Valeo: Bosch-Konkurrent kauft und kauft und kauft

Valeo: Bosch-Konkurrent kauft und kauft und kauft

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Der französische Automobilzulieferer Valeo schlägt erneut bei einem deutschen Mittelständler zu.

von Rebecca Eisert

Der französische Autozulieferer Valeo setzt seine Übernahme-Tour fort. Mit dem Kupplungs- und Bremsenhersteller FTE Automotive geht schon der dritte deutsche Mittelständler an die Franzosen.

Es ist der dritte deutsche Automotive-Spezialist innerhalb eines Jahres, den sich der Bosch-Konkurrent Valeo einverleibt. Nach dem hessischen Bord-Telematik-Experten Peiker und dem Klimatechnik-Anbieter Spheros aus Gilching bei München schlägt Valeo jetzt beim Kupplungs- und Getriebespezialisten FTE Automotive aus dem fränkischen Ebern, nahe Bamberg zu.

Und das ist noch nicht alles: Im April vereinbarten Valeo und der Münchener Technologieriese Siemens ein Joint-Venture. Die Partner haben sich nicht weniger auf die Fahnen geschrieben als zum führenden Anbieter von Antriebssystemen für Elektromotoren zu werden.

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Das neue Objekt der Begierde, FTE Automotive, war bisher im Besitz des amerikanischen Finanzinvestoren Bain Capital, der erst 2013 eingestiegen war. Valeo übernimmt FTE Automotive für rund 819 Millionen Euro. 2015 erzielte die Gruppe rund 500 Millionen Euro Umsatz. Das Unternehmen beschäftigt 3700 Mitarbeiter und ist unter anderem in Deutschland, der Tschechische Republik, der Slowakei, Mexiko und China präsent.

Die weltweit größten Autozulieferer

  • Platz 10

    Faurecia (Frankreich)

    Umsatz 2016: 18,711 Milliarden Euro
    Umsatz 2015: 18,770 Milliarden Euro
    Veränderung: -0,3 Prozent
    Hauptprodukte: Sitze und Innenausstattung

    Quelle: Berylls Strategy Advisors

  • Platz 9

    Michelin (Frankreich)

    Umsatz 2016: 20,907 Milliarden Euro
    Umsatz 2015: 21,199 Milliarden Euro
    Veränderung: -1,4 Prozent
    Hauptprodukte: Reifen

  • Platz 8

    Bridgestone-Firestone (Japan)

    Umsatz 2016: 22,485 Milliarden Euro
    Umsatz 2015: 24,094 Milliarden Euro
    Veränderung: -6,7 Prozent
    Hauptprodukte: Reifen

  • Platz 7

    Aisin (Japan)

    Umsatz 2016: 27,977 Milliarden Euro

    Umsatz 2015: 24,133 Milliarden Euro
    Veränderung: +15,9 Prozent
    Hauptprodukte: Getriebe, Bremssysteme, Karosserie- und Motorenteile

  • Platz 6

    Hyundai Mobis (Südkorea)

    Umsatz 2016: 30,227 Milliarden Euro
    Umsatz 2015: 28,096 Milliarden Euro
    Veränderung: +7,6 Prozent
    Hauptprodukte: Cockpit-, Frontend- und Chassismodule

  • Platz 5

    ZF Friedrichshafen (Deutschland)

    Umsatz 2016: 32,353 Milliarden Euro
    Umsatz 2015: 27,113 Milliarden Euro
    Veränderung: +19,3 Prozent
    Hauptprodukte: Fahrwerks- und Antriebssysteme, Elektronik/Software

  • Platz 4

    Magna (Kanada)

    Umsatz 2016: 34,587 Milliarden Euro
    Umsatz 2015: 29,408 Milliarden Euro
    Veränderung: +17,6 Prozent
    Hauptprodukte: Karosserie & Fahrwerksysteme, Exterieur-Ausstattungen

  • Platz 3

    Denso (Japan)

    Umsatz 2016: 36,301 Milliarden Euro
    Umsatz 2015: 34,299 Milliarden Euro
    Veränderung: +5,8 Prozent
    Hauptprodukte: Klimasysteme, Motorsteuerung, Human-Machine-Interface

  • Platz 2

    Continental (Deutschland)

    Umsatz 2016: 40,550 Milliarden Euro
    Umsatz 2015: 39,232 Milliarden Euro
    Veränderung: +3,4 Prozent
    Hauptprodukte: Brems-, Fahrwerk- und Sicherheitssysteme, Reifen

  • Platz 1

    Bosch (Deutschland)

    Umsatz 2016: 43.936 Milliarden Euro
    Umsatz 2015: 41,657 Milliarden Euro
    Veränderung: +5,5 Prozent
    Hauptprodukte: Antriebs-, Sicherheits- und Komfortsysteme

Mit der dritten Übernahme hat Valeo nun bereits 1,3 Milliarden Euro in den Zukauf von Unternehmen in Deutschland investiert. Stück für Stück baut Valeo damit seine als strategisch wichtig definierte Kernbereiche aus. Der Fokus der Franzosen liegt auf Technologien zur CO2-Reduktion und Komfort- und Assistenzsystemen, die unter anderem auch autonomes Fahren ermöglichen.

Direkte Konkurrenz zu Bosch und Continental

Mit diesen beiden Top-Themen macht sich der französische Zulieferer immer mehr in Geschäftsfelder breit, die auch Bosch und Continental bespielen. "Die deutschen Wettbewerber sind technologisch wirklich stark, aber in vielen Bereichen, wie zum Beispiel der Fahrassistenz, sind wir weltweit die Nummer eins. Da fahren uns die deutschen Wettbewerber hinterher", gab sich Valeo-Chef Jacques Aschenbroich bereits im Mai 2015 im Interview mit der WirtschaftsWoche selbstbewusst.

Schon jetzt machen die Franzosen ein Drittel des Umsatzes mit deutschen Kunden. Volkswagen zählt mit Abstand zu den wichtigsten Abnehmern. Mit dem israelischen Partner Mobileye, dem aktuell technologisch führenden Anbieter von Kamerasystemen, die für das autonome Fahren unverzichtbar sind, hat Valeo zudem einen wichtigen Trumpf im Ärmel. Volkswagen hat sich ebenfalls eine strategische Partnerschaft mit Mobileye gesichert.

Valeo-Chef Aschenbroich "Mit Übernahmen zerstört sich ein Unternehmen selbst"

Der französische Autozulieferer Valeo hat ambitionierte Pläne: Jedes Jahr will er um acht Prozent wachsen. Im Interview erklärt Valeo-Chef Jacques Aschenbroich, wie der Angriff auf Bosch und Continental gelingen soll.

Bei Fahrassistenzsystemen sieht sich Valeo als führend. Quelle: AP

Zudem verfügt Valeo über genügend Geld, um seine Einkaufstour fortzusetzen. Im vergangenen Geschäftsjahr machte der Konzern mit 729 Millionen Euro rund 30 Prozent mehr Gewinn als im Vorjahr. Im März begaben die Franzosen zudem eine Anleihe in Höhe von 600 Millionen Euro. Bosch und Continental werden den französischen Konkurrenten in Zukunft besonders scharf beobachten müssen.

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