Takata-Airbags: Kongress erhebt Vorwürfe gegen Airbag-Hersteller

Takata-Airbags: Kongress erhebt Vorwürfe gegen Airbag-Hersteller

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Takata-Airbags: Die defekten Luftsäcke haben den größten Rückruf der US-Geschichte verursacht-

Die Kritik an Takata reißt nicht ab. Defekte Airbags des Zulieferers haben den größten Autorückruf der US-Geschichte verursacht. US-Politiker nehmen aber auch die Aufsichtsbehörde ins Visier.

Der japanische Autozulieferer Takata gerät wegen seiner defekten Airbags weiter in die Kritik. Bei einer Anhörung in einem US-Kongressausschuss erhoben Politiker am Dienstag schwere Vorwürfe gegen die Firma – aber auch gegen die US-Verkehrsaufsicht NHTSA. Takata-Manager Kevin Kennedy bekräftigte, beim Krisenmanagement alles Erforderliche zu tun. Er wies die Kritik zurück.

Die Takata-Airbags sind ein Dauer-Problem der Autobranche – es besteht die Gefahr, dass sie unvermittelt auslösen. Dabei kann es zu einer gefährlichen Explosion kommen, bei der Teile der Metallverkleidung durch den Innenraum des Autos geschleudert werden. Mittlerweile werden acht Todesfälle und mehr als 100 Verletzte mit den Problemen in Zusammenhang gebracht. Das Airbag-Desaster hat zur größten Rückruf-Aktion der US-Geschichte geführt.

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Einige Abgeordnete warfen Takata vor, das Ausmaß der Misere verschleiert zu haben, um Kosten zu sparen. Das soll ein 45-seitiger Untersuchungsbericht belegen, den die Vertreter der Demokratischen Partei im Ausschuss vorlegten. Darin werden unter anderem interne Emails des Unternehmens veröffentlicht. Takata zufolge enthält der Bericht Fehler. Die Schreiben seien zum Teil aus dem Zusammenhang gerissen.

Einen Kunden hat Takata bereits verloren

Bei der Anhörung kam unter anderem die Forderung nach einem Entschädigungsfonds für Opfer der mit den fehlerhaften Airbags verbundenen Unfälle auf. Takata-Manager Kennedy sagte, er könne die Einrichtung eines solchen Fonds nicht versprechen.

Er widersprach zudem Vorwürfen, sein Konzern tue nicht genug, um die Probleme zu lösen. Die Absprachen mit der Verkehrsaufsicht NHTSA gingen sogar deutlich weiter, als die durch Wissenschaft und Tests nahegelegten Risiken eigentlich erfordern würden.

Fünf Gründe für die häufigen Rückrufe

  • Steigende technische Komplexität

    Die technische Komplexität der Fahrzeuge ist in den letzten 10 bis 15 Jahren enorm gestiegen, wodurch die Fahrzeuge zwar grundsätzlich sicherer geworden sind. Allerdings führte die technische Komplexität auch zu einem Anstieg der Fehlerhäufigkeit und Fehleranfälligkeit. Hierzu tragen unter anderem passive und aktive Sicherheitssysteme (wie ABS, ESP, Airbags; Fahrassistenzsysteme) bei, die gleichzeitig die Fahrzeugsicherheit deutlich erhöht haben. Darüber hinaus sind motortechnische Optimierungen (Start/Stopp-Systeme, Aufladung etc.) sowie zahlreiche Komfortmerkmale wie etwa Navigations-, Telefon und Internetdienste im Fahrzeuge zu nennen. Es ist zu erwarten, dass im Zuge der Entwicklung weiterer Komfort- und Sicherheitsfeatures auch künftig der Komplexitätsgrad der Fahrzeuge zunimmt.

    Quelle: "Die Rückruf-Trends der globalen Automobilhersteller im Jahr 2014 (AutomotivePeformance 2015)" des Center of Automotive Management

  • Zunahme der Entwicklungsgeschwindigkeit

    Die Produktentwicklungszyklen wurden in den vergangenen zehn Jahren deutlich verkürzt. Aufgrund der hohen Wettbewerbsintensität der Branche bringen die globalen Hersteller in immer kürzerer Zeit neue Modelle bzw. Derivate in Umlauf und verbreitern damit ihr Produktportfolio kontinuierlich. Wer es schafft, mit neuen Modellen beziehungsweise Modellvarianten schnell am Markt zu sein, hat im globalen Wettbewerb Vorteile. Der hohe Zeitdruck in der Produktentwicklung wirkt sich negativ auf
    die Qualitätssicherung aus.

