Volkswagen-Hauptversammlung: Die sieben Fragen nach dem Piëch-Abgang

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Volkswagen-Hauptversammlung: Die sieben Fragen nach dem Piëch-Abgang

von Rebecca Eisert

Auf der Hauptversammlung am Dienstag müssen sich der VW-Vorstand und -Aufsichtsrat den Aktionären stellen. Welche Fragen die Anteilseigner nach dem Piëch-Abgang besonders beschäftigen.

1. "Wie stark ist Martin Winterkorn tatsächlich?"

Fünf von sechs Mitgliedern des Volkswagen-Aufsichtsratspräsidiums, des engsten Machtzirkels des Kontrollgremiums, haben sich hinter Vorstandschef Martin Winterkorn und gegen Chefaufseher Ferdinand Piëch gestellt. Der Gesamtbetriebsratsvorsitzende Bernd Osterloh machte ebenso Front gegen den Großaktionär und langjährigen VW-Übervater wie Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) und – besonders pikant – Piëchs Vetter Wolfgang Porsche.

Louise Kiesling und Julia Kuhn-Piëch Generationenwechsel im VW-Aufsichtsrat

VW hat die Nachfolge von Ferdinand und Ursula Piëch geregelt: Louise Kiesling und Julia Kuhn-Piëch ziehen als neue Aufsichtsratsmitglieder ein. Laut einem Bericht missfällt Ferdinand Piëch die Benennung seiner Nichten.

Ferdinand Piech und seine Frau Ursula Piech Quelle: AP

Zudem stellte das Aufsichtsratspräsidium Winterkorn eine Verlängerung seines Vertrages bis 2018 in Aussicht. Ob der knapp 68-Jährige die Verlängerung tatsächlich bekommt, wird von den Ergebnissen des laufenden Geschäftsjahrs abhängen. Die Zahlen für das erste Quartal waren schon mal überraschend gut. Nicht nur Piëch wird darauf drängen, dass Winterkorn die Schwachpunkte des Konzerns schnell beseitigt. Denkbar wäre auch, dass Winterkorn in den Aufsichtsrat wechselt – vorausgesetzt, der neue Aufsichtsratsvorsitzende ist ein Übergangskandidat. Die Regeln guter Unternehmensführung im Corporate Governance Kodex fordern eine zweijährige Pause zwischen Vorstandsposten und Aufsichtsratsmandat. VW hat den Kodex bisher aber selten streng befolgt.

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2. "Bleiben die Familien Porsche und Piëch Mehrheitsaktionäre?"

Nach der gescheiterten Übernahme von VW durch Porsche 2008 haben sich die Familien Porsche und Piëch als VW-Großaktionäre auf eine ausgeklügelte Eigentümerstruktur geeinigt. Diese ist nun in Gefahr. Die Stammaktien der Porsche Automobil Holding SE sind zu 100 Prozent im Besitz der Mitglieder der Familien Porsche und Piëch, wobei der Porsche-Zweig etwas mehr als die Hälfte der Papiere besitzt, Ferdinand Piëch werden mehr als 14 Prozent der Stammaktien zugerechnet. Die Porsche Holding SE hält wiederum 50,7 Prozent der Stammaktien an der VW AG und damit die Mehrheit der Stimmrechte am VW-Konzern.

Piëch und seine Figuren

  • Ferdinand Piëch

    Auf dem Weg des Ferdinand Piëch vom Audi-Manager auf den Aufsichtsratschefsessel des größten Autokonzerns Europas, blieb so mancher Top-Manager auf der Strecke. Die wichtigsten Stationen zusammengefasst.

  • 1988: Beerbt

    Nach fünf Jahren als Vize übernimmt Piëch bei Audi den Chefsessel von Wolfgang Habbel und baut die Marke mit den vier Ringen zur Premiummarke um. In die Ära des Vollblutingenieurs fällt die Entwicklung des Super-Diesels TDI sowie des Allradantriebs Quattro.

