Statt Car2Go und DriveNow: Wie das Carsharing auf das Land kommt

Statt Car2Go und DriveNow: Wie das Carsharing auf das Land kommt

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Auf dem Land hat das Carsharing noch mit technischen Hürden zu kämpfen – Funklöchern zum Beispiel.

Zu wenig Nutzer, zu hohe Kosten: Carsharing in der Fläche lohnt eigentlich nicht. Trotzdem nimmt die Zahl der Angebote auch auf dem Land zu – mal mit öffentlicher Förderung, mal auf ehrenamtlicher Basis.

Der nächste Bahnhof ist fünf Kilometer entfernt, der Bus fährt maximal stündlich. Breitnau liegt abseits der Hauptverkehrsstraßen in einem idyllischen Tal im Hochschwarzwald. Ein perfektes Nutzungsszenario für zusätzliche Mobilitätsangebote wie Carsharing – dachte man sich beim örtlichen Tourismusverband.

Doch das Mobilfunknetz, mit dessen Hilfe die Buchungen auf das Auto gespielt werden sollten, ist in Breitnau nicht zuverlässig: „Es gab Schwankungen, nur bei gutem Wetter ging es“, sagt Ulrike Brodscholl, die das Carsharing-Projekt bei Hochschwarzwald Tourismus aufgebaut hat. Aktuell steht auf der Webseite: „Auto derzeit nicht buchbar.“ Die Ladesäule in Breitnau ist verwaist.

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DriveNow, Car2Go, CarUnity Wie Carsharing aus der Nische kommen kann

Carsharing ist eines der Hype-Themen der Autobauer. Doch die Projekte von Daimler und BMW sind nicht ohne Probleme. Jetzt macht auch Opel mit. Die Rüsselsheimer machen vieles anders – aber auch besser?

Carsharing der Zukunft. Quelle: imago

Funklöcher sind nur ein Hindernis, das Carsharing auf dem Land schwierig gestaltet. Werden E-Autos eingesetzt wie im Schwarzwald, muss Ladeinfrastruktur im Gegensatz zu größeren Städten erst noch aufgebaut werden. Außerdem ist ein Anschluss an den öffentlichen Nahverkehr wichtig. Das größte Hindernis ist die Auslastung: „Erst bei 20 bis 30 potenziellen Nutzern pro Auto lohnt es sich wirtschaftlich“, erklärt ein Sprecher des Carsharing-Verbands. Grundsätzlich lohne in der Fläche nur die stationsgebundene Variante.

Car2go und DriveNow lohnen sich nur in wenigen Großstädten

Trotzdem wächst das Angebot auch in kleinen Gemeinden: In 521 deutschen Städten gibt es laut Bundesverband Carsharing-Angebote, um Autos zu teilen. Immerhin 384 haben weniger als 50.000 Einwohner.

Wie sich Carsharing auf die Nutzung anderer Verkehrsmittel auswirkt

  • Mietwagen

    29 Prozent der Carsharing-Nutzer fahren seltenere mit einem Mietwagen als früher.

    Quelle: Berylls Strategy Advisors, MM Customer Strategy

  • Taxi

    28 Prozent der Carsharing-Nutzer fahren seltener mit dem Taxi als zuvor.

  • Regionalzug

    Den Regionalzug benutzen 22 Prozent der Carsharing-Nutzer seltener.

  • Bus und Straßenbahn

    15 Prozent der Nutzer von Carsharing-Angeboten fahren seltener mit Bus und Straßenbahn.

  • Pkw

    15 Prozent der Carsharing-Nutzer benutzen seltener das eigene Auto

  • Fernzug

    Seltener mit dem Fernzug fahren zwölf Prozent der Carsharing-Nutzer

  • Fahrrad

    Dafür fahren drei Prozent der Carsharing-Nutzer öfter mit dem Fahrrad.

