Volkswagen-Abgas-Skandal: +++Kunden wenden sich von VW ab+++

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Volkswagen-Abgas-Skandal: +++Kunden wenden sich von VW ab+++

, aktualisiert 05. Oktober 2015, 17:22 Uhr
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Die VW-Aktie ist unter 90 Euro gefallen

VW arbeitet weiter an der Aufklärung der Abgasaffäre. Laut Medienberichten kommt die interne Revision langsam voran. Bei aller Gründlichkeit ist auch Eile geboten: Aktienkurs und Markenwert sacken weiter ab.

+++Viele potenzielle Kunden wenden sich von VW ab+++

Im Abgas-Skandal wenden sich viele potenzielle Käufer von VW ab. In einer aktuellen Erhebung des Marktforschers puls, aus dem die "Automobilwoche" zitiert, sagten elf Prozent jener Befragten, die bislang am Kauf eines VW interessiert waren, dass sie nun kein Auto dieser Marke mehr kaufen wollten. Weitere 35 Prozent sagten, sie würden nun abwarten, wie sich die Dinge entwickelten. Allerdings sagten auch 54 Prozent, sie seien immer noch am Kauf eines VW interessiert.

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BrandIndex Die dunkle Seite von Volkswagen

Die Abgas-Manipulation von Volkswagen ist nicht nur ein Medien-Hype. Die Deutschen interessieren sich für das Thema, sprechen darüber und registrieren negative Meldungen über VW – und die anderen Marken des Konzerns.

Greenpeace-Aktivist im Jahr 2011: Bereits damals sah die Umweltorganisation die dunkle Seite des Autokonzerns. Quelle: dpa

Dabei hält die Mehrheit den Abgas-Skandal nicht für eine reine VW-Angelegenheit. 67 Prozent sind der Meinung, dass auch andere Autobauer bei den Abgaswerten tricksen. Nur elf Prozent gehen davon aus, dass sich der Skandal auf die Marke VW beschränkt.
Weitere 50 Prozent glauben, dass die deutschen Autobauer durch den Skandal an Ansehen verloren haben, 48 Prozent sehen diesen Effekt für das Qualitätssiegel "Made in Germany". Zudem sagen 41 Prozent, das Vertrauen in VW sei nachhaltig beschädigt. Nur 29 Prozent gehen dagegen von einer schnellen Erholung aus. Für die Erhebung wurden zwischen dem 30. September und dem 2. Oktober 557 Personen befragt. Darunter 283 Personen, die vor dem Skandal am Kauf eines VW interessiert waren.

+++ Regierung will Diesel-Besteuerung unverändert lassen+++

In der Bundesregierung gibt es keine Pläne, die Besteuerung von Diesel-Kraftstoff zu verändern, wie eine Sprecherin des Finanzministeriums sagt. Nach dem Skandal stellt Großbritannien Subventionen für Diesel-Fahrzeuge infrage. Auch Frankreichs Umweltministern Segolene Royal hatte angekündigt, ihr Land wolle die finanziellen Vorteile für Diesel in den nächsten fünf Jahren abschaffen.

+++Porsche-Betriebsrat stärkt früherem VW-Motoren-Entwickler den Rücken+++

Der frühere VW-Motoren-Entwickler Wolfgang Hatz bekommt Rückendeckung vom Betriebsratschef seines jetzigen Arbeitgebers Porsche. Arbeitnehmervertreter Uwe Hück sagte den "Stuttgarter Nachrichten", der derzeit beurlaubte Porsche-Entwicklungsvorstand habe ihm sein Wort gegeben, dass er mit den Abgas-Manipulationen bei Volkswagen nichts zu tun habe. "Auch für ihn gilt selbstverständlich die Unschuldsvermutung", meinte Hück.

Da es aber "zeitlich kritische Überschneidungen" gebe, müsse dem Thema nachgegangen werden, sagte der Porsche-Betriebsratschef. Wenn die Unschuld nachgewiesen sei, "kehrt er mit reingewaschener Weste ins Unternehmen zurück. Wenn nicht, wird reagiert wie bei allen anderen auch." Der 56-jährige Hatz war von 2007 bis 2011 bei VW als Generalbevollmächtigter für die Motoren-Entwicklung zuständig, danach wurde er Porsche-Vorstand für Forschung und Entwicklung.

Der VW-Abgas-Skandal im Überblick

  • 18. September

    Die US-Umweltbehörde EPA teilt in Washington mit, Volkswagen habe eine spezielle Software eingesetzt, um die Messung des Schadstoffausstoßes bei Abgastests zu manipulieren. In den Tagen darauf wird klar, dass weltweit Fahrzeuge von VW und der Töchter betroffen sind – darunter auch Audi und Porsche. Die VW-Aktie bricht ein.  

  • 23. September

    VW-Chef Martin Winterkorn tritt nach einer Krisensitzung der obersten Aufseher zurück. Die Staatsanwaltschaft Braunschweig prüft die Einleitung eines Ermittlungsverfahrens gegen VW. Anlass dafür seien auch eingegangene Strafanzeigen von Bürgern, heißt es.

  • 24. September

    Der VW-Aufsichtsrat tagt. Nach langer Sitzung beruft das Gremium Porsche-Chef Matthias Müller zum neuen Konzernchef und trifft einige weitere Personal- und Strukturentscheidungen. Verantwortliche Motorenentwickler werden beurlaubt.