  • 1993: Abgeworben

    Als neuer VW-Chef wirbt Piëch den Einkaufschef José Ignacio López vom Konkurrenten General Motors (GM) ab, der die Preise der Zulieferer drücken soll. Wegen des Verdachts, GM-Betriebsgeheimnisse an VW verraten zu haben, muss Piëch 1996 López fallen lassen.

  • 1994: Vorgeschickt

    Piëch heuert das IG-Metall- und SPD-Mitglied Peter Hartz als VW-Personalchef an. Der führt die Vier-Tage-Woche ein und spart so 500 Millionen Euro Lohnkosten. Nachdem auffliegt, dass VW unter ihm Luxusreisen und Bordellbesuche für Betriebsräte finanzierte, muss Hartz gehen.

  • 2006: Ausradiert

    Als Piëch 2002 VW-Aufsichtsratschef wird, installiert er Ex-BMW-Chef Bernd Pischetsrieder als VW-Lenker. Der agiert eigenständig, macht Piëch-Ideen rückgängig. Fünf Jahre später schweigt Piëch demonstrativ, als er gefragt wird, ob Pischetsrieder im Amt bleibt. Kurz darauf holt er Winterkorn.

  • 2008: Verbrannt

    Jahrelang versuchte Porsche-Chef Wendelin Wiedeking unter der Aufsicht von Piëch VW zu übernehmen. Als dies scheitert, sagt Piëch auf die Frage von Journalisten, ob Wiedeking sein Vertrauen genieße: „Zurzeit noch. Das ,Noch‘ können Sie streichen.“ Wiedeking muss gehen.

In einem Vertrag haben sich die beiden Familien verpflichtet, mit einer Stimme im Aufsichtsrat der Porsche Automobil Holding zu sprechen. Das bedeutet: Erst nach der Abstimmung im Familienrat geben sie ihre Stimmen dort ab und wohl auch – Details des Vertrags sind nicht bekannt – im Kontrollgremium von VW.

Sollte Piëch diesen sogenannten Konsortialvertrag lösen können, stünde jedes Familien- und gleichzeitig Aufsichtsratsmitglied mit seiner Einzelmeinung da und müsste sich neue Verbündete im VW-Aufsichtsrat suchen – etwa das Emirat Katar, das 17 Prozent der Stimmrechte bei VW hält, oder das Land Niedersachsen mit seinen 20 Prozent. Ohne den Schulterschluss der beiden Familien in der Porsche Holding schwindet die Macht, bei VW durchzuregieren. Als Aufsichtsratsmitglied der Porsche SE hat Ferdinand Piëch aber immer noch großen Einfluss auf Volkswagen.

3. "Welche Auswirkungen hätte es, wenn Ferdinand Piëch seine Anteile verkaufen würde?"

Sollte Piëch sein Stimmrechtspaket in Höhe von rund 14 Prozent an der Porsche Automobil Holding SE – dem bisherigen Mehrheitseigentümer des Volkswagen-Konzerns also – verkaufen, würde dies die Machtverhältnisse in Wolfsburg erheblich verschieben: Volkswagen würde eine vergleichsweise gewöhnliche Aktiengesellschaft mit größerem Streubesitz. Der Einfluss des Landes Niedersachsen (20 Prozent der Stimmrechte) auf den Konzern würde dadurch wachsen. Und die Familie Porsche würde ihre Vormachtstellung verlieren.

Allerdings ist es schwer vorstellbar, dass die Familie Porsche nicht von ihrem vertraglich vereinbarten Vorkaufsrecht Gebrauch machen würde. Auch wenn Piëchs Anteile auf neue Aktionäre übergingen, hätte die Porsche Automobil Holding Milliardenrücklagen, mit denen sie weitere VW-Anteile kaufen könnte, um wieder auf über 50 Prozent zu kommen.

Spekuliert wird in Branchenkreisen etwa, dass die Familie Porsche den 17-prozentigen Stimmrechtsanteil von Katar am Volkswagen-Konzern übernehmen könnte.

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