  • Verlagerung der Wertschöpfung

    Um Kosten-, Zeit- und Innovationsvorteile zu realisieren, wurden erhebliche Teile der Wertschöpfung auf die Automobilzulieferer übertragen. Ihr Wertschöpfungsanteil ist mittlerweile auf rund 75 Prozent gestiegen. Gleichzeitig steigen mit dieser Verlagerung die Anforderungen an unternehmensübergreifendes Qualitätsmanagement, das darüber hinaus auf globaler Ebene sichergestellt werden muss. Es muss einerseits nicht nur die eigene Produktqualität, sondern auch durch geeignete Prozesse die Teilequalität der globalen Lieferanten gesichert werden. Andererseits steigt die Komplexität eines Qualitätsmanagement auch dadurch, dass die Automobilhersteller nicht nur die zugelieferten Teile, sondern meist auch die Qualität der international verteilten Produktionsanlagen ihrer Zulieferer einschätzen und durch Prozesse absichern müssen.

  • Erhöhter Kostendruck

    Die Automobilhersteller stehen aufgrund der hohen Wettbewerbsintensität auch unter enormen Kostendruck. Gleichzeitig geben die Hersteller den Kostendruck an die Automobilzulieferer weiter, die dazu angehalten sind, ihre eigene Kosten beziehungsweise die ihrer Teile- und Rohstofflieferanten zu drücken. Hier besteht die Gefahr, dass der Kostendruck auf zu Ungunsten der Produktqualität geht.

  • Baukasten- und Gleichteilestrategie

    Um Kosten zu sparen und die Entwicklungsgeschwindigkeit zu erhöhen, müssen die Hersteller zunehmend auf Gleichteile- oder Baukastenstrategien setzen. Hierbei nutzen die OEM die gleichen Komponenten und Module in möglichst vielen Modellen, um von den hiermit verbundenen Mengeneffekten zu profitieren. So plant BMW etwa die Zahl der hergestellten Fahrzeuge je Plattform bis zum Jahr 2019 etwa zu verdoppeln, Volkswagen (durch die Einführung des MQB) diese sogar fast zu verdreifachen. Diese Strategie entwickelt sich zu einem wichtigen Erfolgs- und Überlebensfaktor der Hersteller, da sich aus ihr erhebliche Kostenvorteile ergeben können. Gleichzeitig steigt jedoch das Risiko, dass bei Qualitätsproblemen einzelner Teile oder Komponenten eine große Menge von Fahrzeugen über Baureihen hinweg zurückgerufen werden müssen.

Einen wichtigen Kunden hat Takata wegen des Rückruf-Desasters bereits verloren: Fiat-Chrysler (FCA) wird die fehlerhaften Airbags des japanischen Zulieferers durch Modelle des Konkurrenten TRW ersetzen. 4,1 Millionen Autos sind betroffen.

Zwar sei die Grundursache für die Fehlfunktion der Takata-Airbags noch nicht endgültig ermittelt, dennoch sei es die Aufgabe von FCA, die Sicherheit der Kunden sicherzustellen, so FCA-Sicherheitsexperte Scott G. Kunselmann gegenüber der „Detroit News“. Der Wechsel von Takata zu TRW ist bereits am 8. Juni in Kraft getreten.

Auch die Behörde gerät unter Druck

Sukzessive erhalten nun alle betroffenen Autos des FCA-Konzerns einen Austausch-Airbags von TRW. 50.000 Autofahrer, die bereits einen Takata-Austausch-Airbag erhielten, müssen ihren Wagen erneut in die Werkstatt beringen. Auch sie erhalten nun Modelle von TRW.

Im Kongress nahmen die US-Abgeordneten auch die NHTSA massiv in die Mangel. Dass die Behörde die Probleme nicht früher erkannt habe, sei ein eklatanter Fall von Inkompetenz, sagte ein Senator. Die Aufsicht lasse der Autoindustrie zu viel Spielraum und nutze ihre Instrumente nicht aus, um die Branche ordentlich zu kontrollieren.

Defekte Airbags Takata zieht umstrittenen Treibstoff aus dem Verkehr

Der japanische Airbag-Hersteller kündigt weitere Schritte an, um die Sicherheit seiner Produkte wieder herzustellen. Top-Manager Kevin Kennedy muss vor einem Ausschuss des US-Kongresses Rede und Antwort stehen.

Takata zieht umstrittenen Treibstoff aus dem Verkehr Quelle: REUTERS

NHTSA-Vertreter Mark Rosekind sagte vor dem Ausschuss, die Behörde befinde sich in einem Prozess der Selbstprüfung. Allerdings sei sie unterbesetzt und nicht ausreichend finanziert. Die Anforderungen seien durch Fälle wie Takata oder auch General Motors (GM) deutlich gestiegen.

GM musste wegen defekter Zündschlösser, die das Auto in voller Fahrt stoppen können, massenhaft Wagen zurückrufen. Das Unternehmen wird Entschädigungen für mindestens 117 Tote und 237 Verletzte zahlen. Weitere Opfer werden wahrscheinlich noch dazukommen, etliche Fälle werden derzeit noch geprüft.

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