    Quelle: Berylls Strategy Advisors, MM Customer Strategy

Größere Anbieter mit sogenannten Freefloating-Angeboten, bei denen die Autos nicht an einem bestimmten Ort abgestellt werden müssen, ziehen sich inzwischen allerdings sogar aus Randgebieten von Großstädten zurück. Man stelle die Autos dort zur Verfügung, wo sie gebraucht würden, begründet ein Sprecher des zum Daimler-Konzern gehörenden Carsharing-Anbieters Car2Go die Ausdünnung. In Innenstadtbereichen würden die Autos acht bis zehn Mal pro Tag gemietet, in Randbereichen zwei bis drei Mal. Daimler hat sich aus diesem Grund auch aus seiner ersten Car2go-Stadt Ulm zurückgezogen.

Die Deutsche Bahn setzt bei ihrem Carsharing-Angebot Flinkster in der Fläche einem Bahnsprecher zufolge auf regionale Kooperationspartner, wenn sich der eigene Einsatz nicht rentiert. Der Geschäftsführer des Carsharing-Verbands, Willi Loose, stellt fest, dass auch andere aktiv werden. Carsharing-Angebote wie Stadtmobil in Stuttgart weiteten ihr Angebot in die Peripherie aus, teilweise mit Hilfe von ehrenamtlichen Vereinen, Autohäuser böten Carsharing zusätzlich zu ihrem Angebot an. Energiegenossenschaften engagierten sich, wenn es darum gehe, Carsharing-Angebote mit E-Autos aufzubauen.

Die Carsharing-Angebote im Überblick

  • Flinkster (Dt. Bahn)

    Zahl der Fahrzeuge: mehr als 3100

    Verbreitung: 140 Städte

    Fahrzeugtypen: viele

    Carsharing-Typ: stationär

    Kosten pro km: 18–20 Cent

    Sonstige Kosten: 1500 Euro Selbstbeteiligung, bei Unfall, Reduktion gegen Aufpreis möglich

  • Stadtmobil

    Zahl der Fahrzeuge: 2000

    Verbreitung: 100 Städte

    Fahrzeugtypen: 25 verschiedene

    Carsharing-Typ: stationär

    Kosten pro km: ab 18 Cent

    Sonstige Kosten: regional verschieden

  • CarUnity (Opel)

    Zahl der Fahrzeuge: mehr als 1.500 (herstellerübergreifend)

    Verbreitung: deutschalndweit

    Fahrzeugtypen: verschieden

    Carsharing-Typ: Peer-to-Peer

    Kosten pro km: Tagespauschale

    Sonstige Kosten: keine Angabe

  • Citeecar

    Zahl der Fahrzeuge: 800

    Verbreitung: Berlin, Hamburg, München, Frankfurt am Main, Gelsenkirchen, Bochum, Essen, Dortmund, Herten, Recklinghausen, Bottrop

    Fahrzeugtypen: Kia Rio, Toyota Yaris

    Carsharing-Typ: stationär

    Kosten pro km: ab 22 Cent

    Sonstige Kosten: 1000 Euro Selbstbeteiligung bei Unfall - kann aber auf Null Euro reduziert werden, wenn man pro Stunde 75 Cent zusätzlich zahlt oder maximal 7,50 Euro am Tag.

  • Car2go (Daimler)

    Zahl der Fahrzeuge: 3500

    Verbreitung: Berlin, Hamburg, München, Stuttgart, Düsseldorf, Köln, Ulm, Frankfurt

    Fahrzeugtypen: Smart, Smart e-Drive

    Carsharing-Typ: flexibel

    Kosten pro km: 29 Cent pro Minute

    Sonstige Kosten: 500 Euro Selbstbeteiligung bei Unfall, Reduktion gegen Aufpreis möglich

  • DriveNow (BMW)

    Zahl der Fahrzeuge: 2950

    Verbreitung: München, Berlin, Köln, Düsseldorf, Hamburg, Wien, San Francisco

    Fahrzeugtypen: BMW 1er, BMW X1, BMW ActiveE, MINI, MINI Cabrio, MINI Clubman, MINI Countryman

