Studie von Horváth & Partners: Nur wenige Deutsche wollen ein E-Auto

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exklusivStudie von Horváth & Partners: Nur wenige Deutsche wollen ein E-Auto

Deutsche Autofahrer sind noch nicht offen für neue Antriebstechnologien – nur jeder fünfte Deutsche kann sich ein Elektroauto vorstellen. In anderen Teilen der Welt sind die Autokäufer aufgeschlossener.

Die Autobauer preisen seit Jahren ihre umweltschonenden Hybrid- und Elektroautos als Lösung für die Mobilität der Zukunft an – der große Erfolg am Markt bleibt aber bislang aus. Besonders in angestammten Auto-Nationen wie Deutschland und den USA ist die Skepsis gegenüber innovativen Antriebstechnologien groß: Laut einer aktuellen Verbraucherumfrage der Managementberatung Horváth & Partners können sich hierzulande aktuell nur rund 20 Prozent vorstellen, ein Elektromobil zu kaufen – in Indien und China sind es laut der Studie, die in Zusammenarbeit mit der Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW) Berlin entstanden ist, hingegen rund 70 Prozent.

Die Aufgeschlossenheit gegenüber neuen Antrieben zeige sich auch bei den aktuell genutzten Antriebsarten der 828 Umfrageteilnehmer aus Deutschland, USA und den BRIC-Staaten (Brasilien, Russland, Indien und China). In diesen vier Ländern machen alternative Antriebe bereits 10 bis 15 Prozent des Markts aus, während in Deutschland nahezu alle Autofahrer konventionelle Antriebe nutzen.

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„Besonders der Hybridantrieb hat an Bedeutung gewonnen und könnte sich als Brückentechnologie erweisen“, sagt Studienleiter Sören Dressler. Da durch die Kombination von Elektro- und Verbrennungsmotor Reichweiten von über 1000 Kilometern möglich würden, sei auch der Wunsch der Verbraucher nach Flexibilität erfüllt. Rund 54 Prozent der Befragten können sich laut den Umfrageergebnissen schon heute vorstellen, ein Hybridauto zu kaufen – bei einem Benziner sind es aber noch 70 Prozent.

Die größten Hersteller von Elektroautos in Deutschland

  • Platz 10

    Ford: 59 zugelassene Elektroautos

    Seit 2013 hat Ford den Focus Electric im Angebot. Doch der große Erfolg blieb dem E-Focus bislang verwehrt: In Deutschland wurden bis zum ersten Halbjahr 2014 gerade einmal 59 Fahrzeuge zugelassen.

  • Platz 9

    Tesla: 638 zugelassene Elektroautos

    Mit dem Roadster wurde Tesla einst als Elektropionier gefeiert, auch das aktuelle Model S sorgt für Furore. Doch der Aufschwung scheint gerade erst zu kommen: Bereits im ersten Halbjahr 2014 wurden mehr als doppelt so viele Elektroautos von Tesla verkauft als im ganzen Jahr 2013.

  • Platz 8

    Mitsubishi: 926 zugelassene Elektroautos

    Mitsubishi zehrt bei den Elektroautos noch von den Erfolgen des iMiev aus dem Jahr 2011. Damals konnten die Japaner mangels Konkurrenz fast 700 Elektroautos verkaufen. Doch seitdem hat das Interesse am iMiev in Deutschland stark abgenommen, weshalb bis heute nur noch knapp 200 weitere Fahrzeuge dazugekommen sind.

  • Platz 7

    Citroën: 948 zugelassene Elektroautos

    Wie bei Mitsubishi ist die erste Welle des Elektro-Erfolgs bei Citroën wieder abgeklungen. Kein Wunder, schließlich ist der C-Zero der Franzosen mit dem Mitsubishi iMiev baugleich. Er hatte 2012 sein bestes Jahr, danach retteten noch einige Zulassungen für das Citroën-eigene Carsharing die Statistik.

  • Platz 6

    Opel: 1450 zugelassene Elektroautos

    Kein Elektroauto verkaufte sich so gut wie der Opel Ampera. Leider gilt das nur für das Jahr 2012. Seitdem ging es mit den Ampera-Zulassungen bergab, von 828 im Jahr 2012 auf 335 im Jahr 2013. Seit Jahresbeginn 2014 fanden nur noch 46 Amperas einen Käufer.

  • Platz 5

    Nissan: 1712 zugelassene Elektroautos

    Bei Nissan sind die Zulassungszahlen für den Leaf konstanter. Nach dem Anlauf-Jahr 2012 fanden im vergangenen Jahr 855 Leafs einen Abnehmer. Im ersten Halbjahr 2014 waren es wieder knapp 400, womit das Gesamtjahr auf dem Vorjahresniveau liegen könnte.

  • Platz 4

    Renault: 1801 zugelassene Elektroautos

    Mit ihrer Submarke Renault Z.E. gelten die Franzosen als Vorreiter im Elektromarkt. Neben den 1532 Zoe haben seit der Erfassung 2011 auch 269 Fluence Z.E. einen Käufer gefunden. Doch der Erfolg könnte noch größer sein: Der ausgefallene Twizy taucht in der Statistik nicht auf – er zählt offiziell als Quad.

