Valeo-Chef Aschenbroich: "Mit Übernahmen zerstört sich ein Unternehmen selbst"

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InterviewValeo-Chef Aschenbroich: "Mit Übernahmen zerstört sich ein Unternehmen selbst"

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Valeo-Chef Aschenbroich: "Valeo kann sich an der Börse noch sehr viel weiter entwickeln, wenn neue Investoren deshalb in Valeo investieren wollen, sind sie willkommen."

von Rebecca Eisert und Karin Finkenzeller

Der französische Autozulieferer Valeo hat ambitionierte Pläne: Jedes Jahr will er um acht Prozent wachsen. Im Interview erklärt Valeo-Chef Jacques Aschenbroich, wie der Angriff auf Bosch und Continental gelingen soll.

Monsieur Aschenbroich, wie viel Aufträge schnappen Sie ihren deutschen Konkurrenten Bosch oder Continental jedes Jahr weg?
Wir sind gegenüber den deutschen Konkurrenten sehr gut aufgestellt, ja sogar, wenn man so will, ein großes deutsches Unternehmen. 30 Prozent unserer Aufträge kommen von deutschen Kunden. In der Vergangenheit konnten wir unseren Konkurrenten in Europa nur marginal Marktanteile abnehmen. Das hat sich geändert. Was uns hat wachsen lassen, waren die neuen Produkte rund um das autonome Fahren und die Reduktion des CO2-Ausstoßes.

Wo sind Sie den Deutschen voraus?
Die deutschen Wettbewerber sind technologisch wirklich stark, aber in vielen Bereichen, wie zum Beispiel der Fahrassistenz, sind wir weltweit die Nummer eins. Da fahren uns die deutschen Wettbewerber hinterher.

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Zur Person

  • Jacques Aschenbroich

    Jacques Aschenbroich ist Vorstandsvorsitzender und Aufsichtsratsmitglied bei Valeo. Er führt den französischen Autozulieferer seit 2009. Zuvor hatte er mehrere Positionen bei der französischen Regierung inne und war in den Jahren 1987 und 1988 im Büro des Premierministers tätig. Anschließend wechselte er in die Industrie und war von 1988 bis 2008 bei dem französischen Industriekonzern Saint-Gobain tätig.

Sie wollen den Umsatz von zuletzt knapp 13 Milliarden Euro bis 2020 auf 20 Milliarden steigern, glauben aber nicht, dass Sie dadurch den Anteil des Geschäfts mit deutschen Autoherstellern steigern können. Gibt es in Deutschland für Valeo nicht mehr zu holen?
Wir wollen jedes Jahr acht Prozent wachsen, das scheint mir sehr realistisch. 2014 lag unser Auftragseingang bei 17,5 Milliarden Euro. Das ist doppelt so viel wie vor der Finanzkrise. Die deutsche Kundschaft wird nach unserer Planung 2020 noch immer ein Drittel des Geschäfts ausmachen. Wir gehen also auch hier von einem jährlich Wachstum von acht Prozent aus.

Wollen Sie dazu andere Zulieferer, etwa in Deutschland, übernehmen?
Wir wollen hauptsächlich organisch wachsen. Ein Unternehmen, das nicht aus sich selbst heraus wächst, zerstört sich selbst. Wenn wir durch Übernahmen wachsen, dann über unsere Ziele hinaus. Wir sind zwar grundsätzlich bereit für Akquisitionen, aber sie müssen wirtschaftlich sinnvoll sein und uns eine Führungsposition verschaffen sowie rentabel sein. Nötig haben wir sie aktuell nicht. Wenn sich die Gelegenheit bietet, könnten wir ein fünftes Geschäftsfeld dazukaufen.

Die zehn größten deutschen Autozulieferer

  • Platz 10: Brose

    Umsatz 2013: 6,2 Milliarden US-Dollar

    Aus Coburg kommen die Sitzsysteme, Türmodule, Fensterheber und Schließsysteme von Brose. 22.000 Menschen arbeiten für das Familienunternehmen, das bereits seit 1908 existiert.

