US-Autobauer: Ford fürchtet Milliardenverlust in Europa

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US-Autobauer: Ford fürchtet Milliardenverlust in Europa

Was für Opel gilt, gilt auch für Ford: Die Verkäufe in Europa lahmen. Die Folge sind massive Verluste. Die Frage ist nun, wie lange sich das Management in den USA das Elend noch anschaut. Es wird bereits über eine Werksschließung spekuliert.

Stark rückläufige Verkäufe in Europa könnten Ford zu harten Einschnitten zwingen. Die Situation sei ernst, erklärte der US-Konzern am Mittwoch. Ford geht für das Gesamtjahr in seinem wichtigen Europageschäft mittlerweile von einem operativen Verlust von mehr als 1 Milliarde Dollar aus. Zuvor schätzte der Konzern das Minus auf maximal 600 Millionen Dollar ein. „Natürlich müssen wir die Kosten angehen“, sagte Finanzchef Bob Shanks in einer Telefonkonferenz. „Wir müssen schlanker werden.“

Die Probleme seien struktureller Natur, stellte die Konzernführung fest. Im Klartext: Es herrschen grundsätzlich Überkapazitäten, die Werke sind nicht ausgelastet und verbrennen dadurch Geld. Deshalb fuhr der Hersteller im zweiten Quartal in seinem Europageschäft einen operativen Verlust von 404 Millionen Dollar ein (332 Mio Euro). Im Vorjahreszeitraum hatte das Unternehmen hier noch 176 Millionen Dollar verdient. Dann schlug die Schuldenkrise zu und hielt viele Autofahrer vom Kauf eines neuen Autos ab. Im gesamten ersten Halbjahr summiert sich das Minus auf 553 Millionen Dollar.

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Quelle: Pressebild

In Europa brachen die Ford-Verkäufe im zweiten Quartal um 15 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum auf rund 359 000 Stück ein. Bereits jüngst waren Spekulationen aufgekommen, Ford könnte deshalb ein Werk schließen. Als gefährdet gelten der Standort Southampton in England oder Genk in Belgien. In Deutschland produziert Ford in Köln und Saarlouis. Der direkten Frage nach Werksschließungen wich das Management allerdings aus. Es sei zu früh, um über die genauen Pläne zu reden, sagte Finanzchef Shanks.

Das Ford-Management steht unter hohem Druck. Denn die Probleme in Europa schlagen sich wie beim Opel-Mutterkonzern General Motors mit voller Wucht auf den Gesamtkonzern durch. Der Gewinn im zweiten Quartal schrumpfte um mehr als die Hälfte auf unterm Strich noch 1 Milliarde Dollar. Ford werde die Probleme angehen, versprach Konzernchef Alan Mulally seinen Aktionären. Nur dank eines vergleichsweise guten US- und Asien-Geschäfts hielt sich der Umsatzschwund mit 6 Prozent auf 33,3 Milliarden Dollar in Grenzen.

Die gewährten Rabatte lasten auf den Ergebnissen

Auch Opel oder Peugeot-Citroen haben massive Probleme in Europa. Branchenprimus VW und die deutschen Oberklassehersteller halten sich dagegen vergleichsweise gut. Neben dem eigentlichen Verkaufsrückgang lasten vor allem die hohen Rabatte auf den Ergebnissen, die die Hersteller gewähren müssen, um überhaupt noch einen Käufer zu finden. Auf diesen Umstand verwies auch Ford. Der Konzern hatte bereits Ende Juni vor höheren Verlusten in Europa gewarnt, die Aktie lag deshalb am Mittwoch nur leicht im Minus.

Wegen der Verkaufsrückgänge hatten die Kölner Ford-Werke zwischenzeitlich Kurzarbeit beantragt. Im Mai und Juni standen die Bänder an sieben Tagen still. In Köln wird vor allem der Kleinwagen Fiesta hergestellt, in Saarlouis der kompakte Focus. Für die beiden deutschen Ford-Standorte gilt eine Vereinbarung, die betriebsbedingte Kündigungen bis 2017 ausschließt. Ford beschäftigt in Köln rund 17 400 und in Saarlouis 6400 Menschen. Konzernchef Mulally hofft, dass neue Modelle die Kunden zurückbringen - etwa der große Mondeo.

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