  • Platz 3

    BMW: 1935 zugelassene Elektroautos

    Quasi aus dem Stand schafft es BMW auf das Treppchen. Obwohl der i3 erst im November 2013 auf den Markt gekommen ist, brachte er es bis Jahrsende auf 559 Zulassungen. Bis Ende Juni 2014 kamen 1376 weitere dazu.

  • Platz 2

    Volkswagen: 2050 zugelassene Elektroautos

    Beim größten deutschen Autohersteller wurde die Elektromobilität lange stiefmütterlich behandelt. Doch mit dem Start des E-Up und des E-Golfs stiegen die Zulassungen rapide an. Im ersten Halbjahr 2014 lagen beide Modelle mit knapp über 500 Zulassungen fast gleichauf. Der E-Up konnte aber 2013 schon 785 Zulassungen absahnen, als der Elektro-Golf noch gar nicht auf dem Markt war.

  • Platz 1

    Daimler: 3612 zugelassene Elektroautos

    Die Kleinwagenmarke Smart führt Daimler an die Spitze. Die drei Zulassungen des sündhaft teuren Elektro-SLS sind vernachlässigbar, ebenso die Elektro-B-Klasse. Den Großteil holt Daimler mit dem Smart electric drive, von dem alleine 2013 fast 1900 Exemplare zugelassen wurden. Daran ist das hauseigene Carsharing Car2go nicht unschuldig.

    Quelle: Statista.de, Stand 1. Halbjahr 2014

Egal ob in Deutschland oder den BRIC-Staaten: Die Gesamtbetriebskosten sind für neun von zehn Autofahrer entscheidend beim Kauf eines Neuwagens. Da weniger die ökologische Antriebstechnologie als der Anschaffungspreis im Mittelpunkt steht, haben Autos mit innovativen und damit teureren Antrieben einen Nachteil. Einsparungen durch niedrigere Verbrauchs- und Betriebskosten gleichen den höheren Kaufpreis erst nach vielen Jahren aus. So rechnet sich laut einer Horváth-Vergleichskalkulation ein e-Golf gegenüber einem Benziner bei einer jährlichen Fahrleistung von 15.000 Kilometern erst nach 24 Jahren.

Knackpunkt Kaufpreis

„Damit scheiden Elektro- und Brennstoffzellenfahrzeuge für viele Käufer aus“, so Ralf Gaydoul, Leiter des „Competence Centers Automotive“ bei Horváth & Partners. „Der Anschaffungspreis von modernen Plug-in-Hybridfahrzeugen liegt zum Beispiel beim VW Golf zwar rund 4.500 bis 5.500 Euro über dem der vergleichbaren Benzin- und Dieselmodelle. Aufgrund der geringen Verbrauchswerte ist aber eine Amortisierung nach akzeptabler Laufleistung möglich.“

Fragwürdige Förderung In Norwegen wird das Elektroauto zum Problem

In Norwegen boomen Elektroautos dank staatlicher Förderung wie in kaum einem anderen Land. Doch die Probleme wachsen. Deutschland sollte genau hinschauen, wie man es nicht macht.

Das Tesla Model S war wegen der Steuererleichterungen zeitweise das meistzugelassene Auto in Norwegen. Ohne die staatliche Förderung wäre die Elekto-Limousine fast doppelt so teuer. Quelle: REUTERS

Der exklusiv für die WirtschaftsWoche berechnete Electric Vehicle Index von McKinsey zeigt, dass staatliche Subventionen auf den hohen Kaufpreis die Nachfrage nicht nachhaltig ankurbeln. Norwegen hat angekündigt, die Dreingabe von 15.000 Euro pro Auto ab der 50.000sten Neuzulassung zu kappen, das könnte schon Anfang 2015 der Fall sein. Was danach passieren könnte, zeigt sich in Holland. Dort lief die steuerliche Vergünstigung 2013 aus, der Absatz schnellte im letzten Quartal auf 17.100 hoch – und brach im ersten Quartal 2014 auf 3.300 ein. „Elektroautos werden sich erst dann durchsetzen, wenn die Menschen sie als begehrenswertes Premiumprodukt wahrnehmen“, sagt McKinsey-Experte Christian Malorny.

Zu positiveren Ergebnissen kommt der Energieriese E.On in seiner Energie-Studie 2014. Demnach könnten sich 61 Prozent der 2.000 befragten Deutschen vorstellen, mit einem Elektroauto zur Arbeit zu fahren. In der Freizeit würden noch 57 Prozent der Männer gerne ein E-Auto nutzen, bei den Frauen nur 49 Prozent. Die Macher der E.On-Studie konnten auch regionale Unterschiede feststellen: Während fast zwei Drittel der Schleswig-Holsteiner und Rheinland-Pfälzer gerne das E-Auto nutzen würden, kann sich das nur die Hälfte der Sachsen vorstellen.

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