Streit um Sparpläne: Es brodelt bei Porsche und VW

Streit um Sparpläne: Es brodelt bei Porsche und VW

Bei Porsche und VW prallen zwei Welten aufeinander: Die Zuffenhausener Manufaktur-Mentalität und die Wolfsburger Massenproduktion. Zwischen Vorstand und Betriebsrat knirscht es derzeit gewaltig.

Die erste Runde geht an Osterloh. Nachdem VW-Boss Martin Winterkorn in seiner Brandrede die mangelnde Produktivität gegeißelt hatte, polterte der Chef des Konzernbetriebsrats: „Meine Damen und Herren des Managements, machen Sie endlich Produktivität durch funktionierende Anlagen.“ Und siehe da, wenige Tage später musste der für die Produktion verantwortliche Vorstand, Michael Macht, seinen Stuhl in Wolfsburg räumen. Er war für die Umsetzung des neuen Baukastensystems in der Produktion zuständig, mit dem günstiger produziert werden soll. Wegen der zunehmenden Vielfalt der Modelle waren die Kosten aber aus dem Ruder gelaufen.

Winterkorn hatte im Juli die Renditeschwäche der Kernmarke VW angeprangert und Einsparungen von fünf Milliarden Euro im Jahr angekündigt. Der Betriebsrat kündigte postwendend an, dass es „an dem einen oder anderen Punkt krachen“ werde. Die Arbeitnehmervertreter unterstützen zwar die Kurskorrektur, wollen über den Weg dorthin aber mit dem Management diskutieren. Zu Lasten der Beschäftigten dürfe der Sparkurs nicht gehen, betonte Betriebsratschef Bernd Osterloh. Und in der – unter anderem dem Baukasten geschuldeten – Komplxität sieht der Betriebsrat den größten Schwachpunkt von VW.

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Hück holt zum Schlag aus

Auch an anderer Stelle im Konzern braut sich ein Konflikt zwischen Vorstand und Betriebsrat zusammen. Der Sportwagenbauer Porsche, die Ertragsperle von Volkswagen, muss nach Ansicht seines Finanzchefs Lutz Meschke die Produktivität jährlich um sechs Prozent steigern. Mit 17 Prozent Gewinn vom Umsatz hat Porsche zwar eine Spitzenrendite in der Autoindustrie. Doch soll diese nicht durch steigende Kosten für den in der EU geforderten geringeren Kohlendioxid-Ausstoß geschmälert werden. Meschke forderte im „Handelsblatt“, die Belegschaft müsse dazu einen Beitrag leisten. „Alles muss auf den Prüfstand – auch die Steinkühler-Pause.“

Die Steinkühler-Pause wurde vor mehr als 40 Jahren unter dem damaligen IG-Metall-Bezirksleiter Franz Steinkühler erstritten und gilt nur in Baden-Württemberg. Die tarifliche Regel erlaubt Bandarbeitern eine bezahlte Pause von fünf Minuten pro Stunde. Der Forderung Meschkes trat Porsche-Betriebsratschef Uwe Hück entgegen. Der Hobby-Kampfsportler kündigte an, jetzt in den Ring zu steigen, um das Soziale bei Porsche zu verteidigen. „Die Steinkühler-Pause bleibt. Da gibt es nichts zu verhandeln.“ Die IG Metall nannte den Vorschlag abenteuerlich. Die Abschaffung von Erholungszeiten richte sich gegen die Beschäftigten, die zuletzt schon massiv zu Produktivitätssteigerungen beigetragen hätten.

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Bei Porsche haben Betriebsrat und Management allerdings vor Kurzem ein Standortpaket für das Werk Zuffenhausen vereinbart, das im Herbst konkret ausgehandelt werden soll. Es sieht Investitionen von 400 Millionen Euro vor, die zu einem Drittel über flexiblere Arbeits- und Pausenzeiten finanziert werden sollen.

Bemerkenswert an der heftigen Reaktion von Hück ist, dass der Betriebsrat selbst gar keinen Einfluss auf die Abschaffung der Steinkühler-Pause hätte. Diese ist im Tarif-Vertrag geregelt und kann daher auch nur im Rahmen der Verhandlungen zwischen den Tarifparteien, also Gewerkschaft und Konzern geändert werden. Beobachter halten den offenen Konflikt – der Betriebsrat hatte eigenes eine Pressemitteilung herausgegeben – für ein Indiz dafür, dass es bei Porsche hinter den Kulissen mächtig brodelt.

Volkswagen möchte, das Porsche immer höherer Stückzahlen produziert und sich stärker in Richtung Volumenhersteller entwickelt. Der kleine SUV Macan ist ein Beispiel dafür. Dabei prallen zwei Welten aufeinander: Die Zuffenhausener Porsche-Manufaktur-Mentalität und die Wolfsburger Massenproduktion. Die Auseinandersetzungen der letzten Wochen dürften also nur der erste Akt im Sommertheater der Volkswagengruppe gewesen sein.

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