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Volkswagen: Die sieben Gesichter des Ferdinand Piëch

von Martin Seiwert, Franz W. Rother und Eckhard Schimpf

In dieser Woche krönt Ferdinand Piëch sein Lebenswerk. Pünktlich zu seinem 75. Geburtstag wird VW endgültig ein Familienunternehmen des Porsche-Piëch-Clans. Wer ist der Mann, der seit fünf Jahrzehnten geduldig, gerissen und gnadenlos die automobile Weltherrschaft anstrebt?

Der VW-Konzern eilt von einem Rekord zum nächsten. Mitverantwortlich für diesen fast märchenhaften Aufstieg: Der Aufsichtsratsvorsitzender Ferdinand Piëch.

Nun hat ihm der Automobilclub ADAC den "Gelben Engel" verliehen. "Mit der Ehrung würdigt das ADAC Präsidium die langjährige Innovations- und Visionskraft des ehemaligen Vorstandsvorsitzenden der Volkswagen AG, der heute als Aufsichtsratschef den zwölf Marken umfassenden Konzern zum erfolgreichsten Automobilhersteller der Welt entwickeln möchte", wie der Automobilclub am Mittwoche mitteilte.

Bild: dapd

Sommer 1945, ein Gutshof im österreichischen Zell am See. Gutsherr Anton Piëch beaufsichtigt die Heuernte. Seine Hände stecken in den Hosentaschen, über dem Gürtel spannt sich ein Altherrenbäuchlein. Da kommt der achtjährige Sohn Ferdinand des Weges, haut dem Vater völlig unvermittelt mit einem Stock auf den Bauch und flieht. Der empörte Vater setzt ihm nach, erwischt den Bub und will ihn verdreschen, wird aber nach dem ersten Schlag von einem Besucher unterbrochen. Es ist ein Offizier der amerikanischen Besatzer, der zwei Autos beschlagnahmen will. „Es war ein seltsames Zusammentreffen“, erinnert sich Ferdinand Piëch später. „Die einzigen Hiebe, die ich je von meinem Vater bekam, und der Abgang zweier traumhafter Alfa Romeos.“

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Ferdinands turbulentes Leben

Dreiste Attacken, schmerzhafte Machtkämpfe, ein getrübtes Verhältnis zur eigenen Familie, schöne Autos – bis heute sind das die Ingredienzien des turbulenten Lebens von Ferdinand Piëch. Fast sieben Jahrzehnte nach der Kindheit auf dem Landgut ist der Sohn von VW-Pionier Anton Piëch und Enkel von Porsche-Gründer Ferdinand Porsche selbst zu einer Legende der Automobilindustrie geworden. Zeitlebens suchte er den Nervenkitzel und die Konfrontation. Er maß sich an den Besten, brach Regeln, verletzte Tabus, verstieß gegen Vorschriften. Vielen schien er wie wahnsinnig – größenwahnsinnig, erfolgsbesessen und technikvernarrt. Dabei blieb er kühl, vorausschauend und genial kalkulierend. Er teilte aus und musste auch einstecken. Meist aber kam er mit kleineren Blessuren davon – wie im Sommer 1945.

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Erfolg auf ganzer Linie

So brachte es Piëch zum langjährigen Audi- und Volkswagen-Chef, so sorgte er für das Zusammengehen von Porsche und VW, so trimmte er ohne Rücksicht auf Verluste oder Corporate-Governance-Regeln den VW-Konzern in Richtung Weltherrschaft. Während die anderen Autoriesen in Europa Mühe haben, schwarze Zahlen zu schreiben (Fiat-Chef Sergio Marchionne: „Nur ganz wenige Hersteller in Europa verdienen Geld“), eilt VW von Rekord zu Rekord. Auch persönlich läuft es blendend für Piëch: Er ist nicht nur Aufsichtsratschef, sondern zusammen mit den anderen Mitgliedern der Porsche-Piëch-Dynastie auch der größte Aktionär von VW.

Das lang ersehnte Familienunternehmen

In dieser Woche will der Porsche-Enkel das Lebenswerk krönen. Am Dienstag ist sein 75. Geburtstag, voraussichtlich am Mittwoch wird Audi den von Piëch seit Langem gewünschten Kauf des italienischen Motorradherstellers Ducati bekannt geben. Am Donnerstag dann soll auf der VW-Hauptversammlung Piëchs Vertrag als Aufsichtsratschef um fünf Jahre verlängert werden. Läuft alles wie von Piëch vorgesehen, zieht am selben Tag auch seine Frau Ursula in das Kontrollgremium ein. VW wird dadurch endgültig zum Familienunternehmen, denn dann gibt es auf der Kapitalseite nur noch einen unabhängigen Aufsichtsrat: Annika Falkengren, Chefin der schwedischen SEB-Bank.

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Eigentlich ganz anders

Zelebriert wird all das bei einer privaten Geburtstagsfeier am Samstag im Hotel Taschenbergpalais Kempinski in Dresden. Los geht es um 19.37 Uhr – passend zum Geburtsjahr Piëchs. Geschenke will er keine, die Gäste sollen an den Verein Mensch- und Tier-Therapie in Bayerisch Gmain spenden, einen heilpädagogischen Hof. Auf die Einladungskarten ließ Piëch in roter Schnörkelschrift noch einen Ausspruch des Dichters Ödön von Horváth drucken: „Ich bin nämlich eigentlich ganz anders, aber ich komme nur so selten dazu.“

Piechs sieben Gesichter

Ein verschämter Appell, doch bitte auch ihn, den Krieger und Grenzgänger, mal aus der Perspektive der Zuneigung zu betrachten? Man könnte es so deuten. Also wie ist Piëch, dieser unnahbare und undurchschaubare Zeitgenosse, wirklich? Was sagen wohlgesinnte Weggefährten, was die Opfer seiner Schachzüge? Und welche Überraschungen hat der Mann mit den sieben Gesichtern für seine letzten Jahre bei VW geplant?

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