    Quelle des Rankings: Automobilwoche Stand Juli 2014

  • Platz 9: Hella

    Umsatz 2013: 6,7 Milliarden US-Dollar

    In Lippstadt in Nordrhein-Westfalen produziert Hella mit rund 29.000 Mitarbeitern Licht- und Elektroniksysteme für den Fahrzeugbau. Das Unternehmen blickt auf eine lange Historie zurück. Der Grundstein wurde bereits 1899 gelegt.

  • Platz 8: Benteler Automobiltechnik

    Umsatz 2013: 7,7 Milliarden US-Dollar

    Fahrwerkteile, Abgassysteme, Umformtechnik und Rohre – das sind die Komponenten, die Benteler Automobiltechnik mit weltweit rund 20.850 Mitarbeitern entwickelt und produziert. Zum 1. September 2014 hat Benteler zwei Teilbetriebe aus der insolventen Wilco Wilken Lasertechnik übernommen, um seine Kompetenz in diesem Bereich zu verstärken.

  • Platz 7: Schaeffler

    Umsatz 2013: 8,1 Milliarden US-Dollar

    Von Herzogenaurach aus schickt Schaeffler seine weltberühmten Wälzlager, aber auch Motoren- und Getriebeelemente, sowie Kupplungs- und Antriebstechnik rund um den Globus. Schaeffler übernahm 2008 Continental und bürdete sich damit einen riesigen Schuldenberg auf, den das Unternehmen in den nächsten Jahren nur mühsam abstottern konnte. Die Schaeffler-Gruppe hat rund 76.000 Mitarbeiter.

  • Platz 6: Mahle

    Umsatz 2013: 8,5 Milliarden US-Dollar

    Die Stuttgarter beliefern Autobauer weltweit mit Kolben, Lagern, Ventiltrieben, Filtersystemen, Turboladern und Klimaanlagen. Rund 65.000 Menschen arbeiten für das Traditionsunternehmen, das 1920 gegründet wurde. 2010 fusionierte Mahle mit dem Klimaanlagenbauer Behr und stieg damit damals unter die Top 4 der größten deutschen Automobilzulieferer auf.

  • Platz 5: BASF

    Umsatz 2013: 12,3 Milliarden US-Dollar

    Der Chemieriese aus Ludwigshafen am Rhein beliefert die Autobauer mit Lacken, Kunststoffen und Katalysatoren. Für die „Badische Anilin- & Soda-Fabrik“ so der ursprüngliche Name des Konzerns bei seiner Gründung 1865, arbeiten mittlerweile 112.000 Menschen.

  • Platz 4: ThyssenKrupp

    Umsatz 2013: 12,4 Milliarden US-Dollar

    Der Stahlkonzern aus Essen verdient an der Automobilindustrie mit dem Verkauf von Karosserieteilen, Fahrwerksmodulen, Antriebssträngen, Lenksystemen und Aufhängungen. Insgesamt arbeiten 157.000 Menschen für ThyssenKrupp.

  • Platz 3: ZF Friedrichshafen

    Umsatz 2013: 20,4 Milliarden US-Dollar

    Der Zulieferer vom Bodensee lässt er derzeit richtig krachen. Für umgerechnet 9,6 Milliarden Euro übernimmt der Spezialist für Getriebe- und Lenksysteme den amerikanischen Konkurrenten TRW-Automotive, der 2013 einen Jahresumsatz von 17,4 Milliarden Dollar erzielte.
    Damit strebt ZF die größte Übernahme durch ein deutsches Unternehmen seit der Finanzkrise an. TRW fertigt in erster Linie Sicherheitsprodukte wie Airbags, Gurte, Brems- oder Fahrerassistenzsysteme und ergänzt damit ZF perfekt. Das US-Unternehmen TRW soll als separater Geschäftsbereich im ZF-Konzern geführt werden. Da es keine Überschneidungen gebe, blieben alle Standorte erhalten, erklärte ZF-Chef Stefan Sommer. Die Transaktion soll in der ersten Jahreshälfte 2015 abgeschlossen werden
    Bisher arbeiten rund 72.000 Menschen für ZF, dazu kommen weitere 65.000 von TRW.

