Verkaufsstart F-Type: Jaguar röhrt sich zurück ins Leben

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Verkaufsstart F-Type: Jaguar röhrt sich zurück ins Leben

von Rebecca Eisert

Jaguar ist zurück. Der F-Type rollt zu den Händlern. Ein solches Comeback hätte der Marke kaum jemand zugetraut. Wie die Wiedergeburt gelang und was das Raubkatzen-Label und Offroad-Schwester Land Rover in petto haben.

Endlich faucht sie wieder. Fauchen? Nein, es ist ein Brüllen und Bollern, ein Knallen und Schnurren, dass Motorsportfreunden die Tränen in die Augen treibt. Mehr als 50 Jahre nach dem legendären E-Type setzt Jaguar ab heute mit dem neuen Roadster F-Type bei den Händler zum großen Sprung an. Mit drei Modellen vom V6 Einsteigermodell, der Sportversion F-Type S bis zum Achtzylinder-Topmodell will Jaguar Porsche Boxster und 911er Konkurrenz machen.

F-Type: Die Modellvarianten im Detail

  • F-Type

    Die kleinste Variante bringt einen 340 PS-starken 6-Zylinder-Motor mit. Von 0 auf 100 km/h röhrt die Katze in 5,3 Sekunden;  Höchstgeschwindigkeit: 260 km/h. Verbrauch: 9 l/100 km; CO2-Emissionen: 209 g/km

    Preis: ab 73.400 Euro

  • F-Type S

    Die Sportversion hat ebenfalls eine 6-Zylinder Maschine, bringt aber mit 380 satte 40 PS mehr mit als die Einsteigervariante. Die 100 km/h sind deshalb auch schon nach nach 4,9 Sekunden erreicht und Schluss ist erst bei 275 km/h Spitzengeschwindigkeit. Laut Jaguar verbraucht die S-Version 9,1 l/100 km und pustet 213 g/km CO2 in die Luft.

    Preis: ab 84.900 Euro

  • F-Type V8 S

    Die Topversion bringt den 5.0 Liter V8 Kompressor mit sportlichen 495 PS mit. Für den Sprint auf 100 km/h braucht der 1665 kg schwere Wagen eine volle Sekunde weniger als das Einsteigermodell, nur 4,3 Sekunden. Dafür pustet er mit 259 g CO2/km auch deutlich mehr Abgase in die Luft und schluckt rund 11,1 l/ 100 km.

    Preis: ab 99.900 Euro

Der Sound der 495-PS-Maschine ist gewaltig. So gewaltig, dass die Einwohner an der Teststrecke rund um das spanische Städtchen Pamplona – bekannt für seine Stierläufe – die Polizei zu Hilfe rufen. Die Boliden mögen doch bitte etwas leiser durch ihre Gassen rollen. Dem ist schnell entsprochen – ein kleine Taste mit einem Auspuffsymbol sorgt für ein Diminuendo. Der F-Type kann auch leiser. Allerdings nicht all zu sehr. Man hat den Eindruck, die Briten konnten sich nach 50 Jahren Wartezeit nicht mehr zurückhalten.

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Sie röhren sich so inbrünstig zurück in die Herzen der Sportwagenfans, dass man sich an Fehltritte unter der wenig rühmlichen Ford-Herrschaft kaum mehr erinnern mag – wie etwa den X-Type, der weitgehend baugleich mit dem Ford-Mondeo viele Fans der britischen Edelmarke nachhaltig verschreckte.

Vergessen sind die Fehler der Vergangenheit. Jaguar und die Schwestermarke Land Rover stehen heute besser da als je zuvor. Im Geschäftsjahr 2011/2012 verkauften die Briten weltweit fast 358.000 Autos – ein Drittel mehr als im Vorjahr. Der Umsatz schwoll um fast 40 Prozent auf 16,9 Milliarden Euro an. Der Nettogewinn verdreifachte sich von auf 1,9 Milliarden Euro. Vor allem auf dem deutschen Markt läuft es weiterhin hervorragend. 2012 setzte Land Rover in Deutschland 56 Prozent mehr Autos ab, im ersten Quartal 2013 legt die SUV-Marke nochmals um 16 Prozent auf nun 3540 Einheiten zu. Verkaufsschlager ist der kleine SUV Evoque. Auch Jaguar legte in von Januar bis März im Vergleich zum Vorjahr um fast acht Prozent auf gut 1000 Neuzulassungen zu – eine Folge der gelungenen Einführung des XF Sportbrake. Der Kombi macht wett, was im schwächelnden Limousinen-Markt verloren ging.

Der Erfolg von Jaguar-Land-Rover ist das Ergebnis einer ebenso exotischen wie fruchtbaren Zusammenarbeit. Der gebürtige Franke Ralf Speth, der indische Großindustrielle Ratan Tata und der schottische Designer Ian Callum haben Jaguar-Land Rover wieder in die Spur gebracht – unter schwierigsten Bedingungen. Als Tata 2008 Jaguar von Ford übernahm, war vom Markenkern nicht mehr viel übrig und noch viel weniger an finanziellen Ressourcen. Tata kaufte die Briten für 2,3 Milliarden US-Dollar – viel zu viel wie Analysten damals unkten. Sie irrten. Bloomberg schätzt den heutigen Wert der Marke auf 14 Milliarden Dollar. Speth hält mit den indischen Managern engen Kontakt. Bis vor einigen Monaten lenkte der 75-jährige Ratan Tata die Geschicke, nun ist sein Nachfolger Cyrus Mistry erster Ansprechpartner.

Auch der habe wie Tata Benzin im Blut, lobt Jaguar-Chef Speth im Gespräch mit WirtschaftsWoche Online. Gerüchte, dass Tata die Marken verkaufen bzw. an die Börse bringen wolle, kann er nicht bestätigen, fügt aber schnell hinzu: „Da müssen sie Herrn Mistry schon selbst fragen.“ Speth glaubt, das wird im Verlauf des Gesprächs deutlich, an eine langfristige Zukunft im Tata-Konzern. “Ich glaube, dass Herr Mistry das Automobilgeschäft als sehr wertvoll ansieht und uns alle Möglichkeiten gibt, uns weiter zu entwickeln“. Wenn auch im Rahmen. „Wir werden uns immer aus dem eigenen free cashflow finanzieren müssen. Wir können keine Zusatzunterstützungen aus dem Konzern bekommen. Das war eine einmalige Sache.“

Speth spielt damit auf die rund eine Milliarde britische Pfund an, die Tata im Zuge der Finanzkrise auf das Konto der Briten überweisen musste. „Zwischenzeitlich haben wir alle zusätzlichen Verbindlichkeiten zurückbezahlt“, betont Speth.

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