Volkswagen nach der Piëch-Ära: Ferdinands langer Schatten

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KommentarVolkswagen nach der Piëch-Ära: Ferdinands langer Schatten

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Obwohl er gar nicht anwesend war, war Ferdinand Piëch das Gesprächsthema auf der VW-Hauptversammlung

von Franz W. Rother

Der Rücktritt von Ferdinand Piëch lag wie ein Schatten über der VW-Hauptversammlung in Hannover. Vorstandschef Martin Winterkorn verteidigte sich gegen die Kritik der vergangenen Wochen – mit einer Vorwärtsstrategie.


Nein, Ferdinand Piëch kam nicht nach Hannover: Nach den Turbulenzen der vergangenen Wochen und seinem Rücktritt vom Posten des VW-Aufsichtsratsvorsitzenden hatte sich der 78-jährige Großaktionär entschieden, der VW-Hauptversammlung fernzubleiben. Der Beschlussfähigkeit tat es keinen Abbruch: Von den insgesamt gut 295 Millionen (stimmberechtigten) Stammaktien, die der Volkswagen-Konzern ausgegeben hat, waren in Halle 2 der Messe Hannover immerhin über 271 Millionen und somit über 91 Prozent vertreten.

Dennoch schwebte Piëch wie eine Wolke über der Versammlung: Nicht nur sein kommissarischer Nachfolger, der frühere IG-Metall-Gewerkschaftsboss Berthold Huber, sondern auch viele der Aktionäre würdigten in der mehrstündigen Generaldebatte die Verdienste des langjährigen Vorstandschefs und Chefaufsehers, der Ende April nach einem verlorenen Machtkampf um die Volkswagen-Spitze sein Mandat im Kontrollmedium niedergelegt hatte. Huber würdigte unter dem Applaus des Publikums die „außerordentlichen Verdienste Piëchs um Volkswagen und die gesamte Autoindustrie“, wofür ihm der „Respekt und Dank aller“ gebühre – an anderer Stelle werde man dies in Bälde zum Ausdruck bringen.

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Volkswagen in Zahlen

  • Umsatz

    52,7 Milliarden Euro (gegenüber Startquartal 2014: +10,3 Prozent)

  • Auslieferungen an Kunden

    2,487 Millionen Fahrzeuge (+1,8 Prozent)

  • Gewinn nach Steuern

    2.932 Milliarden Euro (+18,8 Prozent)

  • Mitarbeiter

    595.300 am 31. März 2015 (+0,5 Prozent im Vergleich zum 31.Dezember 2014)

  • Mitarbeiter im Inland

    272.200 (+0,4 Prozent)

  • Werke

    118 (Vorjahr: 106)

Auch Vorstandschef Martin Winterkorn, zu dem der Patriarch öffentlich „auf Distanz“ gegangen war, würdigte Piëch in seiner Rede „als Unternehmer, als Ingenieur, als mutiger Visionär“. Der Konzern habe „Herrn Dr. Piëch“ viel zu verdanken. Winterkorn: „Vor dieser Lebensleistung haben wir und ich großen Respekt.“

Winterkorn verteidigt sich

Der Rest seiner Rede wird den Aktionären allerdings wie eine Verteidigungsrede auf seinen Vorgänger und langjährigen Wegbegleiter vorgekommen sein. Die zu große Abhängigkeit vom chinesischen Markt, die Absatzprobleme in USA, die Krise in Brasilien und Russland sowie die niedrige Umsatzrendite der Kernmarke VW – auf alle angeblichen Kritikpunkte ging Winterkorn ein und versuchte sie zu entkräften: „Es gab in den letzten Woche unzählige Interpretationen, Spekulationen und leider auch Übertreibungen. Lassen Sie sich nicht in die Irre führen. Sie als unsere Anteilseigner müssen wissen: Volkswagen ist ein kerngesundes, gut aufgestelltes Unternehmen.“

Was auch immer Piëch seinem langjährigen Vertrauten ankreidet: Winterkorn sprach jede der mutmaßlichen Baustellen im Konzern an: „Wir wissen um unsere Aufgaben in diesem großen, globalen Konzern. Und wir haben sie längst angepackt.“ Der Vorstandschef versprach seinen Aktionären – Piëch eingeschlossen – eine Straffung des Modell- und Motorenprogramms, eine Modelloffensive in USA sowie eine Neuaufstellung des Nutzfahrzeuggeschäfts, um die Effizienz zu steigern und die Renditen zu erhöhen. „Der Volkswagen-Konzern erhöht jetzt noch einmal das Tempo.“ Nicht nur dem Großaktionär in Salzburg dürfte das gut gefallen.

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