Steuernachzahlungen: Der ADAC hat Ärger mit dem Finanzamt

ThemaAutobauer

Steuernachzahlungen: Der ADAC hat Ärger mit dem Finanzamt

Bild vergrößern

ADAC-Zentrale

von Matthias Kamp

Nach den Tricksereien rund um den Gelben Engel hat der zweitgrößte Automobilclub der Welt nun handfesten Ärger mit dem Finanzamt. Es drohen Steuernachzahlungen in dreistelliger Millionenhöhe.

August Markl, der als kommissarischer Präsident zurzeit den von Skandalen erschütterten ADAC führen muss, wollte ein Signal des Aufbruchs aussenden. Man werde künftig keine Auto-Kindersitze mehr verkaufen, sagte Markl anlässlich der Bilanzpressekonferenz heute in München. Schließlich trete der Automobilclub auch als unabhängiger Tester für die Sitze auf. Für weitere 360 Produkte prüft der ADAC ähnliche Schritte. Außerdem werde man in Zukunft keine „aggressive Mitgliederwerbung“, etwa zu später Stunde in Diskotheken, mehr betreiben. Es sind kleine Schritte, die der Öffentlichkeit wohl zeigen sollen: Wir haben gelernt, vor Euch steht ein geläuterter ADAC.

An anderer – vielleicht wichtigerer – Stelle hat Markl zurzeit dagegen immer noch mit schweren Altlasten zu kämpfen. Das Finanzamt prüft, ob der ADAC möglicherweise über Jahre zu wenig Steuern gezahlt hat. Die Behörden hätten „Abweichungen zu den Vorjahren festgestellt“, so Thomas Kagermeier, für die Finanzen zuständiger Geschäftsführer beim ADAC. Die Behörden haben den Automobilclub aufgefordert, eine Stellungnahme zu den strittigen Fragen abzugeben. „Die wird in einigen Wochen fertig sein“, verspricht  Kagermaier.

Anzeige

Der Allgemeine Deutsche Automobil-Club e.V.

  • Was gehört zum Unternehmen ADAC?

    Neben dem Verein hat der ADAC viele Firmen gegründet. Sie wickeln die zahlreichen Geschäfte ab. Dazu zählen etwa die Autovermietung, eigene Angebote für Versicherungen oder ein Verlag. Gebündelt sind die Firmen unter dem Dach der ADAC Beteiligungs- und Wirtschaftsdienst GmbH. Insgesamt verbuchte der ADAC dort 2012 einen Umsatz von 1,03 Milliarden Euro. Rund 8600 Menschen arbeiten beim ADAC. Damit ist der Club ein stattliches Unternehmen, auch wenn es gemessen am Umsatz bei weitem nicht für die Top 100 in Deutschland reicht.

  • Was finanziert der ADAC mit den Beiträgen?

    2012 knackte der ADAC erstmals die Milliarden-Euro-Grenze bei den Mitgliedsbeiträgen. 2012 flossen knapp 323 Millionen Euro in Hilfeleistungen wie den Pannendienst oder die Luftrettung. Für den Mitgliederservice wie etwa Geschäftsstellen flossen knapp 155 Millionen Euro, für die Mitgliederzeitschrift „Motorwelt“ 53 Millionen Euro. Gut 343 Millionen Euro gingen in die Beiträge zur Gruppenversicherung für die Mitglieder.

  • Verdient der ADAC als e.V. denn Geld?

    Das Bürgerliche Gesetzbuch schreibt vor, dass Vereine kein wirtschaftlicher Geschäftsbetrieb sein dürfen. Deswegen hat sich im ADAC die Doppelstruktur aus Verein und den Tochterunternehmen entwickelt. Diese erzielen nicht alle Überschüsse, die Luftrettung etwa ist ein Zuschussgeschäft. Unter dem Strich nimmt der ADAC allerdings in der Regel mehr Geld ein als er ausgibt. Auch der Verein erzielt Überschüsse und zahlt Steuern. Die erwirtschafteten Mittel fließen in die Rücklage oder werden investiert. Die Struktur des ADAC war in den vergangenen Jahren immer wieder umstritten.

Im Kern geht es um die Frage, ob und in welcher Höhe der ADAC aufgrund seine Schutzpaketes auf Anteile der Mitgliedsbeiträge Versicherungssteuer abführen muss. Man habe an der bisherigen Praxis der Versteuerung nichts geändert, argumentiert der ADAC. Vielmehr hätten die Behörden die Kriterien, die sie bei der Festsetzung der Steuern zu Grunde legen, verändert. Für den jetzt fraglichen Zeitraum zwischen 2007 und 2009 drohen dem Automobilclub im schlimmsten Fall Nachzahlungen zwischen 150 und 200 Millionen Euro, sagte Kagermeier heute. Möglicherweise kommen auf den ADAC weitere Nachzahlungen an die Finanzbehörden für die Jahre ab 2010 zu.

Statt sich auf solchen Baustellen abzuarbeiten, würden Markl und seine Kollegen viel lieber nach vorne blicken. Sieben Arbeitsgruppen tüfteln zurzeit an angeblich tief greifenden Reformen für den Mauschel- und Pannenclub. Die Kanzlei Freshfields entwirft einen Katalog mit Compliance-Richtlinien, die Skandale wie in der Vergangenheit verhindern sollen.

Gleichzeitig versucht der ADAC im Sinne von mehr Transparenz die Rechnungslegung der 18 Regionalclubs zu vereinheitlichen. Eine der größten Herausforderungen ist aber wohl die Neubesetzung der Führungsspitze. Ein neuer  Präsident für den ADAC soll von außen, nicht aus dem Kreis der Mitglieder, kommen, heißt es in der Geschäftsführung. Die Suche könne sich durchaus bis zum kommenden Jahr hinziehen.

weitere Artikel

Allzu groß ist der Druck zu Veränderungen beim Münchner Skandalclub allerdings  nicht. Zwischen Januar und Ende Mai sind 320.000 Mitglieder aus Ärger über die Tricksereien, etwa bei der Vergabe des Gelben Engel, aus dem ADAC ausgetreten. Im gleichen Zeitraum verzeichnete der Automobilclub allerdings 370.000 Neuzugänge. Zwar kämen bis Jahresende wohl noch einige Austritte dazu, weil manche Kündigungen erst später wirksam würden, so Markl. Doch der Gipfel der Austrittswelle sei schon im Februar erreicht gewesen. Und damit der Trend anhält, sollen künftig vor allem Rat und Hilfe für die Mitglieder im Mittelpunkt der ADAC-Arbeit stehen.

Wie dies allerdings zum Engagement des Automobilclubs im Geschäft mit Fernbusverbindungen passt, bleibt Markls Geheimnis. Der ADAC will am Joint Venture mit der Deutschen Post festhalten und wie angekündigt das Streckennetz des ADAC Postbusses erweitern, auch wenn das Geschäft zurzeit Miese schreibt. Markl: „Wir hoffen, bald positiv zu sein.“

Anzeige
Unternehmer stellen sich vor
Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%