Überkapazitäten: Opel kämpft auf verlorenem Posten

Überkapazitäten: Opel kämpft auf verlorenem Posten

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Großbaustelle Opel - Der traditionsreiche Autohersteller könnte in seiner bisherigen Form bald in Europa Geschichte sein.

von Martin Seiwert

Die Traditionsmarke Opel droht das erste Opfer der Marktbereinigung im schrumpfenden europäischen Autogeschäft zu werden. Da helfen auch die teilweise hoch effizienten Fabriken nicht.

Insolvenzgefahr, Notverkauf, Werkschließungen – das Traditionsunternehmen Opel, das 2012 seinen 150. Geburtstag feiert, musste in den vergangenen Jahren mehr Negativschlagzeilen verkraften als jede andere europäische Automarke. Und jedes Mal, wenn es besonders schlimm stand, legten die Betriebsräte des Autobauers noch eine Schippe drauf und heizten den Konflikt mit der Konzernmutter General Motors (GM) in Detroit weiter an. Im Kampf um die Arbeitsplätze nahmen sie alles in Kauf – auch die Platzierung von Opel in den Köpfen der Konsumenten als Krisen-Automarke schlechthin.

Nicht so am vergangenen Mittwoch. Nachdem der Aufsichtsrat des Autobauers in der Deutschland-Zentrale in Rüsselsheim bei Frankfurt getagt hatte, gab es eine gemeinsame Presseerklärung von Unternehmen und Betriebsräten. Beide wollten weiter beraten, wie bei Opel die Kosten gesenkt werden könnten. „Weitere Ankündigungen“, hieß es lapidar, „gibt es nicht.“

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Welche Opel-Werke von einer Schließung bedroht sind (zum Vergrößern bitte Bild anklicken).

Welche Opel-Werke von einer Schließung bedroht sind (zum Vergrößern bitte Bild anklicken).

Opel steht am Abgrund

Das Schweigegelübde statt wütender Arbeitskampf-Rhetorik ist neu für Opel und hat einen banalen Grund: Die europäische Autoindustrie steht vor einer schmerzhaften Reduzierung der Kapazitäten; geht es mit dem Image der Marke mit Blitz noch weiter runter, muss Opel womöglich als erster Autobauer Produktionskapazitäten abbauen. In diesem mörderischen Wettbewerb kann Opel nur überleben, wenn die Marke nicht weiter an Strahlkraft verliert.

„Noch mehr Krisengerede verkraftet das Unternehmen nicht“, sagt ein Insider. „Jetzt trifft es zu, dass Opel am Abgrund steht: Wenn die Absätze weiter zurückgehen, wenn dauerhaft weniger als eine Million Autos in Europa verkauft werden, ist das Unternehmen Opel in der bisherigen Form Geschichte.“

Mitte vergangenen Jahres schien bei Opel noch alles im Lot. Die aktuellen Modelle liefen gut, der Marktanteil in Deutschland und Europa wuchs. Auch an der Kostenfront gab es Erfolge: Die Arbeitnehmer stimmten Einschnitten zu, das Werk Antwerpen wurde geschlossen. Erstmals seit Jahren waren schwarze Zahlen in Sicht. Doch dann spitzte sich die Euro-Krise zu und verhagelte Opel das Geschäft. Die Zuwächse des ersten Halbjahres 2011 wurden zunichte gemacht. 2012 folgte ein regelrechter Absturz. Während der Gesamtmarkt in den ersten beiden Monaten des Jahres rund zehn Prozent verlor, brach der Opel-Absatz um 20 Prozent ein.

Minusgeschäft in Europa muss kompensiert werden

In dieser Situation drohen Opel die generell miesen Aussichten auf dem europäischen Automarkt den Gnadenstoß zu versetzen. Wichtige Konkurrenten wie Renault, Peugeot-Citroën und Fiat erzielen Magerrenditen von um die drei Prozent, neben Opel schreibt auch Ford rote Zahlen. Nur Hersteller, die starke Standbeine außerhalb des Kontinents haben, können das margenschwache Geschäft im europäischen Massenmarkt kompensieren.

Das gilt etwa für den global agierenden Volkswagen-Konzern, aber auch für den Fiat-Konzern, der in den USA mit Chrysler ein zweites Standbein hat, oder den Autobauer Renault, der an Nissan beteiligt ist. Auch die Opel-Mutter-GM verdient außerhalb Europas gutes Geld, ist aber nicht bereit, damit ihr europäisches Opel-Geschäft auf Dauer zu subventionieren. Und Opel selbst erschweren die Amerikaner eine Expansion ins außereuropäische Ausland.

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