hier gibt es kostenlose Parkplätze zum Aufladen.

Das Elektroauto wird sich schneller durchsetzen können, wenn es verkehrsplanerisch gefördert wird gegenüber dem herkömmlichen Auto: durch privilegierte Parkzonen oder Einfahrverbote. Entscheidend aber ist ein kollektiver Bewusstseinswandel. Nach 100 Jahren „Straßenkampf“ in unseren vom Autoverkehr zerschnittenen Städten sollte klar sein, dass urbane Lebensqualität von anderen Dingen abhängt als vom Auto. In Städten wie London, Paris und Stockholm, wo Metro oder Straßenbahn allgemein akzeptiert sind, hat man das längst erkannt. Bei uns im Land der Autobauer dauert das wohl noch ein bisschen.

Schmidt ist Professor für Stadtplanung und Städtebau an der Universität Duisburg-Essen.

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