Volkswagen-Abgasaffäre: "Manipulieren und Volkswagen, das darf nie wieder vorkommen"

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Volkswagen-Abgasaffäre: "Manipulieren und Volkswagen, das darf nie wieder vorkommen"

, aktualisiert 22. September 2015, 19:19 Uhr
von Katja Joho

VW-Chef Martin Winterkorn hat sich in einem Video-Statement für die Abgas-Manipulationen in den USA entschuldigt und um Zeit zur Aufklärung der Affäre gebeten. Wie ein Markenexperte den Auftritt bewertet.

"Manipulieren und Volkswagen, das darf nie wieder vorkommen", sagte Volkswagen-Chef Martin Winterkorn in einem Video-Statement, das auf der Webseite des Konzerns veröffentlicht wurde. "Es tut mir unendlich leid, das wir dieses Vertrauen enttäuscht haben", sagt Winterkorn. "Ich entschuldige mich in aller Form bei unseren Kunden, den Behörden und der Öffentlichkeit für unser Fehlverhalten."

Er kündigte umfassende Aufklärung an und bat um Vertrauen. "Ich gebe Ihnen mein Wort, bei all dem werden wir mit der nötigen Transparenz und Offenheit vorgehen." Eine solche Manipulation dürfe es nie wieder geben. "Wir sind dabei die Hintergründe schonungslos aufzuklären", so Winterkorn, "dazu kommt in diesen Stunden alles auf den Tisch". Dazu werde der Konzern weiterhin eng mit den Behörden zusammenarbeiten. "Eine schnelle und umfassende Aufklärung" habe höchste Priorität, sagte der VW-Chef im Video. Volkswagen wolle alles tun, um das Vertrauen der Kunden Schritt für Schritt zurückzugewinnen.

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Stimmen zum Abgas-Skandal bei VW

  • Bernd Osterloh, VW-Betriebsratschef

    Osterloh fordert im Skandal um manipulierte Abgastests in den USA ein entschiedenes Durchgreifen auch innerhalb des Konzerns. „Das muss jetzt mit aller Konsequenz und Offenheit aufgeklärt werden; und wir müssen Konsequenzen daraus ziehen“, sagte er dem Magazin „Stern“. Die Verantwortlichen müssten zur Rechenschaft gezogen werden. Osterloh, der als einer der mächtigsten Männer bei Volkswagen auch Mitglied des Aufsichtsrats ist, äußerte sich geschockt über die Vorwürfe und forderte: „Wir müssen verloren gegangenes Vertrauen bei unseren Kunden zurückgewinnen.“ Vor allem Konzernchef Martin Winterkorn stehe dabei nun in der Pflicht.

  • Stephan Weil, Niedersachsens Ministerpräsident und VW-Kontrolleur

    „Eine Manipulation von Emissionstests ist völlig inakzeptabel und durch nichts zu rechtfertigen“, sagte der SPD-Politiker, der als amtierender Regierungschef in Niedersachsen Mitglied im Präsidium des Aufsichtsrates von VW ist. „Es muss selbstverständlicher Anspruch des VW-Konzerns sein, die gesetzlichen Vorschriften einzuhalten.“ Er habe die Nachricht "mit Besorgnis zur Kenntnis genommen. Die gegen VW in den USA erhobenen Vorwürfe wiegen schwer“, sagte Weil. Er gehe davon aus, dass diese Vorfälle „schnell und gründlich aufgeklärt werden. Erst danach kann über mögliche Folgen entschieden werden."

