Volkswagen Jahreszahlen: Freud' und Leid des Martin Winterkorn

Volkswagen Jahreszahlen: Freud' und Leid des Martin Winterkorn

von Sebastian Schaal

VW wird Rekordzahlen vorlegen. Umsatz, Gewinn und Verkäufe sind so hoch wie nie. Dennoch steht der Konzern vor großen Herausforderungen, die viel Zeit und Geld kosten werden.

Martin Winterkorn hat allen Grund zur Freude. Und auch nicht. 2014 hat der Volkswagen-Konzern zum ersten Mal mehr als 10 Millionen Autos verkauft und liegt nur noch ganz knapp hinter Marktführer Toyota. Winterkorns lange gehegter Plan zum Angriff auf die Weltspitze könnte so schon in diesem Jahr aufgehen – statt wie vorgesehen erst in drei Jahren.

Im vergangenen Jahr stellte der Mehrmarken-Konzern vor allem dank seiner Rendite-Perlen Audi und Porsche abermals Rekorde auf: Mit 12,7 Milliarden Euro Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) und 202,5 Milliarden Euro Umsatz erreichten die Wolfsburger mit Winterkorn an der Spitze Bestwerte. Diese Zahlen gab Volkswagen bereits Ende Februar am Rande einer Aufsichtsrats-Sitzung bekannt, Details präsentieren die Wolfsburger am Donnerstag.

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Sparprogramme der deutschen Autobauer

  • VW für Marke Volkswagen

    VW-Chef Martin Winterkorn will bis 2017 fünf Milliarden Euro pro Jahr sparen, da er sonst die Wettbewerbsfähigkeit und die Produktivität seines Konzern in Gefahr sieht. 2018 sollen sechs Prozent Umsatzrendite in den Büchern stehen, 2013 kamen nur 2,9 Prozent zusammen. Winterkorn hatte das Ziel ausgegeben bis 2018 Weltmarkführer werden zu wollen, die Rendite ist wichtiger Teil der Strategie. Sparen will Winterkorn beim Einkauf sowie geringeren Investitionen und Fixkosten. Er beklagte zudem zu hohe Kosten beim Bau neuer Fabriken sowie beim Anlauf neuer Modelle.

  • Daimler

    Daimler-Chef Dieter Zetsche fürchtet um das Rendite-Ziel von zehn Prozent. Deshalb hat er eine weitere Stufe des Programms „Fit for Leadership“ verordnet – was mittelfristig 3,5 Milliarden Euro pro Jahr einsparen soll. Das bis 2014 festgeschriebene Ziel einer Ausgabensenkung von zwei Milliarden Euro war nicht genug.

  • BMW

    Der Münchener Premium-Autobauer will bis 2020 drei bis vier Milliarden Euro pro Jahr sparen. Da berichtete das "Manager Magazin" am 18. Juni unter Berufung auf Konzernkreise. BMW-Chef Norbert Reithofer habe die Unternehmensberatung McKinsey mit der Ausarbeitung des Projekts beauftragt. Das Sparprogramm solle gewährleisten, dass die operative Umsatzrendite des Konzerns auch langfristig im angepeilten Korridor von acht bis zehn Prozent liege.

Doch es gibt auch zahlreiche Baustellen bei VW, die dem Konzernlenker die Sorgenfalten auf die Stirn treiben dürften.

  • Während sich die Autos in Europa gut verkauft haben, kam vor allem der Absatz der Hauptmarke VW in vielen Regionen nicht vom Fleck. Der Trend setzt sich auch 2015 weiter fort: In den USA lieferte VW im Februar 2,8 Prozent weniger Autos aus. In China, dem größten Markt der Wolfsburger, stiegen die Auslieferungen nur noch um 0,9 Prozent, im Januar waren sie sogar leicht gesunken. In Brasilien lieferte VW ein Fünftel weniger Autos aus als vor einem Jahr, in Russland sogar 40 Prozent weniger. „Die Situation in den Weltmärkten bleibt weiterhin angespannt“, sagt Vertriebsvorstand Christian Klingler.
  • Auch die renditestarke Konzerntochter Audi wird von China immer abhängiger, 2014 ging jeder Dritte verkaufte Audi in das Reich der Mitte. Im Gesamtjahr war das ein Absatzplus von 18 Prozent, doch auch bei Audi ist die Stimmung deutlich abgekühlt: Im Februar 2015 konnten die Ingolstädter in China nur noch um 4,2 Prozent zulegen.
  • Auf Europas größten Autobauer kommen große Anstrengungen zu, wenn der Konzern die CO2-Ziele einhalten will. Bis 2020 muss der Flottenausstoß nach Wünschen der EU-Kommission bei 95 Gramm CO2 liegen. Für die Zeit danach gibt es noch keine Vorgaben, es sind aber 60 bis 70 Gramm im Gespräch. Winterkorn sieht darin Industrieinteressen bedroht. Man dürfe es nicht zulassen, dass Europas Unternehmen im Wettbewerb behindert würden. „Die Gefahr ist leider größer denn je. Jedes Gramm CO2, das wir in Europa in der Flotte einsparen, kostet unseren Konzern fast 100 Millionen Euro im Jahr.“ Im ersten Halbjahr 2014 lag VW laut einer Studie des Center of Automotive Management bei 132,4 Gramm.