  • 28. September

    Nach mehreren Strafanzeigen startet die Braunschweiger Staatsanwaltschaft ein Ermittlungsverfahren wegen Betrugsvorwürfen. Entgegen einer ersten Pressemitteilung der Staatsanwaltschaft Braunschweig gibt es keine Ermittlungen gegen Ex-Chef Martin Winterkorn persönlich.

  • 1. Oktober

    Das Aufsichtsrats-Präsidium beschließt, Hans Dieter Pötsch per registergerichtlichen Anordnung in den Aufsichtsrat zu berufen. Das ist möglich, weil mehr als 25 Prozent der Aktionäre Pötsch favorisiert haben. Die Familien Porsche und Piëch, die Pötsch gegen die Bedenken des Landes Niedersachsens und der Arbeitnehmer durchgesetzt haben, halten über die Porsche SE rund 52 Prozent der VW-Anteile. Julia Kuhn-Piëch, die erst dieses Jahr nach dem Rücktritt von Ferdinand und Ursula Piëch in das Kontrollgremium aufgerückt war, verlässt den Aufsichtsrat wieder.

  • 6. Oktober

    Es ist klar, dass die betroffenen VW-Fahrzeuge in die Werkstatt müssen, damit die Schummel-Software verschwindet. Bei einigen Motorenwerden die Techniker selbst Hand anlegen müssen. Eine Rückruf-Aktion, so wird es am nächsten Tag bekannt werden, soll 2016 starten. Die geschäftlichen und finanziellen Folgender Krise sind nicht absehbar. Die Kosten der Abgas-Affäre werden jedoch enorm sein. Der neue Chef muss sparen: "Deshalbstellen wir jetzt alle geplantenInvestitionen nochmal auf denPrüfstand", kündigt Müller an.

  • 15. Oktober

    Das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) ordnet einen verpflichtenden Rückruf aller VW-Dieselautos mit der Betrugssoftware an. In ganz Europa müssen 8,5 Millionen, in Deutschland 2,4 Millionen Wagen in die Werkstatt. VW hatte eine freiwillige Lösung angestrebt.

  • 28. Oktober

    Der Skandal beschert dem Konzern im dritten Quartal einen Milliardenverlust. Vor Zinsen und Steuern beläuft sich das Minus auf rund 3,5 Milliarden Euro.

  • 3. November

    Der Skandal erreicht eine neue Dimension. VW muss - nach weiteren Ermittlungen der US-Behörden - einräumen, dass es auch Unregelmäßigkeiten beim Kohlendioxid-Ausstoß (CO2) gibt. Rund 800.000 Fahrzeuge könnten betroffen sein. Die VW-Aktie geht erneut auf Talfahrt.

  • 20. November

    Der Diesel-Skandal in den USA weitet sich aus. Erneut. Es seien mehr Drei-Liter-Diesel der Marken Volkswagen und Audi betroffen, als bislang angenommen, erklärt die US-Umweltbehörde EPA. Die Autobauer bestreiten dies zunächst. Wenige Tage später, am 24. November, müssen sie allerdings  einräumen, ein sogenanntes „Defeat Device“ nicht offengelegt zu haben. Die Software gilt in den USA als illegal.

    Die Auswirkungen des Skandal zwingen VW zudem zum Sparen: VW fährt die Investitionen für das kommende Jahr runter. 2016 sollen die Sachinvestitionen um eine Milliarde Euro verringert werden. „Wir fahren in den kommenden Monaten auf Sicht“, sagt VW-Chef Müller. Weitere Ausgaben bleiben auf dem Prüfstand.

  • 24. November

    Neuer Ärger für Volkswagen: Die Staatsanwaltschaft Braunschweig ermittelt nun auch wegen mögliche Steuerhinterziehung im Zusammenhang mit falschen CO2-Angaben. Die könnten dazu geführt haben, dass zu wenig Kfz-Steuer gezahlt wurde.

  • 25. November

    Zumindest etwas Positives für die Wolfsburger: Zur Nachrüstung der millionenfach manipulierten Dieselmotoren mit 1,6 Litern Hubraum in Europa reicht nach Angaben von Volkswagen ein zusätzliches, wenige Euro teures Bauteil aus. Bei den 2,0-Liter-Motoren genügt ein Software-Update. Das Kraftfahrtbundesamt genehmigt die Maßnahmen. Auch wenn VW keine Angaben zu den Kosten macht – es hätte schlimmer kommen können.

Die VW-Tochter Porsche ist von dem Diesel-Skandal nicht betroffen, die bemängelten Vierzylinder-Motoren hat der Sport- und Geländewagen-Hersteller nicht im Programm. Hück nannte die Abgasmanipulationen bei VW "unnötig wie einen Kropf". Nach dem Bekanntwerden habe er sich gefragt: "Wie kann man denn nur so blöd sein?" VW habe sehr viel Kundenvertrauen zerstört, sagte Hück. Solches Vertrauen wieder aufzubauen, dauere sehr lang.

+++VW-Aktie verliert weiter+++

Weiter abwärts ging es für die Papiere von Volkswagen, die bis auf 86,36 Euro absackten und damit auf den tiefsten Stand seit fünf Jahren fielen. Einem Zeitungsbericht zufolge gestanden mehrere Mitarbeiter Manipulationen der Abgaswerte ein. VW wollte den Bericht aber nicht kommentieren. Zudem standen im weltweit zweitgrößten VW-Werk im mexikanischen Puebla am Samstag die Bänder still, und der Konzern stoppte in Australien den Verkauf einiger Dieselmodelle.

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