  • Angela Merkel, Bundeskanzlerin

    Bundeskanzlerin Angela Merkel hat eine rasche und volle Aufklärung der Abgas-Manipulationen des Volkswagen-Konzerns gefordert. Merkel sprach sich „angesichts der schwierigen Lage“ für „volle Transparenz“ aus und forderte: „Ich hoffe, dass möglichst schnell die Fakten auch auf den Tisch kommen.“

  • Sigmar Gabriel, Wirtschaftsminister

    Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) hat die Abgas-Manipulationen scharf kritisiert. Der Vizekanzler geht aber von keinem nachhaltigen Schaden für die deutsche Industrie insgesamt aus. „Dass das ein schlimmer Vorfall ist, ist glaube ich klar“.Natürlich gebe es Sorge, dass der exzellente Ruf der deutschen Automobilindustrie und vor allem von Volkswagen darunter leidet: „Ich bin aber sicher, dass das Unternehmen schnell und restlos den Fall aufklären und die denkbar eingetreten Schäden wieder gut machen wird.“ Der Fall sei aber nicht typisch. „Der Begriff „Made in Germany“ ist weltweit ein Qualitätsbegriff.“ Deshalb müsse schnell aufgeklärt werden: „Aber ich glaube nicht, dass das ein dauerhafter und prinzipieller Schaden für die deutsche Industrie ist.“ Gabriel sprach sich dafür aus, Messfehler oder Manipulationen vielleicht einmal insgesamt zu überprüfen.

  • Umweltministerium

    Die Bundesregierung fordert von den Autoherstellern „belastbare Informationen“, um mögliche Manipulationen bei Abgastests auch in Deutschland prüfen zu können. Diese Überprüfung müsse durch das Kraftfahrtbundesamt vorgenommen werden, sagte ein Sprecher des Umweltministeriums. Er forderte zudem die Hersteller auf, eng mit den US-Behörden zusammenzuarbeiten, um eine „lückenlose Aufklärung“ zu ermöglichen. Der Sprecher sagte, seinem Haus lägen „keine weiteren Kenntnisse über mögliche Schummeleien deutscher Automobilproduzenten vor“.

  • Alexander Dobrindt, Verkehrsminister

    CSU-Verkehrsminister Alexander Dobrindt hat Volkswagen aufgefordert, Kunden "vollumfänglich aufzuklären", um dadurch Vertrauen zurückzugewinnen. Er betonte, die Regierung wolle selbst aktiv dafür sorgen, dass derartige Manipulationen in Zukunft nicht wieder vorkämen.

  • Ferdinand Dudenhöffer, Autoexperte

    Volkswagen-Chef Martin Winterkorn kann nach Meinung von Autofachmann Ferdinand Dudenhöffer angesichts des Abgas-Skandals in den USA nicht im Amt bleiben. Winterkorn, in dessen Verantwortung auch die konzernweite Forschung und Entwicklung falle, habe entweder von den Manipulationen gewusst oder aber er sei ahnungslos und habe seinen Geschäftsbereich nicht im Griff, sagte der Direktor des CAR-Instituts der Universität Duisburg-Essen der „Frankfurter Rundschau“. „In beiden Fällen würde ich sagen, dass Winterkorn an der Konzernspitze nicht mehr tragbar ist.“ Der „Westdeutschen Allgemeinen“ sagte er: „Jeder Politiker könnte bei einer solchen Angelegenheit nicht in seinem Amt bleiben.“

  • TÜV Süd

    In Europa werden die Auto-Abgaswerte nach Angaben des TÜV Süd bereits während der Produktion streng überwacht. „Da gibt es klare Regeln“, sagte ein Sprecher. Für alle Fahrzeuge, die in der EU zugelassen werden sollen, müssten die Hersteller externe Kontrollen sicherstellen. „Die Fahrzeuge werden nach dem Zufallsprinzip vom Band genommen und kontrolliert“, sagte er. Allein der TÜV Süd nehme pro Jahr mehr als tausend dieser Kontrollen vor.

  • BMW

    BMW ist nach eigenen Angaben von dem Skandal nicht betroffen. Bei Überprüfungen eines Dieselfahrzeugs habe es keine auffälligen Abweichungen der Werte gegeben, erklärte das Unternehmen. Bei BMW habe sich die EPA nicht gemeldet, hieß es in München. Wie sich der Skandal auf den Absatz von Diesel-Fahrzeugen in den USA auswirken werde, lässt sich nach Einschätzung von BMW noch nicht beurteilen. Für BMW machen diese Fahrzeuge bislang erst einen kleinen Anteil aus: In den letzten Jahren habe der Absatz von Dieselwagen in den USA drei bis sechs Prozent des gesamten Absatzes ausgemacht - höchstens rund 20.000 Fahrzeuge jährlich.