  • Platz 2: Continental

    Umsatz 2013: 33,5 Milliarden US-Dollar

    Der Konzern mit Sitz in Hannover stellen neben Reifen und Sicherheitssysteme auch Bremsanlagen und Türsysteme her. Etwa 180.000 Menschen arbeiten für Continental. Seit 2008 ist Continental Teil der Schaeffler-Gruppe.

  • Platz 1: Bosch

    Umsatz 2013: 40,2 Milliarden US-Dollar

    Der Stuttgarter Technologiekonzern stellt nicht nur Kühlschränke und Bohrmaschinen her. Kerngeschäft sind Komponenten für die Automobilindustrie wie Einspritzsysteme, Fahrwerke, Energieversorgungs- und Navigationssysteme. Für den Gesamtkonzern arbeiten weltweit über 280.000 Menschen.

Könnten Sie sich umgekehrt vorstellen, dass jemand ein Interesse daran haben könnte, Valeo zu kaufen?
Das fragen Sie mich? Nun ja. Ich denke wir haben Investoren, die den ganzen Weg mit uns gehen wollen. In den vergangenen Jahren haben wir uns beeindruckend entwickelt. Seit 2007 haben wir den Firmenwert auf aktuell 11,24 Milliarden Euro verfünffacht. Jedes Jahr haben wir uns an der Börse besser entwickelt als alle anderen Unternehmen im französischen Aktienindex CAC 40. Und wir sind schneller gewachsen als die europäische oder amerikanische Autoindustrie. Ich glaube, unsere Investoren haben Vertrauen in uns.

Wäre Valeo zu teuer für einen neuen Eigentümer?
Valeo kann sich an der Börse noch sehr viel weiter entwickeln, wenn neue Investoren deshalb in Valeo investieren wollen, sind sie willkommen.

Krankes System Die brutalen Methoden der Autokonzerne gegen Zulieferer

Noch nie waren die Methoden der Autokonzerne gegenüber kleinen und mittelgroßen Subunternehmern so brutal. Und die Umgangsformen drohen weiter zu verrohen, weil Volkswagen, BMW und Co. Milliarden sparen wollen.

Auto-Zulieferer geraten zunehmend unter Druck Quelle: dpa Picture-Alliance

Mit dem hessischen Spezialisten Peiker für Kommunikationssysteme, dem Fahrassistenz-Experten Mobileye aus Israel und dem französischen Rüstungsunternehmen Safran haben Sie wichtige Partner gefunden, um neue Technologien für das Auto der Zukunft zu entwickeln. Suchen Sie weitere?
Für mich sind zwei Dinge entscheidend: Innovation und Entwicklungsgeschwindigkeit. Für Innovationen braucht man die notwendigen Technologien. Die kann man selbst entwickeln. Partner können helfen, die Geschwindigkeit zu erhöhen. Gibt es Gelegenheit, solche Partner zu finden, die uns dabei helfen? Vielleicht. Die wichtigsten Technologiefelder deckt Valeo bereits ab.

Können Sie sich vorstellen, mit dem amerikanischen Smartphone-Hersteller Apple zu kooperieren, wenn dieser nach dem iPhone nun vielleicht ein iCar entwickelt?
Ich habe wirklich keine Ahnung, was Apple plant. Ich kann nur sagen, wenn ein neuer Spieler auftaucht wie der amerikanische Elektroautohersteller Tesla, dann arbeiten wir auch mit diesem zusammen.

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