Volkswagen: Porsche ist profitabler als die Kernmarke VW

ThemaPorsche

Volkswagen: Porsche ist profitabler als die Kernmarke VW

VW kommt derzeit beim Sparen nur im Schneckentempo voran. Trotzdem präsentierte Europas größter Autokonzern Rekordzahlen. Allerdings schlägt die Volkswagen-Tochter Porsche den Mutterkonzern um Längen.

Volkswagen kommt beim Sparen nur mühsam voran. Acht Monate nach der Ankündigung identifizierte das Management in dem Wolfsburger Zwölf-Marken-Konzern zwar Sparmöglichkeiten in Milliardenhöhe. "Wir haben inzwischen Verbesserungschancen in einer Größenordnung von etwa der Hälfte der angestrebten fünf Milliarden Euro identifiziert", sagte Vorstandschef Martin Winterkorn am Donnerstag bei der Bilanz-Präsentation für 2014 in Berlin.

Davon soll allerdings erst eine Milliarde Euro im laufenden Jahr das Ergebnis aufbessern. Damit bleiben VW nur noch die Jahre 2016 und 2017, um die weiteren vier Milliarden einzufahren.

Anzeige

Volkswagen Jahreszahlen Freud' und Leid des Martin Winterkorn

VW wird Rekordzahlen vorlegen. Umsatz, Gewinn und Verkäufe sind so hoch wie nie. Dennoch steht der Konzern vor großen Herausforderungen, die viel Zeit und Geld kosten werden.

Quelle: dpa

Zurückhaltend blieb Winterkorn beim Ausblick. Mit Blick auf die für 2015 im Konzern angekündigte operative Rendite (Ebit-Marge) zwischen 5,5 und 6,5 Prozent sagte er: "Wir bleiben damit bewusst ein Stück vorsichtiger - wir behalten trotz glänzender Zahlen immer die Bodenhaftung." Zugleich fügt er selbstbewusst hinzu, Volkswagen gebe sich "nie mit dem Minimum zufrieden". Erklärtes Ziel für 2015 sei, sowohl bei den Auslieferungen, als auch beim Umsatz und dem operativen Ergebnis zuzulegen. Die Höhe ließ Winterkorn offen.

An der Börse gaben die VW-Aktien 1,2 Prozent auf 239,25 Euro nach und zählten damit zu den größten Verlierern im Dax.

2014 hatte Europas größter Autokonzern den Betriebsgewinn um eine Milliarde auf 12,7 Milliarden Euro erhöht, ein Rekord. Einschließlich der China-Beteiligungen schwoll das operative Ergebnis auf fast 18 Milliarden Euro an.

VW profitiert von Baukastentechnik

Winterkorn hatte im Sommer ein Sparprogramm für die Hauptmarke VW Pkw aufgelegt, um deren Ertragskraft zu verbessern. Im vergangenen Jahr schrumpfte deren Betriebsgewinn um 417 Millionen Euro auf 2,5 Milliarden. Die Rendite (Ebit-Marge) sank auf magere 2,5 Prozent. Im Jahr davor hatten 2,9 Prozent zu Buche gestanden.

Sparprogramme der deutschen Autobauer

  • VW für Marke Volkswagen

    VW-Chef Martin Winterkorn will bis 2017 fünf Milliarden Euro pro Jahr sparen, da er sonst die Wettbewerbsfähigkeit und die Produktivität seines Konzern in Gefahr sieht. 2018 sollen sechs Prozent Umsatzrendite in den Büchern stehen, 2013 kamen nur 2,9 Prozent zusammen. Winterkorn hatte das Ziel ausgegeben bis 2018 Weltmarkführer werden zu wollen, die Rendite ist wichtiger Teil der Strategie. Sparen will Winterkorn beim Einkauf sowie geringeren Investitionen und Fixkosten. Er beklagte zudem zu hohe Kosten beim Bau neuer Fabriken sowie beim Anlauf neuer Modelle.

  • Daimler

    Daimler-Chef Dieter Zetsche fürchtet um das Rendite-Ziel von zehn Prozent. Deshalb hat er eine weitere Stufe des Programms „Fit for Leadership“ verordnet – was mittelfristig 3,5 Milliarden Euro pro Jahr einsparen soll. Das bis 2014 festgeschriebene Ziel einer Ausgabensenkung von zwei Milliarden Euro war nicht genug.

  • BMW

    Der Münchener Premium-Autobauer will bis 2020 drei bis vier Milliarden Euro pro Jahr sparen. Da berichtete das "Manager Magazin" am 18. Juni unter Berufung auf Konzernkreise. BMW-Chef Norbert Reithofer habe die Unternehmensberatung McKinsey mit der Ausarbeitung des Projekts beauftragt. Das Sparprogramm solle gewährleisten, dass die operative Umsatzrendite des Konzerns auch langfristig im angepeilten Korridor von acht bis zehn Prozent liege.

Auch die anderen Pkw-Marken schöpfen nach Meinung von Experten noch nicht ihre Möglichkeiten aus. Zwar profitieren die Wolfsburger immer mehr von der Baukastentechnik, auf der nun auch der neue Passat und der Familienwagen Touran basieren. Dadurch sinken die Kosten. Doch tanzt nach Wahrnehmung des Betriebsrats noch so manche Marke bei der Gleichteilestrategie aus der Reihe. Betriebsratschef Bernd Osterloh glaubt, dass VW wesentlich mehr als die angekündigten fünf Milliarden einsparen könnte, wenn sich alle an die Vorgaben hielten. Bei der Größe des Konzerns mit erstmals mehr als 200 Milliarden Euro Umsatz lägen große Potenziale brach. Insidern zufolge will VW über alle Marken hinweg zehn Milliarden Euro sparen.

Um diese zu heben, könnte der Konzern nach Meinung des Betriebsrats seine Strategie überarbeiten. Hinter den Kulissen wird darüber nachgedacht, im Vorstand weitere Ressorts für einzelne Fahrzeugsegmente zu schaffen. Die Berufung von Porsche-Chef Matthias Müller in das oberste Führungsgremium des Konzerns gilt als erster Schritt in diese Richtung. Um seine Kräfte richtig zu nutzen, muss der Riese aus Wolfsburg seine Töchter jedenfalls besser in Zaum halten, fordert so mancher Insider.

Weitere Artikel

Der Stuttgarter Sport- und Geländewagenbauer Porsche hat Volkswagen im vergangenen Jahr mehr Gewinn eingebracht als die eigene Marke VW. Porsche erwirtschaftete 2014 einen operativen Gewinn von 2,7 Milliarden Euro nach 2,6 Milliarden Euro im Vorjahr, wie aus dem am Donnerstag in Berlin veröffentlichten VW-Geschäftsbericht hervorgeht. Damit fuhr die VW-Tochter mehr Gewinn ein als die Kernmarke Volkswagen, die ein operatives Ergebnis von 2,5 Milliarden Euro erwirtschaftete. Außerdem übertraf die Sportwagenschmiede ihre eigene Planung: Porsche-Chef Matthias Müller hatte Anfang 2014 noch vorsichtig mit einem Ergebnis auf Vorjahresniveau gerechnet.

Porsche hatte im vergangenen Jahr vor allem vom Start des kleinen Geländewagens Macan profitiert und einen Rekordabsatz von 187.000 Fahrzeugen (Vorjahr 155.000) verbucht. Den Umsatz steigerten die Stuttgarter von 14,3 auf 17,2 Milliarden Euro. Sein komplettes Zahlenwerk präsentiert Porsche an diesem Freitag bei seiner Jahrespressekonferenz.

Anzeige
Unternehmer stellen sich vor
Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%