US-Absatz deutscher Hersteller 2000-2025

  • 2000

    Audi: 80.372 Einheiten, Marktanteil 0,5 Prozent

    BMW: 189.424 Einheiten, Marktanteil 1,1 Prozent

    Mercedes: 205.615 Einheiten, Marktanteil 1,2 Prozent

    Porsche: 22.926 Einheiten, Marktanteil 0,1 Prozent

    Volkswagen: 355.479 Einheiten, Marktanteil 2,1 Prozent

  • 2005

    Audi: 90.116 Einheiten, Marktanteil 0,5 Prozent

    BMW: 266.200 Einheiten, Marktanteil 1,6 Prozent

    Mercedes: 224.257 Einheiten, Marktanteil 1,3 Prozent

    Porsche: 31.934 Einheiten, Marktanteil 0,2 Prozent

    Volkswagen: 224.195 Einheiten, Marktanteil 1,3 Prozent

  • 2010

    Audi: 101.594 Einheiten, Marktanteil 0,9 Prozent

    BMW: 219.121 Einheiten, Marktanteil 1,9 Prozent

    Mercedes: 224.939 Einheiten, Marktanteil 1,9 Prozent

    Porsche: 25.322 Einheiten, Marktanteil 0,2 Prozent

    Volkswagen: 256.831 Einheiten, Marktanteil 2,2 Prozent

  • 2015 (Prognose)

    Audi: 180.372 Einheiten, Marktanteil 0,5 Prozent

    BMW: 357.967 Einheiten, Marktanteil 2,1 Prozent

    Mercedes: 381.279 Einheiten, Marktanteil 2,3 Prozent

    Porsche: 55.457 Einheiten, Marktanteil 0,3 Prozent

    Volkswagen: 373.756 Einheiten, Marktanteil 2,2 Prozent

    Quelle: IHS Global

  • 2020 (Prognose)

    Audi: 242.466 Einheiten, Marktanteil 1,4 Prozent

    BMW: 372.418 Einheiten, Marktanteil 2,2 Prozent

    Mercedes: 406.387 Einheiten, Marktanteil 2,4 Prozent

    Porsche: 62.417 Einheiten, Marktanteil 0,4 Prozent

    Volkswagen: 572.524 Einheiten, Marktanteil 3,4 Prozent

    Quelle: IHS Global

  • 2025 (Prognose)

    Audi: 244.833 Einheiten, Marktanteil 1,5 Prozent

    BMW: 359.314 Einheiten, Marktanteil 2,1 Prozent

    Mercedes: 392.827 Einheiten, Marktanteil 2,3 Prozent

    Porsche: 51.421 Einheiten, Marktanteil 0,3 Prozent

    Volkswagen: 603.310 Einheiten, Marktanteil 3,6 Prozent

    Quelle: IHS Global

  • Beim Absatz liegt VW zwar nur knapp hinter Toyota, nicht aber bei der Profitabilität. Die Japaner machen mehr Gewinn – für das bis Ende März laufende Geschäftsjahr rechnet Toyota mit einem Ebit von rund 20 Milliarden Euro –, sondern brauchen dafür auch nur halb so viele Mitarbeiter. Experten zufolge stammen zwei Drittel des Konzerngewinns von Audi und Porsche. Sprich: Die anderen Konzernmarken, allen voran Volkswagen, müssen stärker auf Rendite getrimmt werden. Aus diesem Grund hat Winterkorn dem Konzern ein milliardenschweres Sparprogramm verordnet, dessen Auswirkungen allerdings erst im Berichtsjahr 2015 zum Tragen kommen werden.
  • Die Nutzfahrzeug-Sparte kommt nicht zur Ruhe. Schlechte Geschäfte in Brasilien und politische Krisen haben der VW-Tochter MAN ein durchwachsenes Jahr beschert, für 2015 ist keine Besserung in Sicht. Einen Beitrag zu dem Konzern-Sparprogramm soll zudem die engere Zusammenarbeit von MAN mit der VW-Schwester Scania leisten. Das wird die größte Aufgabe des neuen Nutzfahrzeug-Vorstands Andreas Renschler, der zum 1. Februar 2015 seine Arbeit aufgenommen hat. Mit positiven Effekten ist allerdings auch erst im Ergebnis des laufenden Jahres zu rechnen – falls der nötige Umbau nicht die Gewinne auffrisst.

Wenigstens das: Volkswagen sieht sein Spar- und Effizienzprogramm auf Kurs. „Wir sind mit unserem Programm bei allen Marken gut unterwegs“, sagte Winterkorn in einer ersten Bestandsaufnahme am Rande des Genfer Autosalons. Das Sparziel von jährlich fünf Milliarden Euro soll auch dadurch erreicht werden, dass wenig gefragte Sonderausstattungen und sogar ganze Modellvarianten wegfallen.

Autosalon Genf Öko-Autos machen PS-Protzen Platz

Trotz der Debatte um Klima, Nachhaltigkeit und Effizienz locken auf dem Autosalon in Genf eine Vielzahl von Kraftmeiern mit bis zu 1000 PS die zahlungskräftige Kundschaft. Erlaubt ist wieder, was gefällt.

Volles Rohr mit Porsche Cayenne Turbo S, Mercedes-Benz S 600 Pullman und Audi R8 Quelle: Pressebild, Montage

Einem „Spiegel“-Bericht zufolge wollen die Wolfsburger deshalb die kommende Generation des Kleinwagens Polo nur noch als Viertürer bauen – der Zweitürer wird schlichtweg zu wenig nachgefragt. Allein mit dem Verzicht auf eine Variante spare VW 200 Millionen Euro, so das Magazin. Ob es einen Nachfolgemodell des Beetle geben werde, sei noch nicht entschieden, sagten die zitierten Insider. Bestätigt ist hingegen, dass das Cabrio Eos keinen Nachfolger bekommen wird.

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