Synthetische Kraftstoffe: ZF-Chef will E-Fuels statt E-Autos

Synthetische Kraftstoffe: ZF-Chef will E-Fuels statt E-Autos

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Stefan Sommer, Vorstandsvorsitzender der ZF Friedrichshafen AG.

Die Autoindustrie muss umweltfreundlicher werden. Der Markt wolle aber Elektroautos nicht, sagt ZF-Chef Stefan Sommer. Seine Alternative: Ein verlängertes Leben des Verbrenners mit synthetischen Kraftstoffen.

Die Elektromobilität schafft seit Jahren nicht den Durchbruch. Die Autos sind (noch) zu teuer, die Reichweite zu gering, die Ladezeiten zu lang und allgemein die Infrastruktur viel zu schlecht – das sind die meistgenannten Gründe. „Der Markt will Elektroautos eigentlich bislang gar nicht“, sagte Stefan Sommer, Chef des drittgrößten deutschen Autozulieferers ZF Friedrichshafen, dem „Tagesspiegel“. „Dennoch lässt sich die Elektromobilität nicht aufhalten.“

Sein Ansatz: Der Verbrennungsmotor soll mit synthetischen Kraftstoffen, sogenannten E-Fuels, länger am Leben gehalten werden. „Das wäre die sinnvollste Lösung, wahrscheinlich auch kommerziell“, sagte Sommer. „Die Industrie würde Geld sparen und wettbewerbsfähig bleiben. Die Tankstellen-Infrastruktur ist auch schon da.“

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E-Fuels sind flüssige Kraftstoffe, die auf Wasser und Strom aus regenerativen Quellen basieren. Das Wasser wird mittels Strom per Elektrolyse in Wasserstoff und Sauerstoff aufgespalten. Der Wasserstoff kann entweder als komprimierter Wasserstoff für Brennstoffzellen genutzt werden – wozu aber neue Tankstellen und Antriebe notwendig wären.

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Quelle: dpa

Oder er wird weiterverarbeitet. Dabei fügt man dem reinen Wasserstoff noch Kohlenstoff zu und erhält so Kohlenwasserstoffe. Also jene chemische Verbindung, auf der auch Benzin, Diesel und Erdgas basieren. Nur eben hergestellt mithilfe erneuerbarer Energien und CO2, das der Atmosphäre entzogen oder aus Biomasse gewonnen wird. Bei dieser Vorgehensweise wird der Kraftstoff über die gesamte Kette betrachtet klimaneutral verbrannt. ZF-Chef Sommer zufolge gäben die Kraftstoffe der Autoindustrie und ihren Zulieferern mehr Zeit beim Umstieg auf die Elektromobilität. „Wir könnten uns finanziell und intellektuell mehr mit der Digitalisierung und Automatisierung beschäftigen.“

Die Bundesregierung hatte in der vergangenen Woche ein Förderprogramm für E-Fuels angekündigt, die klimaneutral aus erneuerbaren Energiequellen hergestellt werden – allerdings bislang zu nicht-wettbewerbsfähigen Preisen. Rolf Bulander, Geschäftsführer beim ZF-Konkurrenten Bosch, geht davon aus, dass E-Fuels erst in fünf Jahren im industriellen Maßstab hergestellt werden könnten.

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