Thomas Frank: "Der Verantwortung bewusst"

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InterviewThomas Frank: "Der Verantwortung bewusst"

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Thomas Frank

von Franz W. Rother

Thomas Frank, der Leiter von Audi Tradition will die Rolle von Auto-Union-Chef Richard Bruhn in der NS-Zeit neu bewerten.

WirtschaftsWoche: Herr Frank, wie bewerten Sie die Ergebnisse der Untersuchung „Kriegswirtschaft und Arbeitseinsatz bei der Auto Union im Zweiten Weltkrieg“?

Frank: Die Studie macht uns bewusst, wie die Maschinerie im Dritten Reich funktioniert hat und welche Menschenrechtsverletzungen bei den Marken, aus denen die heutige Audi AG hervorgegangen ist, begangen wurden. Wir und nachfolgende Generationen müssen dafür sorgen, dass sich so etwas nicht wiederholt.

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Daimler, VW und andere Konzerne haben vor rund 20 Jahren die Verstrickungen in NS-Kriegswirtschaft und Zwangsarbeit untersucht – warum Audi erst jetzt?

Wir haben das Thema bereits in den Achtzigerjahren diskutiert und reflektiert. Nach der Wende konnte Audi erstmals Originalakten einsehen und in einem Forschungsauftrag erschließen. Zwischenzeitlich hörten wir, es gebe ein Habilitationsprojekt an der TU Chemnitz und verzichteten zunächst auf eine eigene Forschungsarbeit. Als das nicht realisiert wurde, haben wir 2010 die Zwangsarbeiterstudie angestoßen. Ein wichtiger Impuls hierzu war auch die Berichterstattung der WirtschaftsWoche im September 2010.

Welche Konsequenzen wird Audi nun aus der Studie ziehen?

Wir wollen unseren Auszubildenden die Thematik in Diskussionsrunden und an historischen Stätten näher bringen. Es gibt auch ein Azubi-Projekt zur Spurensuche rund um das ehemalige KZ-Außenlager Kochendorf, einen Workshop mit Besuch der KZ-Gedenkstätte Dachau oder Zeitzeugen-Lesungen. Zudem fließt die Studie ein in die Präsentation des „museum mobile“ in Ingolstadt und in das August Horch Museum in Zwickau.

Erbe der Auto Union Audi stellt sich seiner NS-Vergangenheit

Audi-Gründervater Richard Bruhn setzte tausende KZ-Häftlinge als Zwangsarbeiter ein. Nach Enthüllungen der WirtschaftsWoche arbeitet der Konzern seine NS-Vergangenheit endlich auf.

Quelle: Unternehmensarchiv Audi AG

Bei der 100-Jahr-Feier wurde Richard Bruhn noch als einer der Väter der Auto Union geehrt. Muss er nach der Lektüre der Studie neu bewertet werden?

Seine Leistungen für das Unternehmen nach dem Krieg sind unbestritten. Die Zusammenhänge im Dritten Reich müssen natürlich neu betrachtet werden. Darüber sind sich Unternehmen und Betriebsrat im Klaren.

In Ingolstadt ist eine Straße nach Bruhn benannt. Gibt es da Handlungsbedarf?

Die Stadt kennt die Ergebnisse der Studie. Wir wissen aber noch nicht, wie sie entscheidet.

Zahlt Audi nun nachträglich mehr Geld in den Zwangsarbeiter-Entschädigungsfonds der deutschen Wirtschaft ein?

VW hat sich als Konzernobergesellschaft und damit auch für die deutschen Töchter im Rahmen der Stiftung „Erinnerung Verantwortung Zukunft“ engagiert und gezeigt, dass die heutigen Unternehmen sich ihrer Verantwortung bewusst sind.

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Gibt es im Konzern noch Überlegungen, den Namen der Auto Union zu nutzen – etwa für eine Volkswagen-Holding?

Dazu gibt es keine Überlegungen.

Wie viel Auto Union steckt heute in der Marke Audi?

Die Auto Union mit ihrer zentralen Marke DKW ist einer der Grundpfeiler der heutigen Audi AG.

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