Tödliche Unfälle: Alte Probleme verfolgen neue General Motors

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KommentarTödliche Unfälle: Alte Probleme verfolgen neue General Motors

von Martin Seiwert

Der GM-Konzern hat wegen technischer Mängel womöglich hunderte Verkehrstote zu verantworten. Die US-Regierung, die vor Jahren mit größter Aggressivität auf angebliche Qualitätsprobleme bei Toyota reagierte, ließ bei GM dagegen größte Milde walten. Ein Lehrbuchbeispiel für fatale Industriepolitik.

Als der US-Autohersteller General Motors (GM) im Februar 1,6 Millionen Autos in die Werkstatt zurückrief, schien dies Teil der alltäglichen Rückruf-Routine der Autoindustrie zu sein. Über 20 Millionen Autos wurden 2013 allein in den USA wegen Mängeln in die Werkstätten zurückbeordert. Der Grund für den GM-Rückruf hörte sich zunächst unspektakulär an: Probleme am Zündschloss. Der Laie denkt da allenfalls an Startschwierigkeiten, nicht aber an tödliche Autounfälle.
Doch nach und nach wird klar, wie gefährlich jedoch der Konstruktionsfehler an den Zündschlössern von sechs verschiedenen GM-Modellen ist. Denn der defekte Zündmechanismus sorgt offenbar dafür, dass sich Autos auch bei voller Fahrt abschalten. Und damit nicht genug. Sind die Autos erst einmal abgeschaltet, versagen Sicherheitstechniken wie Airbag oder Gurtstraffer. Auch die Servolenkung dürfte bei den betroffenen Modellen ohne Motorleistung nicht mehr funktionieren.
So kam es, dass bei mindestens einigen Dutzend Autofahrern in den USA, vielleicht sogar bei Hunderten, der Motor während der Fahrt abgeschaltet wurde und die Fahrer die Kontrolle über das Fahrzeug verloren. 31 solcher Unfälle mit zwölf Toten zählt GM. 303 Todesopfer listet das auf Fahrzeugsicherheit spezialisierte Beratungsunternehmen Friedman Research Corporation aus Texas auf, das Behördendaten einer eigenen Analyse unterzogen hat. Diese 303 Autofahrer starben allesamt auf den Vordersitzen von Autos, die vom Rückruf betroffen sind und bei denen die Airbags im Moment des Aufpralls nicht auslösten.

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Was aus den tragischen Unfällen einen Skandal macht, ist der Umgang von General Motors mit den Mängeln. Vor 13 Jahren wurden im Konzern die Schwächen der Zündtechnik bekannt, doch passiert ist bis vor wenigen Wochen nur wenig. Bereits bevor eines der betroffenen Modelle, der Saturn Ion, 2001 in die Serienproduktion ging, tauchten Probleme mit der Zündung auf. GM unternahm nichts. Zwei Jahre später schaltete sich bei einem GM-Servicetechniker der Motor während der Fahrt aus. GM untersuchte das Phänomen und kam zu dem Schluss, dass am Autoschlüssel zu viele andere Schlüssel hingen. Das zusätzliche Gewicht am Schlüssel soll zum Defekt des Zündschalters geführt haben. Der Zündschalter wurde ausgetauscht – und die Akte bei GM geschlossen.

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