    Carsharing-Typ: flexibel

    Kosten pro km: ab 24 Cent pro Minute

    Sonstige Kosten: 750 Euro Selbstbeteiligung bei Unfall, Reduktion gegen Aufpreis möglich

  • Multicity (Citroen)

    Zahl der Fahrzeuge: 350

    Verbreitung: Berlin

    Fahrzeugtypen: Citroen C-zero (elektro)

    Carsharing-Typ: flexibel

    Kosten pro km: 28 Cent

    Sonstige Kosten: 500 Euro Selbstbeteiligung bei Unfall, Reduktion gegen Aufpreis möglich

  • Greenwheels (VW)

    Zahl der Fahrzeuge: 280

    Verbreitung: 21 Städte

    Fahrzeugtypen: Kompaktklasse, Vans

    Carsharing-Typ: stationär

    Kosten pro km: 10 Cent plus Benzin

    Sonstige Kosten: 1000 Euro Selbstbeteiligung bei Unfall, Reduktion gegen Aufpreis möglich

  • Quicar (VW)

    Zahl der Fahrzeuge: 200

    Verbreitung: Hannover

    Fahrzeugtypen: VW Golf

    Carsharing-Typ: stationär

    Kosten pro km: 20 Cent

    Sonstige Kosten: 100 Euro Selbstbeteiligung bei Unfall, Reduktion gegen Aufpreis möglich

  • Mu (Peugeot)

    Zahl der Fahrzeuge: keine Angabe

    Verbreitung: deutschlandweit

    Fahrzeugtypen: alle Peugeot-Modelle

    Carsharing-Typ: bei Händlern

    Kosten pro km: ab 33 Cent

    Sonstige Kosten: keine Angaben


Diese Projekte werden im Zuge der Energiewende gefördert. Das Angebot im Hochschwarzwald ist aus einem solchen Ideenwettbewerb hervorgegangen und wurde vom Land Baden-Württemberg bezuschusst. BMW stellte über seine Tochter AlphaCity 25 Elektro-BMW zur Verfügung. Ein örtlicher Energiedienstleister versorgt die Ladesäulen mit Strom. Doch trotz dieser Starthilfen läuft nicht alles rund. Die Funklöcher sind nur ein Problem, das gelöst werden muss. So machen Kunden Fehler bei der Bedienung, so dass die Autos nicht geladen werden. Der nächste Nutzer läuft Gefahr, ein Fahrzeug mit leerer Batterie vorzufinden. Das will man nun ändern, indem eine Abmeldung am Auto erst möglich ist, wenn es lädt.

Luxus-Probleme, von denen der Verein Auto-Teiler in Vaterstetten im Speckgürtel von München nur träumen kann. Vor 23 Jahren hat Klaus Breindl den Verein mit Mitstreitern ins Leben gerufen. Inzwischen teilen sich gut 300 Nutzer 21 Autos. Funklöcher sind für ihn kein Problem. Die teure Bordelektronik, die für entsprechende Buchungen an E-Autos notwendig ist, kann sich der Verein ohnehin nicht leisten. Er arbeitet analog: Mit stationären Schlüsseltresoren an den Stellplätzen.

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Breindl sieht drei Hindernisse für Carsharing auf dem Land. Die Notwendigkeit, auf dem Land ein eigenes Auto zur Verfügung zu haben, die Aufgeschlossenheit der Menschen für Carsharing und nicht zuletzt die Erreichbarkeit der Stellplätze. Maximal einen Kilometer vom Wohnort, so seine Erfahrung, darf das Auto stehen. Breindl ist zwar überzeugt, dass die Nachfrage und damit auch die Angebote auf dem Land weiter wachsen. „Auf lange Sicht wird sich Carsharing außerhalb der Ballungsräume aber nur auf ehrenamtlicher Basis lohnen.“

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