  • Daimler

    Daimler ist nach eigenen Angaben nicht von den Ermittlungen der US-Umweltschutzbehörde EPA wegen Abgas-Manipulationen betroffen. "Es gibt nach unseren Erkenntnissen keine Untersuchungen zu Mercedes-Benz", teilte der Stuttgarter Konzern am Montag mit.

  • DIW

    Nach Meinung von Experten des DIW wird der VW-Abgasskandal im schlimmsten Fall auch die deutsche Konjunktur belasten. "Die Autoindustrie ist technologisch eine der Schlüsselbranchen, es ist die Leitindustrie schlechthin in Deutschland", sagt Industrieexperte Martin Gornig vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung. "Wenn es zu Absatzeinbußen kommt, könnte es auch Zulieferer treffen und damit die gesamte Wirtschaft."

  • BDI

    Ulrich Grillo, Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Industrie, hat von VW eine schnelle Aufklärung des Abgasskandals gefordert. "Wir kritisieren jegliche Manipulation scharf", sagte er. "Jedes Unternehmen muss sich an die geltenden Regeln halten." Er begrüße aber, dass VW die Vorwürfe von unabhängigen Fachleuten prüfen lassen wolle. "Jedes Fehlverhalten muss lückenlos aufgeklärt werden. Jetzt helfen nur Transparenz, Offenheit und Tempo."

An einen Rücktritt wegen der Vorwürfe um Abgas-Manipulationen in den USA scheint Winterkorn aber vorerst nicht zu denken. Es wäre falsch, wenn wegen der schlimmen Fehler einiger weniger, die ehrliche Arbeit von 600.000 Menschen unter Generalverdacht gerät, sagte Winterkorn "Deshalb bitte ich um ihr Vertrauen auf unserem weiteren Weg."

Wie viel wie schnell dabei ans Licht kommen wird, ist laut dem Markenexperten Jürgen Gietl von der Managementberatung Brand Trust für die Marke Volkswagen entscheidend. "Die große Frage wird der Leistungsbeweis sein", sagt Gietl.

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Das Video selbst sei profesionell gemacht, aber am Ende wirke das Ganze sehr gewollt und Martin Winterkorns Auftritt doch zu blass, schätzt der Markenexperte, um der Marke damit zu helfen: "Was alle erwarten, ist ein persönliches Verantwortungsbewusstsein. Seine Kernbotschaft ist, 'Wir klären das auf', aber es ist noch zu wenig. Verantwortung heißt nämlich auch, sich persönlich mitverantwortlich fühlen."

Eine Chance, damit die Marke Volkswagen aber zu stärken, bestehe trotzdem - dann, wenn der Autobauer in den nächsten Tagen beweist, dass die "schonungslose Auflärung" nicht nur eine leere Worthülse, sondern ein festes Vorhaben ist.

Wenn man zu seinen Schwächen stehe und kommuniziere, dass es auch einem persönlich nahe geht, dann könne eine Marke trotz Skandal punkten, erklärt Technologiemarken-Experte Gietl. "Diese Menschlichtkeit fehlt bei Winterkorns Statement ein wenig.

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Das Bild zeigt die Produktion von TDI-Motoren im Audi-Werk Györ im Jahr 2009. Quelle: AP

Infolge der Manipulationen war der Druck auf Winterkorn zuletzt stark gestiegen. Sein Vertrag sollte formal an diesem Freitag vorzeitig bis Ende 2018 verlängert werden. Die Wolfsburger hatten zuvor zugegeben, dass es weltweit Unregelmäßigkeiten bei rund elf Millionen Fahrzeugen gibt.

Wegen des Skandals muss Volkswagen Milliarden zurücklegen. Auch den für 2015 angepeilten Gewinn dürften die Wolfsburger nicht halten können. Bereits im dritten Quartal würden etwa 6,5 Milliarden Euro zurückgestellt, hieß es. An der Frankfurter Börse rutschte die Aktie daraufhin erneut ab - nach Milliardenverlusten schon am Montag.

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